KONSUMENT.AT - Ärger im Internet: Phishing, Spam, Cybercrime - Potentielle "Kunden" als Betrüger

Ärger im Internet: Phishing, Spam, Cybercrime

Faule Mails und Internetbetrug

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veröffentlicht: 02.12.2013, aktualisiert: 02.12.2014

Inhalt

Betrüger im Internet treten nicht nur als Verkäufer, sondern auch als interessierte Käufer auf.

Auf Verkaufsplattformen wie beispielsweise ebay.com oder willhaben.at geben Betrüger vor, sie würden sich für angebotene Waren interessieren. Sie stellen Fragen und versuchen ein Gespräch aufzubauen, um glaubhaft und vertrauenswürdig zu wirken.

Bezahlung nur über PayPal möglich

Im späteren Verlauf der Konversation bekunden die Betrüger, dass sie nicht mittels Bargeld bezahlen können, sondern nur mit dem Online-Bezahlsystem PayPal. Die falschen Kunden verlangen die PayPal-E-Mail-Adresse der inserierenden Verkäufer, um diesen den Preis für die Ware inklusive einem Extrabetrag für den Transport zu überweisen. 

Überweisung an die Transportfirma

Nach Übermittlung ihrer E-Mail-Adresse erhalten die Verkäufer eine gefälschte E-Mail mit der Information, dass der gewünschte Geldbetrag für die Ware überwiesen wurde. Außerdem soll der Verkäufer mit dem zusätzlich überwiesenen Geldbetrag das Transportunternehmen vorab bezahlen. Überweist dieser nun die Transportkosten auf das angebliche Konto des Spediteurs, so ist der Betrug gelungen. Denn tatsächlich hat der Verkäufer nie das Geld für die Ware und den Transport erhalten.

Ähnliche Abzockversuche beschreibt die englischsprachige Website Scam Detector.


Nachfolgend ein Konversationsbeispiel eines KONSUMENT-Lesers mit einem solchen Betrüger auf willhaben.at. Bei der Ware handelt es sich um ein E-Bakfiets Fahrrad (Lastenfahrrad). Der willhaben.at-Verkäufer wird per SMS ohne Absendenummer, aber mit einem Namen ('rossndoggie'), kontaktiert.

Kontaktaufnahme per SMS

"Hello, regarding your advert on willhaben.at do you still have the bicycle for sale please reply at john_owens001@outlook.com Thank you."

Inserent antwortete per E-Mail

"Yes, the e-bakfiets is still for sale
Regards 
XX"

Angeblicher Kunde 'John Owens' scheint sehr interessiert

"I am interested in buying it and i would like to get it as soon as i can. I would appreciate if you can answer the few questions below:

Why are you selling it?
How much do you want for it?
How long have you owned it?

Sorry about the too much of question. I hope to hear from you soon, and i will make all transportation preparations for it to be transported to my home in UK. If possible can you send me some recent picture of the item?

my tell +447024067146

Best regards
John"

Inserent ist skeptisch bezüglich des Transportes nach Großbritannien

"Hello,
As i wrote in willhaben, we have to sell it because in winter 2014 it will be to small for our family. This Bakfiets is designed for 2 children;-)

the price is 1950 EUR - the same as in willhaben

i owned the bike for one year. We bought it used and a shop in vienna puts the engine, the batterie and the Magura brakes on it.

How will you transport the bike to the UK? It's about 2 meters long and weights about 40kg .

regards
XX"

Käufer bekundet, (nur) über PayPal bezahlen zu wollen

"I'm satisfied with the price & condition. I am buying it internationally to UK and i would pay you through PayPal into your PayPal account directly as it is the fastest & easiest way for me to make payment at this moment, do not worry about paypal charges as i would be paying for it & about the transportation, i shall arrange for a transport agent to come to your home directly for the pickup.

So if you accept this transaction, you should send me your info requested below if you have an account already with paypal or you may send me a PayPal Money Request:-

Name:
PayPal Email:
Mobile Number:
Total Price:

But if you don't have an account with PayPal just longin to (www.paypal.com) and register with them. When you are done with the registration send me the email used for the registration with PayPal so i can pay into your paypal account immediately and then we can arrange for my transport agent to come for the pick up, after you would have received your money. I will need your home address & telephone number for the pick up to be arranged.
 
i expect your reply soon :) .
my tell +447024067146
Thanks"

Verkäufer akzeptiert nur Bargeld

"Hello!

As I write in my Willhaben-Announcement, I only accept direct payment in cash.
So the easiest way is that the transport agent will directly pay me.

regards
XX"

Betrüger beharrt auf PayPal-Zahlung

"I wish i could come and personally inspect it and pay cash but am currently indisposed because of my job and which is the same reason i am paying through PayPal....

Thanks"

Von der Begründung des Betrüger-Käufers alarmiert bricht der KONSUMENT-Leser den Kontakt ab und übermittelt die Konversation an die KONSUMENT-Redaktion, zur Warnung anderer Verbraucher.

Tipps der Redaktion:

  • Schützen Sie sich vor möglichen Abzockversuchen indem Sie nur Bargeld akzeptieren. 
  • Meiden Sie Onlinebezahldienste für solche Verkäufe. E-Mails mit Originallogos echter Unternehmen sind häufig nicht von gefälschten zu unterscheiden.
  • Nehmen Sie direkten (telefonischen oder persönlichen) Kontakt zum Käufer auf.
  • Übergeben Sie die Ware gegen Bargeld, wenn möglich, persönlich.
  • Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob es sich um einen Abzockversuch handelt, versuchen Sie online Informationen über die Kontaktperson zu erlangen. Betrüger-Mail-Adressen finden sich häufig über Suchmaschinen.
  • Im Zweifelsfall: Schließen Sie den Vertrag nicht ab und brechen Sie den Kontakt ab!

Bewertung

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Kommentare

  • Kommentarfunktion (keine Umbrüche)
    von ling am 25.11.2017 um 01:39
    Zum soeben verfassten Kommentar möchte ich noch anmerken, dass es offenbar keine Möglichkeit gibt, Zeilenumbrüche mitzusenden. Dies ist nicht nur sehr schade, sondern fördert den Lesefluss überhaupt nicht, denn der Kommentartext wird - wie man es in Österreich so schön formuliert - "in einer Wurscht" angezeigt. Daher meine Anregung an die Redaktion: Bitte eine derartige Funktion einbauen - in anderen Foren ist dies Standard, also warum nicht auch bei Konsument? Text der ansprechend formatiert werden kann, wird auch (vollständig) gelesen. Danke für die Mühe.
  • Mail-Rechnung mit Anhang vs Internetbetrug/Phishing-Mail
    von ling am 25.11.2017 um 01:35
    @Tiroler99: Sie haben völlig Recht - besser könnte man es nicht formulieren. Ob man eine von Ihnen genannte Software braucht oder nicht, das muss jeder selbst entscheiden. Euro 15,- sind nicht viel Geld, das wäre gut angelegt. Leider sind heutige Phishing-Mails zT schon sehr gut gemacht, sodass auch der Kundige ein zweites Mal hinsehen muss, um gut von böse zu unterscheiden. @Dunkelsteinerwald: Leider stimmt Ihre Aussage, denn ich musste bei einer Mail der EVN auch Rücksprache halten, ob denn nun wirklich die Teilbeträge in Zukunft per Mail bekanntgegeben werden, was vom Kundencenter bejaht wurde. Das ist pure Schlamperei und sollte sofort bemängelt werden. Je mehr Kunden dies tun, desto rascher ändert sich etwas. Zu Ihrer Bemerkung über den Ärger über Firmen und Organisationen hinsichtlich der Praxis, Rechnungen als Mailanhänge zu versenden: Ich finde das sehr erfreulich, denn so habe ich alle Unterlagen digital, kann mir eine "Ordnung" aufbauen und habe bei Bedarf (der so gut wie nie vorhanden ist) immer noch die Möglichkeit ein Papierexemplar ausdrucken. Die Rechnungen sind digital signiert und haben daher auch bei Behörden Beweischarakter von Papierdokumenten. Da ich nicht gerade ein Freund von "Ablage" und richtigen Ordnern bin, kommt mir diese Vorgangsweise sehr entgegen. Falls Sie grundsätzliche Bedenken wegen des Absenders haben, so sollten Sie in Ihrem Mailprogramm langsam mit der Maus über die Absenderadresse fahren bzw dort verweilen. Je nach Mailprogramm sehen Sie entweder in der Browserstatuszeile (das ist der untere Rand) die tatsächliche Absenderadresse oder es erscheint über der Absenderadresse bereits ein kleines Rechteck mit der Adresse. Handelt es sich um ein Original, dann würde dort sinngemäß angezeigt, zB news@konsument.at, und nicht mehr. Liegt eine Phishing-Mail vor, finden Sie dort entweder eine ungleich längere Andresse, oder es liegt eine Mail-Adresse vor, die nicht sofort auf den Absender schließen lässt. Diese Mails sollte man sofort löschen. ****************** Beispiel: Eine Phishing-Mail von "PayPal". Absender: PayPal, Betreff: PayPal - Verifizierung Ihres Kundenkontos. Hier sollten schon die Alarmglocken läuten, denn kein seriöser Anbieter verlangt eine Verifizierung per E-Mail. Das gilt auch für Bankkonten und ähnliches mehr. Nun zum Mailtext: ****************** Wir brauchen Ihre Mithilfe Guten Tag, bedingt durch eine erhöhte Zahl der Angriffe auf unser Netzwerk führen wir regelmäßige, zufällige Verifizierungen unserer Kundenkonten durch. Mit Hilfe dieser Kontrollen beugen wir möglichen Fällen von Missbrauch vor und erhöhen zusätzlich die Sicherheit unserer Kunden. Wir bitten Sie daher, sich als Inhaber Ihres PayPal-Kontos zu identifizieren und uns dabei zu unterstützen, die Rechtmäßigkeit des Kontos sicherstellen zu können. Ist es nicht möglich, Sie als Inhaber zu bestätigen wird das Konto aus Sicherheitsgründen gesperrt, um einen möglichen Missbrauch zu verhindern. Verifizieren Sie jetzt Ihre Identität Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es sich hierbei ledglich um eine Präventivmaßnahme handelt um zukünftig eine erhöhte Sicherheit für Sie und Ihre persönlichen Daten gewährleisten zu können. Viele Grüße Ihr Team von PayPal ****************** Bewegt man nun den Mauszeiger auf "Verifizieren Sie jetzt Ihre Identität", so erscheint die Seite zu der man weitergeleitet wird: https://deref-web-02.de/mail/client/JUckjDEdlgQ/dereferrer/?redirectUrl=http%3A%2F%2Fveripay.pw%2FPfs7m In unserem Beispiel: www.veripay.pw/PFs7m. Bei der länderspezifischen Kennung PW handelt es sich um Palau, einer Südseeinsel in Mikronesien. PayPal besitzt allerdings die Kennung COM, sodass auch hier schon eine eindeutige Unterscheidung möglich ist. Besitzt unsere Mail dann noch einen Anhang, dann wird der Trojaner gleich mitgeliefert - also ungelesen löschen.
  • Zunehmende Umstellung auf Mail-Rechnung mit Anhang
    von Dunkelsteinerwald am 18.03.2017 um 10:04
    Die Gefahr nimmt zu, dass sich in Anhängen von sehr gut gefälschten Unternehmensmails Malware verbirgt. Da finde ich es sehr ärgerlich, dass immer mehr Firmen und Organisationen ihre Rechnungen als Anhang von Mails versenden, und im Mail nicht einmal Zahlungsbetrag und Konto angeben. Man wird so genötigt, den Anhang zu öffnen. Wie bitte soll ich erkennen, ob ein Mail tatsächlich vom ÖAMTC stammt, von "Herold" etc. - oder ob es gefälscht ist (um nur 2 Beispiele zu nennen). Ich persönlich weigere mich mittlerweile, Mailanhänge zu öffnen.
  • Internetbetrug
    von ling am 13.05.2016 um 15:25
    @Kukla ...Ich hatte aber keinerlei Kontakt zu dieser Firma und ein rückgeschicktes Antwortmail kam natürlich unzustellbar zurück... Und warum schreiben Sie überhaupt zurück? Das ist doch quasi eine Bestätigung für den Phisher oder Spammer, dass Ihre Adresse existent ist und Sie wieder belästigt werden können.
  • Die Neugier ist ein Luder
    von Tiroler99 am 23.12.2014 um 20:41
    Das Problem sind nicht die Spam Mails, sondern die neugierigen User die sie öffnen und auf links oder Anhänge klicken. Ich verwende seit Jahren Superspamkiller_pro (Preis ca. € 15,- auf http://www.superspamkiller.de). Die Software zeigt mir die Mails vorab die am Sever des Providers sind. Ich kann sie als reines Textfile vorab ansehen bzw. die Software hat natürlich ein tolles, zum selbereinstellen, Filtersystem. Nach dem Motto: die guten ins Töpfchen die schlechten löschen wir schon am Providerserver. Damit kommen sie nicht auf meinen PC und ich nicht in Versuchung irgendwelche dubiosen links o. ä. anzuklicken. Einzige Voraussetzung, Neugier abschalten! Sonst macht die beste Software keinen Sinn. LG aus Tirol und schöne Weihnachten, Josef