KONSUMENT.AT - Facebook - Überall hinterlässt man Spuren

Facebook

Das andere Gesicht

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KONSUMENT 9/2011 veröffentlicht: 16.08.2011

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Achtung, Datenfalle!

Zwar kann man diesen Punkt überspringen (wenn man gute Augen hat und den entsprechenden Link findet), doch die Aufforderung kommt immer wieder, bis der entnervte User resigniert und sein Passwort und die dahinter gelagerten E-Mail-Adressen bekannt gibt (es gibt weitere Methoden, alle münden aber in die Bekanntgabe der gespeicherten E-Mail- Adressen). Mit dem Weiterführen über „Profilangaben“ und „Profilfoto hochladen“ hat sich die „Betreuung“ durch Facebook im Rahmen der Anmeldung auch schon erledigt, den Rest muss man zu Fuß machen, die Türen verbarrikadieren, die Fenster zur Cyberwelt schließen – wenn man das will (siehe dazu den Kasten „Tipps: Zurückhaltung ist angesagt“).

Einstellungen regelmäßig prüfen

Wer die im Kasten angeführten Punkte geschafft hat, ist damit leider nicht für alle Zeit aus dem Schneider: Facebook ist bekannt dafür, neue Anwendungen einzuführen, ohne seine User darüber ausreichend zu informieren. Es gilt also, diese Einstellungen regelmäßig zu prüfen. Vor allem die Bilderkennung wird wohl mit Vorsicht zu genießen sein: Wenn Sie von der Bilderkennungssoftware auf einem hochgeladenen Foto erkannt werden, werden Ihre „Freunde“ eingeladen, dieses mit Ihrem Namen zu versehen, damit die ganze Welt sicher sein kann, dass die schwankende Gestalt im Hintergrund des Fotos auch wirklich Sie sind – möchten Sie das?

Spuren im Internet

Bedenken Sie deshalb im Umgang mit Facebook und anderen „sozialen“ Netzwerken immer: Sie verewigen sich mit jeder Aktion im Internet! Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Wollen Sie wirklich, dass das von Ihnen in lockerer Partylaune hochgeladene Bild in den High Heels der Freundin noch von Ihren Enkelkindern belacht wird? Dass der kecke Spruch über die alte Firma vom Personalberater gelesen wird, bei dem Sie morgen einen Termin zum Vorstellungsgespräch haben? Mehr als 50 Prozent der österreichischen Firmen geben mittlerweile zu (und wohl viele mehr praktizieren es), „soziale“ Netze als wichtige Informationsquelle mit Hinblick auf ihre (nur zukünftigen?) Mitarbeiter zu verwenden.

Account löschen ist kompliziert

Diesbezügliche Jugend- oder sonstige Sünden werden Sie möglicherweise bis ins Greisenalter verfolgen. Im „allgemeinen Internet“ und in vielleicht noch stärkerem Maße bei Facebook und Konsorten. Es dauert zwar nur 1 Minute, sich bei Facebook anzumelden, aber mindestens zwei Wochen, um wieder gelöscht zu werden. Der Weg ist mit (erkennbar absichtlich gesetzten) Stolpersteinen gepflastert und führt bei der „Datenkrake Facebook“ über 7(!) System-Ebenen.

In der 14-tägigen Wartezeit dürfen Sie keinerlei Kontakt zu Facebook haben – was Sie aber beim Besuch assoziierter Websites gar nicht merken müssen –, andernfalls wird ihre Kündigung storniert und Sie beginnen von vorn. Man liebt halt seine User, will sie nicht ziehen lassen, ist eben „sozial“. Ergo sind in den letzten zwölf Monaten in Österreich die Google-Anfragen „facebook löschen“ um 70, „facebook pinnwand löschen“ gar um 300 Prozent gestiegen. Aber selbst nach erfolgter Löschung sind Ihre Daten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bestenfalls bei Facebook nicht mehr aktuell sichtbar, bleiben aber auf den Backup-Servern des Systems erhalten.

Wahre "Freunde" eben

Sollte gar einer Ihrer mehr oder weniger gut bekannten Facebook-„Freunde“ Ihre Nachricht, Ihr Foto, Ihr Video ohne Ihr Einverständnis an andere Internetsites weitergeleitet haben, gibt’s keine Chance mehr, diese zu entfernen, und mancher mag sich wohl spätestens dann der alten Weisheit erinnern: „Wer solche ‚Freunde’ hat, der braucht keine Feinde mehr.“

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