KONSUMENT.AT - Handys: Wenn Senioren testen - Handys: Wenn Senioren testen

Handys: Wenn Senioren testen

Firmen konzentrieren sich auf Junge

Seite 3 von 8

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 7/2005 veröffentlicht: 15.06.2005

Inhalt

Kurzbedienungsanleitung nur bei Motorola

Jedenfalls wäre es nur recht und billig, auf die Benutzerbedürfnisse älterer Menschen in einer entsprechend gestalteten Kurzform der Bedienungsanleitung einzugehen. Für die spezifischen Funktionen wäre dann noch immer die Langform da, die Profi- oder Spezialisten-Ausgabe gewissermaßen. Ein Hersteller, nämlich Motorola, bietet für seine beiden Geräte tatsächlich eine Kurzfassung. Nur wird nicht klar, für wen und warum diese gemacht wurde, denn sie hastet nach dem Erklären der allerersten Schritte gleich zu Feinheiten wie Video-Aufnahmen und -Calls, MP3-Abspielen, Wallpaper und Screensaver sowie den fotografischen Möglichkeiten – greift also just die Funktionen für den geübten, üblicherweise jüngeren Anwender heraus.

Kurzwahleinrichtung war sehr schwierig

Was sich als äußerst schwierig erwiesen hat – nachvollziehbar, wie unsere „Superviser“ bestätigten – war das Einrichten der Kurzwahl. Sechs von neun Testpersonen hatten dabei gröbere Probleme; beim LG L1100 und dem Siemens A 65 scheiterten fast alle Tester. Eine andere Quelle des Verdrusses waren die Tastaturen, die oft für Fingernagel-Betätigung konzipiert sind, was nicht jedermanns Sache ist. Bei den Displays hat sich oft der Eindruck von Symbolverwirrung eingestellt: Wohl nicht nur für Senioren, aber besonders für diese, ist es einfacher und übersichtlicher, wenn die Funktionen und Optionen von oben nach unten in verbaler Form angeordnet sind und nicht kreuz und quer als Symbole über den Bildschirm verstreut. Was allerdings nicht den Handyherstellern angelastet werden kann, sondern den Providern, die sich von einer firmenspezifischen Oberfläche (vor allem international) einen hohen Wiedererkennungswert versprechen.

Designer-Gags

Nicht selten leisten auch die Designer ihren Beitrag, dass den Benutzern das Sein nicht unerträglich leicht werde: So etwa scheint das wahrhaftig blendende, silbergraue V3 von Motorola für eine ansehnliche Zweitkarriere als Spiegel prädestiniert. Weniger klar ist, wo Motorola die besondere Seniorentauglichkeit ortet. Das fragt man sich allerdings auch bei Motorolas zweitem Gerät, dem C 975: Letzteres wird statt von der üblichen Pfeiltastatur durch einen Joystick gesteuert, der Fehler beträchtlich erleichtert. Und sich einmal bei einem Bedienungsschritt zu verhauen, ist im günstigsten Fall einfach nur lästig, im schlimmsten Fall macht es einen kompletten „Neuaufbau“ des Handys notwendig.

Vereinheitlichte Bedienungsrichtlinien

So wenig, wie es bei Handys einheitliche Preise gibt – die Kosten hängen vom Vertrag ab –, so wenig gibt es gesetzliche oder branchenintern verbindliche vereinheitlichende Bedienungsrichtlinien. Da die Hersteller naturgemäß versuchen, Kunden den Wechsel zu einem Konkurrenten zu erschweren, ist jede Marke signifikant anders zu handhaben. Beim Gros unserer Testpersonen jedenfalls wich anfängliche Euphorie bald der Ernüchterung, nicht selten der Ermüdung. Am Ende stand die Sinnfrage: Man hat es – aber braucht man’s auch?

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen
Weiterlesen