KONSUMENT.AT - Facebook - Grundeinstellungen beachten

Facebook

Das andere Gesicht

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KONSUMENT 9/2011 veröffentlicht: 16.08.2011

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Die Daten-Türen stehen offen

Facebook als Betreiber musste sich seit jeher harsche Kritik in Sachen Datenschutz gefallen lassen. Nach teilweise haarsträubenden Eskapaden und entsprechend wütenden, weltweiten User-Protesten in diesem Bereich stellt sich die Situation heute so dar: Wer sich bei Facebook anmeldet, betritt vorerst ein virtuelles Daten-Durchhaus, in dem viele Türen sperrangelweit offen stehen und die meisten Fenster nur angelehnt sind. Wer sie nicht rechtzeitig vernagelt und verhängt, bei dem können Daten-Neugierige mühelos einund ausgehen oder zumindest einmal einen begehrlichen Blick in die Privatsphäre des Nutzers, der Nutzerin werfen.

Voreinstellungen beachten

Das genau wurde der 16-jährigen Thessa aus Hamburg zum Verhängnis: Sie wollte ihre Partyeinladung eigentlich nur an ihre „Freunde“ posten (senden). Leider lautet die System-Grundeinstellung bei Facebook dafür: „An Alle“. Thessa hat somit potenziell 750 Millionen eingeladen und kann wohl froh sein, dass nur eineinhalbtausend gekommen sind.

Eine Frage der Einstellung

Sie ist mit ihrer Unwissenheit über diese Datenschutzkritischen Grundeinstellungen sicher nicht allein. Es scheint vielmehr so, dass vielen Facebookern nicht bewusst ist, was sie mit einer Facebook-Anmeldung unbeabsichtigt an persönlichen Daten preisgeben können. Hat man bei der Anmeldung alles brav eingetippt und belässt es bei den vom System empfohlenen Voreinstellungen, sind das unter anderem: 

  • Name, User-ID und Profilfoto (lässt sich nicht abstellen, sieht in jedem Fall jeder!) 
  • Familienstand, Geschlecht, vollständiges Geburtsdatum 
  • Ausbildung und Beruf 
  • Heimatstadt und aktueller Wohnort 
  • Vorlieben, Aktivitäten und Teilnahme an anderen Netzwerken 
  • persönliche Facebook-Freunde

Und das sind nur die Kerninfos aus den Grundeinstellungen. Unachtsame vermögen noch viel mehr ins Schaufenster zu stellen.

Der User wird’s schon richten

Nun mag man einwenden, Voreinstellungen eines Kommunikationssystems könnten ja vom Anwender geändert werden. Das stimmt. KONSUMENT hat nachgezählt: Auf den diversen Ebenen zur Kontoeinstellung und zum Bereich „Privatsphäre“ stehen bei Facebook mehr als 200 Einstellungsoptionen zur Verfügung! Dazu eine schier unüberschaubare Anzahl von Kombinationen aus diesen eineigezelnen Einstellungsmöglichkeiten.

Verantwortung beim User

Kann sich das jemand für seinen E-Banking-Zugang vorstellen: Jeder andere Kunde kann meinen Namen und meine Kontonummer sehen, meine Kontobewegungen, Veranlagungsvorlieben, Transaktionen, Geschäftspartner etc., sofern ich ihn nicht bewusst von diesen Infos ausschließe? Wohl kaum. Bei Facebook geht das – im übertragenen Sinn – und ist die „Konto“-Grundeinstellung. Facebook überträgt also die Verantwortung für sinnvolle Einstellungen an den User. Wer sie nicht ändert, hat eben Pech gehabt.

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