Zum Inhalt

Null-Euro-Handys - Gratis heißt nicht kostenlos

Geschenkte Handys sind nicht in jedem Fall ein gutes Geschäft für den Kunden. Wer vorher rechnet, kann später sparen.

Wenn Sie die Wahl haben zwischen einem neuen Smartphone für 679 Euro und dem gleichen Modell für null Euro, dann sollten Sie beim Annehmen des reizvollen Angebotes – zögern. Die Besonderheiten des österreichischen Mobilfunkmarktes bringen es mit sich, dass viele Geräte SIM-locked, also nur im Netz eines bestimmten Betreibers verwendbar sind, dafür aber in der Anschaffung wenig bis gar nichts kosten.

2 Jahre Tarifbindung

Je teurer ein Gerät im freien Handel ist, desto interessanter wird es natürlich als Null-Euro-Schnäppchen. Allerdings sind solche günstigen Angebote immer mit einem konkreten Tarif kombiniert, an den Sie in der Regel zwei Jahre lang gebunden sind. Und Sie erwerben damit ein Gerät, das Sie bei einem Anbieterwechsel kostenpflichtig entsperren lassen müssen.

Gratis-Smartphones: iPhone 5, Sony Xperia Z, Samsung S3

Wir haben im März dieses Jahres eine Erhebung durchgeführt, bei der wir uns auf aktuelle Modelle aus der Oberliga der Smart­phones wie das Samsung S3 (das S4 war noch nicht verfügbar), das iPhone 5 oder das Sony Xperia Z konzentriert haben, die zu ­diesem Zeitpunkt bei einigen Providern ab null Euro erhältlich waren.

Vertrag-Details beachten

Da sich die Angebote monatlich ändern können, ging es uns dabei weniger um einen aktuell gültigen ­Vergleich, sondern eher um das beispielhafte Aufzeigen jener Details, die Sie bei der ­Auswahl beachten sollten. Online-Rabatte, Bonuspunkte, Freiminuten ins eigene Netz, Zusatzpakete, die nicht bereits im Tarif inkludiert waren, freie Roamingminuten oder kurzfristige Aktionen haben wir dabei ebenso unberücksichtigt gelassen wie die Wertkartentarife.

Mehr als 1.000 Euro in zwei Jahren

Mehr als 1.000 Euro in zwei Jahren

Wenn man nachrechnet, auf welche Summe sich ein Tarif mit Null-Euro-Smartphone ­inklusive aller Nebenkosten innerhalb von zwei Jahren beläuft, kommt man zum Beispiel bei A1 auf 1.524,90 Euro für das iPhone 5 oder das Sony Xperia Z, bei Drei auf 1.049 Euro. Bei A1 summiert sich die monatliche Grundgebühr auf fast 60 Euro, derselbe Tarif (A1 Smart 3) beträgt nur 30 Euro, wenn Sie ein bezahltes Handy benutzen.

Anbieter-Kosten locker hereingespielt

Angesichts dessen ergibt sich ein anderes Bild vom ­Gratis-Smartphone. Es wird deutlich, dass zwar das Objekt der Begierde in der Werbung als verlockendes Schnäppchen präsentiert wird, dass aber über die damit verknüpften Tarife die Kosten im Laufe von 24 Monaten locker wieder hereingespielt werden.

Günstigere Tarife: keine Top-Geräte

Für weniger als 30 Euro pro Monat finden Sie daher auch keine Top-Geräte unter den Null-Euro-Smartphones bzw. müssen Sie bei den günstigeren Tarifen das Gerät anteilig bezahlen. Die Diskontanbieter nehmen die teuren Modelle erst gar nicht ins Angebot, weil sie sonst den niedrigen Durchschnittspreis ihrer Tarife nicht halten könnten. Schließlich sind sie im Wettstreit um wechselwillige Kunden bei den Smartphone-Tarifen schon unter die 10-Euro-Marke gerutscht.

Am eigenen Bedarf orientieren

Am eigenen Bedarf orientieren

Zwar sind die mit den Null-Euro-Smart­phones verknüpften Tarife mittlerweile üppig mit Freiminuten und Datenvolumen sowie fallweise mit Zusatzpaketen bestückt, doch sollten Sie die eigenen Nutzungsgewohn­heiten nicht aus den Augen lassen und ­hinterfragen, ob Sie diesen Tarif auch ohne das Smartphone wählen würden.

Wer mit 1000 Gesprächsminuten (= rund 16,5 Stunden) pro Monat auskommt, muss nicht unbedingt für 3000 Minuten zahlen. Immerhin belaufen sich manche Tarife auf fast 60 Euro pro Monat. Die jährliche Servicepauschale (meist 20 Euro) und die einmalige Aktivierungsgebühr (üblich sind 49,90 Euro) kommt dann noch dazu.

Wieviel Datenvolumen muss es sein?

Gleiches gilt für das Datenvolumen. 3 GB können natürlich bei intensiver Internet­nutzung mit vielen Videoabrufen knapp ­werden. Auch Musikhören via Cloud, Hochladen von Fotos und Online-Navigation schlucken bei starker Nutzung viel Daten­volumen.

Wenn Sie allerdings im normalen Ausmaß surfen und E-Mails abrufen, dann werden Sie selbst bei täglicher Verwendung nicht einmal 1 GB pro Monat verbrauchen und können dabei sogar noch das eine oder andere YouTube-Video anschauen. Und wenn Sie sich auf E-Mails beschränken, dann finden Sie überhaupt mit einem Einsteiger-Smartphonetarif mit 100 MB Datenvolumen das Auslangen.

Vorhandenen Tarif mit Datenpaket kombinieren

Auf einen Sprachtarif mit weniger als 100 MB bzw. gar keinem inkludierten Datenvolumen zurückzugreifen macht bei Verwendung ­eines Smartphones keinen Sinn, weil das ­Gerät regelmäßig für den Normalbetrieb etwas Datenvolumen verbraucht, es sei denn, Sie verzichten auf den vollen Nutzungsumfang eines Smartphones. Möglicherweise können Sie aber einen vorhandenen Sprachtarif zu sinnvollen Konditionen mit einem kostenpflichtigen Datenpaket kombinieren.

SIM pur als Alternative

SIM pur als Alternative

Jedenfalls sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie eventuell günstiger aussteigen, wenn Sie ein für alle Netze offenes Gerät kaufen und unabhängig davon einen passenden ­Tarif wählen – je nach Provider können Sie damit sogar der Aktivierungsgebühr und der Bindefrist entgehen.

Man spricht hier auch von SIM pur, weil Sie bei Vertragsabschluss lediglich eine SIM-Karte ausgehändigt bekommen. Die Auswahl ist in diesem Fall groß, weil mit A1, Bob, Drei, Orange, Redbull ­Mobile, Telering, T-Mobile, s-Budget und Yesss gleich neun Provider zur Verfügung stehen, die Smartphone-Tarife als SIM pur im Angebot haben (die wirtschaftlichen Verflechtungen der genannte Provider spielen hierbei keine Rolle).

Niedrigere monatliche Kosten

Im Fall von A1 und Drei sind dies in erster ­Linie jene Tarife, die auch in Kombination mit den Null-Euro-Geräten verfügbar, aber mit niedrigeren monatlichen Kosten verbunden sind; und – nur bei Drei – mit halber Servicepauschale, ohne Aktivierungsgebühr und ohne Bindung. Daneben bieten A1 und Drei die oben erwähnten Einsteigertarife mit 100 MB Datenvolumen. Auch in diesem Fall ist Drei deutlich günstiger als der insgesamt hochpreisige Provider A1. Umfangreichere Smartphone-Pakete für wenig mehr Geld als bei Drei bekommt man z.B. bei Yesss und s-Budget.

EU-Tarife, Jugendtarife

Interessant können darüber hinaus die Spe­zialtarife einzelner Provider sein, etwa die EU-Tarife von A1, T-Mobile und Orange mit inkludierten Freiminuten ins Ausland oder die Jugendtarife von A1 und Orange. Und wer wirklich sparen möchte, geht beim Smart­phone Kompromisse ein und wählt eines aus der Mittelklasse bzw. ein nicht mehr ganz ­aktuelles.

Bei den Android-Geräten ist die Auswahl diesbezüglich groß, aber auch Apple verkauft weiterhin die Vorgängermodelle iPhone 4 und 4S zu entsprechend niedrigeren Preisen. Die Entscheidung für einen Tarif mit oder ohne Smartphone muss letztlich individuell getroffen werden, doch eines ist sicher: Im Vorfeld vergleichen und die Tarifbedin­gungen lesen gehört auf jeden Fall dazu.

Die wichtigsten Fragen

Fassen wir die wichtigsten Fragen im Vorfeld eines Vertragsabschlusses zusammen, und zwar unabhängig davon, ob Sie einen Tarif mit oder ohne Gratis-Smartphone wählen:

  • Wie hoch ist die monatliche Grundgebühr?
  • Wie hoch sind die Zusatzkosten (Aktivierungsgebühr, Servicepauschale)?
  • Wie hoch sind die Gesamtkosten nach zwei Jahren?
  • Welche Bindungsfrist gibt es?
  • Entspricht der angebotene Tarif hinsichtlich Kosten und Leistungsumfang den eigenen Möglichkeiten und Bedürfnissen?
  • Wie viel kostet das Entsperren des Smartphones und ab wann ist dies laut Vertrag möglich?

Den individuell optimalen Tarif finden Sie auch über den Tarifrechner der AK: http://ak.fonito.at.

Tabelle: Gleicher Tarif - mit/ohne Gratishandy

Tabelle: Attraktive Alternativen ohne Gratishandy

Beispiel: Apple Iphone 5, Samsung Galaxy S3

Bei A1 gibt es das iPhone 5 (16 GB) statt um 679 Euro gratis. Die Gebühren für zwei Jahre sind dafür um 715 Euro höher (siehe Tabelle). (Bild: Stiftung Warentest)

Bei A1 gibt es das iPhone 5 (16 GB) statt um 679 Euro gratis. Die Gebühren für zwei Jahre sind dafür um 715 Euro höher (siehe Tabelle).

Wer das Samsung Galaxy S3 (16 GB) bei Drei um 0 Euro bezieht (Kaufpreis 450 €), zahlt binnen zwei Jahren um 429 Euro höhere Gebühren (nicht in der Tabelle). (Bild: Stiftung Warentest)

Wer das Samsung Galaxy S3 (16 GB) bei Drei um 0 Euro bezieht (Kaufpreis 450 €), zahlt binnen zwei Jahren um 429 Euro höhere Gebühren (nicht in der Tabelle).

Leserreaktionen

Vorteil Update

Der Vorteil von vertragsfreien Handys ist auch das Softwareupdate. Denn so ist man nicht an seinen Anbieter gebunden bis er das Update frei gibt. Habe damit Erfahrung bei T-Mobile mit Windows 7 HTC. Es gibt schon Updates und ich kann sie nicht abrufen, weil T-Mobile sie noch nicht freigegeben hat. Deshalb kommen für mich nur mehr vertragsfreie Handys in Frage.

User "pchristian"
(aus KONSUMENT 6/2013)

Links zum Thema

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

Das könnte auch interessant sein:

ID Austria: Digital ist besser? premium

ID Austria: Digital ist besser?

Die Handy-Signatur ist Geschichte. Die ID Austria bietet nun die Möglichkeit einer „digitalen Identität“. Wo liegen die Knackpunkte? Wir haben recherchiert.

Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums 

Sozialministerium

Zum Seitenanfang