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GSM-Handys: WAP

Wer braucht WAP?

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Konsument 9/2000 veröffentlicht: 01.09.2000

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Viel Lärm, wenig Inhalt, hohe Kosten

Vielmehr ist die derzeit via WAP zu empfangende Informationsfülle gerade mal so üppig wie das Schwarze unter den Fingernägeln eines in die PC-Tastatur klopfenden Internetsurfers: Einer aktuellen Studie des Informatikinstituts der Hochschule Bremerhaven zufolge weniger als ein Tausendstel des „normalen“ deutschsprachigen WWW-Umfanges. Grund: Es können nicht einfach WWW-Seiten an das Handy gesendet werden, Sie müssen zuvor neu programmiert werden. Das bedeutet Kosten. Und die wollen sich bislang nur wenige Anbieter aufbürden.

Mit erheblichen Kosten hat aber auch der „WAPler“ zu rechnen: Zwischen einem und drei Schilling pro Minute muss er an seinen Dienstanbieter für die Verbindung berappen. Das sind, geht man von einem durchschnittlichen Wert von zwei Schilling aus, 120 Schilling pro Stunde. Ein Vermögen, wenn man bedenkt, dass es heute schon normale PC/Telefon-Internetzugänge für rund 10 Schilling (und weniger) pro Stunde gibt. WAP bringt also in erster Linie den Dienstanbietern etwas: nämlich Umsatz.

Dazu kommt: Das WAPen ist unerträglich langsam (Datenübertragung mit 9600 Baud – nur rund ein Fünftel des mit einem PC-Modem Erreichbaren) und extrem kompliziert in der Bedienung, vor allem wenn es um die Eingabe von WAP-Adressen geht. Die Minitastatur des Handys mit ihrer Mehrfach-Buchstabenbelegung ist dafür schlichtweg genauso wenig geeignet wie das Handydisplay zur Darstellung von Grafiken. Außerdem muss das Handy erst einmal mit einer ganzen Reihe von Angaben gefüttert werden, bevor es überhaupt mit dem WAPen losgeht; und die Informationen erscheinen auf dem Minidisplay des Telefons weit unzuverlässiger als am PC (Serverabstürze, Unterbrechungen der Datenübertragung etc.).

Das alles hat mit „dem Internet“ beziehungsweise „dem WWW“ so viel zu tun wie das Senden von Rauchsignalen mit der modernen Telefonie.

So kommt die zitierte Studie auch zu dem Schluss, dass man sich in fünf Jahren an WAP – zumindest in seiner heutigen Form – vermutlich nicht einmal mehr erinnern wird. Bezeichnender Titel der Untersuchung deshalb wohl auch: „Mehr Flop als Top“.