Datenschutz: Zalando

Kein Grund zum Schreien

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KONSUMENT 6/2015 veröffentlicht: 28.05.2015

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Das Recht auf Daten

Zuerst wollten wir anhand eines konkreten Beispiels wissen, welche Daten Zalando über seine Kunden speichert. Die Autorin dieses Artikels machte vom EU-weit geltenden Recht auf unentgeltliche Auskunft über die gespeicherten Kundendaten Gebrauch. Drei Tage nachdem die E-Mail samt Kopie des Reise­passes zur Identifikation an die vorgesehene Adresse geschickt worden war, lag der Brief mit der Auskunft in der Post.

Der Befund: ­Zalando speicherte in diesem Fall tatsächlich nur das Nötigste. Lediglich Bestellnummer, Zeitpunkt des Einkaufs, Name, Mail-, Rechnungs- und Versandadresse sowie die Höhe des Bestellwertes und die Zahlart waren im Datenblatt angeführt. Sofern man dem Onlinehändler Glauben schenken darf, hat er keine Angaben über die Bonität gespeichert, ebenso wenig Tiefendaten wie Alter, Familienstand, Hobbys oder bestimmte Vorlieben (etwa das Einkaufsverhalten betreffend).

Außerdem ­positiv anzumerken ist die Schnelligkeit. ­Während es beim Negativbeispiel Facebook monatelanger Geduld und Hartnäckigkeit ­bedarf, um an die Daten zu gelangen, war das Prozedere bei Zalando rasch und unkompliziert. Wer übrigens einem solchen Schreiben nicht glaubt, der hat die Möglichkeit, sich an die Österreichische Datenschutzbehörde zu wenden. Diese muss nach § 26 des Datenschutzgesetzes ein Verfahren einleiten.

AGB sind ok

Als Nächstes warfen wir einen Blick auf die AGB des Unternehmens. Die 13 A4-Seiten lange Datenschutzerklärung und Einwilligung zur Datennutzung ist geradezu mustergültig formuliert, wie der auf das Fachgebiet spezialisierte Rechtsanwalt Dr. Rainer Knyrim feststellt.

Einverständnis und Widerspruch

Nach den Erklärungen, welche Daten Zalando speichert und was die Firma mit ihnen unternimmt, ist stets eine Passage angebracht, in der dezidiert von einem Einverständnis die Rede ist: „Ich willige ein, dass Zalando die [...] Daten [...] verwendet, um [...].“ Darunter folgt in der Regel ein Absatz, der auf Möglichkeiten des Widerspruchs hinweist; man kann also bestimmte Ver­wendungs­arten der Daten unterbinden – beispiels­weise der Nutzung dieser Daten zu Werbezwecken (insbesondere für perso­nalisierte Werbung, Newsletter und Produktempfehlungen) widersprechen und die Weitergabe der Daten für die Marktforschung verweigern.

Ausschluss des Re-Targeting durch Cookie-Unterbindung

Außerdem wird nicht nur die Auskunft gegeben, dass eine Bonitätsprüfung des Kunden erfolgt, sondern auch, durch wen sie erfolgt. Hierzulande ist es die Firma CRIF GmbH. Ein ausführlicher Abschnitt klärt über die Verwendung von Cookies auf – darüber, wie langlebig sie sind und zu welchen Zwecken sie verwendet werden. Wobei auch erläutert wird, wie sich bestimmte Cookies in den Browser-Einstellungen blockieren lassen. Von Bedeutung ist das für all jene, die nicht mit Werbebannern für das immer gleiche Produkt bombardiert werden wollen, nachdem sie sich nach eben diesem im Netz ­erkundigt haben. Re-Targeting wird diese penetrante Form der Werbung in der Fachsprache genannt.

IP-Adresse nach Nutzung sofort gelöscht

Darüber hinaus fürs Mitprotokollieren zuständig sind die sogenannten Log-Dateien. Diese speichern Infos über die IP-Nummer (die „Adresse“ des Computers), den Zeitpunkt des Abrufes und den dafür verwendeten Browser. Den Zalando-AGB zufolge wird die IP-Adresse sofort nach Beendigung der Nutzung gelöscht. Ein wichtiger Punkt, zumal sich andernfalls ein Unternehmen jedes Smartphone, jedes Tablet und jeden PC merkt, mit dem sich der User einmal eingeloggt hat.

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