Internet: mobil surfen

Sauteure Datenfallen

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KONSUMENT 8/2011 veröffentlicht: 18.07.2011

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Schlichtungsverfahren bei Streitigkeiten

Was kann man aber tun, wenn trotz allem eine Handyrechnung eintrudelt, auf der überhöhte Kosten für die Datennutzung aufscheinen? Bei Streitigkeiten über eine Telefon­rechnung hat man die Möglichkeit, bei der Schlichtungsstelle der RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH) ein Schlichtungsverfahren in Anspruch zu nehmen. Voraussetzung dafür ist, dass man mit dem Provider zu keiner Einigung ge­kommen ist.

Der erste Schritt ist daher, nach Rechnungs­erhalt den strittigen Teil davon innerhalb der angegebenen Frist schriftlich beim Provider zu beeinspruchen. Gleichzeitig kann man dies der Schlichtungsstelle melden und einen Antrag auf Aufschub der Fälligkeit stellen. Dafür gibt es auf der Website der RTR ein Formular. Unabhängig davon sollte man den restlichen Teil der Rechnung sofort bezahlen. Trotz Aufschubs der Fälligkeit der Rechnung dürfen die Provider nämlich in einem gewissen Ausmaß Verzugszinsen geltend machen. Hilfreich kann unter Umständen ein Einzel­entgeltnachweis sein, auf den sowohl Vertrags- als auch Wertkartenkunden kostenlos Anspruch haben und der Details zu den Sprach- und Datenverbindungen enthält.

Schlichtungsantrag stellen

Misslingt die Einigung, so kann man innerhalb eines Monats nach dem Erhalt der schriftlichen Stellungnahme des Providers bei der Schlichtungsstelle einen Schlichtungsantrag stellen. Auch dafür gibt es ein Formular. Dazu muss man allerdings ­wissen, dass die Schlichtungsstelle meist nur prüft, ob die Abrechnung formal richtig ist, und Kompromisslösungen vorschlägt. Das Schlichtungsverfahren ist nicht verbindlich, der Vorschlag kann also sowohl vom Provider als auch vom betroffenen Kunden abgelehnt werden. Beiden Parteien steht es jederzeit offen, die strittigen Punkte vor Gericht zu klären.

Musterprozesse zur Klärung

Seitens des VKI sind derzeit einige Musterprozesse zum Thema „Downloadüberschreitung“ anhängig. Damit soll geklärt werden, ob die teilweise exorbitant hohen Kosten für die Daten, die außerhalb des inkludierten ­Datenvolumens verbraucht werden, angemessen sind.

Wer sich derzeit auf eine „Kulanzlösung“ einlässt (z.B., den halben Rechnungsbetrag zu zahlen), sollte gleichzeitig gegenüber dem Provider die „Zahlung vorbehaltlich rechtlicher Klärung und Rückforderung“ schriftlich bekanntgeben. Für den Fall, dass es zu posi­tiven Urteilen im Sinn der Konsumenten kommt, können diese Beträge unter Umständen zurückgefordert werden. Bis es zu rechtskräftigen Gerichtsurteilen kommt, wird es freilich noch dauern. Und eine Garantie, dass Gerichte im Sinne der Konsumenten entscheiden, gibt es letztlich nicht.

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Kommentare

  • Navi und Internetzugriff
    von ECS am 30.09.2011 um 11:15
    mein Navi benötigt das Internet nur zur Karteninformation. Also schalte ich auf manuelle Netzsuche und fahre mit den Karten die im Handy sind.
  • "A-GPS" und andere Kundenfeindlichkeiten
    von multitude am 20.08.2011 um 22:22
    Jedes normale Navi fürs Auto kommt mit einem einfachen GPS aus. Internetunterstütztes GPS ist in diesen Geräten offenkundig nicht notwendig und sie finden auch so schnell genug die gewünschte Position bzw. Route. In allen 3 von mir ausprobierten Smartphones konnte man den Internetzugriff bei der Navi-Funktion nicht abstellen. D. h. dort wo man diese am ehesten benötigt - nämlich im Ausland - wird man schamlos geschröpft. Ich halte das für keinen Zufall, sondern für eine gezielte Geldbeschaffung. Anderes Beispiel: Bei "einfachen" Handys war es bis dato auch ziemlich einfach von automatischer Netzsuche auf manuelle umzustellen, was einem davon bewahrt, dass man im Grenzgebiet - und in einem kleinen Land wie Österreich ist man bald einmal im Grenzgebiet - ohne es zu wissen und zu wollen in ein ausländischen viel teureres Netz eingebucht wird. Bei Android-Smartphones hat man diese einfache Klarheit beseitigt. Das ist kein Fortschritt sondern ein technischer Rückschritt, der im Zweifelsfall auf Kosten der Kunden geht und den Netzprovidern zusätzliche Einnahmen beschert. Ich finde, dass alle Handyanbieter dazu verpflichtet werden sollten, wenn sie GPS anbieten, dass man das auch ohne Internetzugriff nutzen können muss und dass die Netzwahl klar und eindeutig konfiguriert werden können muss. Alles andere ist Kundenfeindlich und hat keinen anderen Sinn als dem der Abzocke.
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