KONSUMENT.AT - Facebook - Datenschutzrichtlinien versteckt

Facebook

Das andere Gesicht

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KONSUMENT 9/2011 veröffentlicht: 16.08.2011

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Probleme? Auf nach Kalifornien!

Bei der Anmeldung zum System muss der User „ankreuzen“, dass er die Geschäftsbedingungen und Datenschutzrichtlinien gelesen hat. Eine Prüfung darauf, ob er die entsprechenden Links auch nur angeklickt hat, wie bei vielen anderen Internet-Dienstleistern üblich, erfolgt nicht. Und Hand aufs Herz: Wer würde sich auch wirklich die Facebook-Richtlinien mit ihrer Länge von 33.000 Zeichen durchlesen (das entspricht in etwa der doppelten Länge dieses Beitrages), wenn er sich gerade angemeldet hat?

 Im Zweifelsfall gilt der englische Text

Obwohl das ganz interessant sein könnte: Erfährt man doch gleich im ersten Satz, dass es sich dabei um eine Übersetzung aus dem Amerikanischen handelt und im Zweifelsfall der englische Text gilt. Also das Dictionary hervorgekramt – denn Facebook schiebt die Verantwortung auch hier auf die User ab. Wem das nicht passt, der könnte theoretisch klagen; allerdings müsste man die Klage – wie wir 10 Druckseiten weiter erfahren – bei einem Staats- oder Bundesgericht in Santa Clara County, Kalifornien, USA, einbringen, dem einzig akzeptierten Gerichtsstand von Facebook.

Datenschutz: im Hilfeteil „vergessen“

Und wie ist es um die Datenschutzrichtlinien bestellt? Die gibt es natürlich, und man muss bei der Anmeldung auch bestätigen, sie gelesen zu haben. Wer sich aber auf Facebook in den Hilfebereich begibt und dort „Datenschutzrichtlinien“ eingibt – der läuft ins Leere … Das 48.000 Zeichen starke Dokument ist nur per Durchklicken über etliche Links an anderer Stelle auffindbar. Ein eigenartiges „Vergessen“ eines Computernetzwerkes, das nach eigenen Angaben die technische Kompetenz hat, monatlich 30 Milliarden Inhalte (Nachrichten, Fotos, Videos usw.) zu verwalten beziehungsweise zu verteilen … Da reicht die Kapazität für Datenschutzbestimmungen in der Hilfe-Abteilung der Site nicht aus?

Facebook hilft, wo’s ihm nutzt

So sehen Kritiker Facebook denn zunehmend auch als janusköpfiges Ungetüm, das mit den Usern Katz und Maus spielt, als Datenkrake. Vor allem, was die Privatsphäre betrifft. Denn anstatt die Neuankömmlinge bei der Anmeldung Schritt für Schritt durch die für sie optimalen Einstellungen zu führen, beschränkt man sich bei der diesbezüglichen „Hilfe“ auf nur 3 Punkte: „Freunde finden“, „Profil erstellen“ und „Profilfoto hochladen“.

Und wie findet man laut Facebook am besten seine „Freunde“? Indem man nebst der eigenen E-Mail-Adresse auch das Passwort(!) seines E-Mail-Kontos eingibt; Facebook wählt sich dann dort ein und liest alle vorhandenen E-Mail-Adressen aus. Natürlich ohne das Passwort des Neulings zu speichern – sagt man. Man bewahre nur „in Deinem Auftrag die E-Mail-Adressen auf“. Mit dieser Vorgangsweise gelangen aber unweigerlich auch Adressen zur Speicherung in das Facebook-System, deren Inhaber nie um ihr Einverständnis gefragt wurden und die dem somit auch nie zustimmen konnten.

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