KONSUMENT.AT - Handyhersteller im Ethik-Test - Geringe Informationsbereitschaft

Handyhersteller im Ethik-Test

Technik hui, Ethik pfui

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Konsument 5/2007 veröffentlicht: 10.04.2007

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Geringe Informationsbereitschaft 

Der Reihe nach: Die Informationsoffenheit der Hersteller lässt zu wünschen übrig. Kein Unternehmen hat alle Punkte des Fragebogens ausgefüllt. Öffentlich zugängliche Berichte werden nur von Motorola und Nokia in ausreichendem Maß zur Verfügung gestellt. Die mittels verdeckter Anrufe („mystery calls“) ermittelte Auskunftsfreudigkeit brachte besonders schlechte Ergebnisse. Keines der Unternehmen dürfte an wissbegierigen Konsumenten interessiert sein. 

Noch immer Schadstoffe in Handys 

Ein typisches Mobiltelefon enthält jede Menge toxischer Substanzen: Blei, bromierte Flammschutzmittel (BFR), Beryllium, Chrom, Arsen, Cadmium und Antimon. Viele davon lagern sich im Fettgewebe von Mensch und Tier ab, die Folge können Schädigungen des Nervensystems, Krebs oder genetische Schäden sein. Die EU hat zwar die Verwendung solcher Substanzen stark eingeschränkt (RoHS-Richtlinie), aber in geringeren Mengen sind sie noch immer in Handys enthalten; außerdem gelten die Bestimmungen nur für den europäischen Markt, für Handys in der Dritten Welt gelten sie nicht. 

Hoch gesteckte Hersteller-Ziele

Was erfreulich ist: Alle fünf Hersteller im Test haben sich Ziele gesetzt, die über die EU-Bestimmungen hinausgehen; ihre Umsetzung wird in den Zulieferbetrieben relativ strikt überwacht.Besonders kritisch – wegen der extrem kurzen Lebensdauer eines Handys – ist die Abfallproblematik. Elektronik-Schrott hat unter den festen Abfallstoffen die höchste Zuwachsrate. Trotz eines gesetzlich verpflichtenden Recycling-Systems, dem sich alle Hersteller unterworfen haben, ist das Problem nach wie vor ungelöst.

Viele entsorgte Handys landen in Dritter Welt 

Nur ein kleiner Teil der Handys landet bei den gemeindeeigenen Sammelstellen, noch weniger werden durch eigenständige Rückgabesysteme der Hersteller erfasst, wie beispielsweise Nokia eines anbietet. Die meisten Handys werden auf illegalen Wegen ins Ausland verbracht, hauptsächlich in Länder der Dritten Welt, wo es keine Möglichkeit gibt, zu überprüfen, welche Schäden an Mensch und Umwelt damit verursacht werden.

Nicht zuletzt zählt der Energieverbrauch zu den zentralen Umweltkriterien. In diesem Bereich nimmt Nokia die führende Position ein, während Samsung die geringsten Ambitionen zeigt. 

Feldstudie: Negativmeldungen überwiegen

Unter den Erwartungen blieben die sozialen Ambitionen der Handyhersteller. Wohl können vier von fünf Unternehmen (LG als unrühmliche Ausnahme) auf einen umfangreichen Verhaltenscodex verweisen, der (fast) alle Anforderungen erfüllt. Aber die Kontrolle ist bei keinem Hersteller in ausreichendem Maß gewährleistet.
Kein Unternehmen stellte Audit-Ergebnisse zur Verfügung.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch in der Feldstudie vor Ort die Negativmeldungen überwogen. Über 200 Arbeiter und Arbeiterinnen aus 14 Fabriken in China, Indien, Thailand und auf den Philippinen wurden befragt.

Unter dem Existenzminimum

Die Löhne liegen generell unter dem Existenzminimum. In China wird nicht einmal der gesetzlich festgelegte Mindestlohn bezahlt. Erzwungene und unbezahlte Überstunden sind die Regel. Zeiterfassungslisten und Lohnzettel werden einfach gefälscht. Wer sich weigert, Überstunden zu leisten, dem droht nicht selten die
Entlassung.

Gefährliche Arbeitsbedingungen 

Die Arbeitsbedingungen sind infolge der zahlreichen toxischen Chemikalien, die in der Handyproduktion eingesetzt werden, höchst gefährlich. Die Arbeitgeber unterlassen es aber häufig, den Arbeitern auch nur die primitivste Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen. Gewerkschaften werden äußerst feindselig behandelt. In der Vor-Ort-Untersuchung fand sich keine einzige Fabrik, in der eine Gewerkschaft aktiv gewesen wäre.

Die schlimmsten Bedingungen herrschten in China und in Thailand. In einer chinesischen Fabrik, die für Motorola produziert, wurde sogar ein Fall von Kinderarbeit aufgedeckt: 200 Schüler, die noch keine 16 Jahre alt waren, mussten arbeiten, um ihr Schulgeld zu verdienen. Etwas besser, aber immer noch unter den Standards, war die Situation in Indien. Nur die Fabriken auf den Philippinen erfüllen die internationalen Arbeitsnormen einigermaßen.

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