KONSUMENT.AT - Handys: Wenn Senioren testen - "Keine Schwellenangst" - Interview

Handys: Wenn Senioren testen

Firmen konzentrieren sich auf Junge

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Konsument 7/2005 veröffentlicht: 15.06.2005

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"Keine Schwellenangst" - Interview

Martina Koepp ist Geschäftsführerin der GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik® mbH, Iserlohn, die Produktentwicklungen und Dienstleistungen für den stark wachsenden Markt der Generation 50+ fördert.

Martina Koepp

Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Probleme älterer Menschen mit Handys?

Über die Grundfunktionen hinaus sind die Geräte mit Zusatzfunktionen überfrachtet. Die Menüführung ist zu komplex. Die Tasten sind zu klein, ebenso die Schriftgröße bzw. das Display. Außerdem ist bei den meisten Geräten wegen der zu geringen Kontrastwirkung die Lesbarkeit nicht ausreichend.

Gibt es Schwellenangst? Eine Tendenz, von vornherein aufzugeben, weil alles so kompliziert ist?

Bei den Generationen oberhalb von 50/60 gibt es aus unserer Erfahrung keine Schwellenangst. Man ist an neuen Technologien durchaus interessiert. Wenn Technik einfach zu bedienen ist, sind auch die Älteren schnell zu überzeugen.

Ist das Handy auch für ältere Menschen ein Statussymbol?

Das Handy soll eine bestimmte Funktion erfüllen, namentlich in erster Linie das Telefonieren. Es wird daher eher als Funktionsprodukt gesehen.  Als Statussymbol eher nicht.

Was sind die größten Beweggründe für Senioren, sich ein Handy zuzulegen?

Sicherheit vor Komfort, gefolgt von Kommunikation.

Und was sind die größten Beweggründe, sich keines zuzulegen?

Ein unübersichtlicher Provider-Markt und dadurch nicht nachvollziehbare Tarife sowie überfrachtete Technik.

Wie schätzen Sie die Bereitschaft der Industrie ein, auf die Bedürfnisse von Senioren einzugehen?

Besonders im letzten Jahr hat die Industrie an diesem Thema großes Interesse gezeigt. Hier spiegelt sich der demografische Wandel der Bevölkerung wider, ein kaufkräftiger Konsumentenmarkt zeigt Wirkung, und dies gilt letztlich europaweit.

Und wie sieht es mit der Bereitschaft der Provider aus?

Aus unserer Sicht liegt hier der Kernpunkt des Problems. Die Provider gehen grundsätzlich davon aus, dass das Telefonierverhalten von Senioren stark abweicht von dem jüngerer Nutzergruppen. Die Senioren beanspruchen einfach nicht genug „air time“-Gesprächszeiten usw., sodass hier nicht genug „Umsatz“ erwartet wird.

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