Selbstoptimierung

Die Vermessung des Ichs

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019

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Sensoren an Schuhen

Zu den wichtigsten Anbietern gehören bekannte Marken: Samsung bietet eigene Geräte und Apps an, ebenso Apple. Die Messgeräte von Garmin gelten als die präzisesten, jene des chinesischen Smartphone-Herstellers Xiaomi sind sehr günstig. Das österreichische Start-up Runtastic (2015 an Adidas verkauft) mischt ebenfalls in der Szene mit. Nike bietet ein Programm namens Nike+ an. Dabei messen Sensoren an den Sportschuhen die zurückgelegten Kilometer. Fitbit aus den USA ist einer der beliebtesten Anbieter von diversen Fitness­trackern, und Sony hat ein Gerät mit Lifelog-Funktion – was so viel heißt wie, dass das ganze Leben aufgezeichnet wird.

Webseiten und Apps

Einen Überblick über alle am Markt befindlichen Apps und Geräte bietet die offizielle Website der Selbstoptimierer (quantifiedself.com, deutscher Ableger: qsdeutsch land.de). Unter den beliebtesten Anwendungen finden sich unter anderem die ­iPhone-App Digifit, Moodpanda und Moodscope (Gemütszustands-Messer), der Zeo Personal Sleep Coach (Schlafoptimierer) und der Abnehmhelfer "Lose It!". Für Menschen, die mithilfe von Atem- und Meditationsübungen "runterkommen" möchten, hat sich die App Calm etabliert.

Um am Ball zu bleiben, helfen Belohnungssysteme. Manche Selbstdisziplinierungsprogramme verleihen ihren Mitgliedern beim Erreichen eines bestimmten Tages-Solls sogenannte Badges (engl. für Abzeichen, Plaketten). In der Erwartung, Lob und Anerkennung von den Freunden zu ernten, können diese digitalen Sticker mit nur einem Wisch in den sozialen Medien gepostet werden.

Probleme mit dem Datenschutz

Was die Unmengen an gesammelten Daten betrifft, so beteuern die Anbieter gern, wie sicher die Informationen bei ihnen seien. Im Nachsatz heißt es dann oft, dass sie, wenn überhaupt, dann nur in anonymisierter Form, Daten an Gerätehersteller, Pharmafirmen oder Forschungseinrichtungen weitergeben würden. Ob die Daten tatsächlich so sicher sind, ist ungewiss. Das zeigen Hacks oder menschliches Fehlverhalten immer wieder.

Schon 2001 beispielsweise waren zeitweise ganze Userprofile der App Fitbit im Netz zu finden, weil die Daten irrtümlich auf "öffentlich" gestellt waren. Auch ändern Unternehmen ihre Datenschutzrichtlinie von Zeit zu Zeit, was sie sich dann von ihren Nutzern absegnen lassen.

Apple teilt Bewegungsdaten

So hat das sich öffentlich immer wieder gern als Datenschützer präsentierende Unter­nehmen Apple 2016 seine Daten­schutz­erklärung dahin gehend erweitert, Bewegungsdaten an "Partner oder Lizenznehmer" weitergeben zu können.

Außerdem erklärt Apple an der Stelle, dass ­"strategische Partner gelegentlich Daten erhalten" würden – solche, die "Dienste zur Ver­fügung stellen" oder beim Marketing ­helfen. Sprich: Diejenigen iPhone-Besitzer, die ihre Standort- oder Fitnessdaten besser ­geschützt wähnen als jene von Android-Geräten, irren.

Kooperationen zur Datenzusammenführung

Außerdem ist nie ausgeschlossen, dass es künftig vermehrt zu "Kooperationen" zwischen den Daten sammelnden Firmen und Versicherern, Krankenkassen oder anderen Unternehmen kommt. So gehen Marktforscher davon aus, dass bereits in naher Zukunft jeder vierte Fitness-Tracker kostenlos von Arbeitgebern oder Versicherungen an Arbeitnehmer bzw. Versicherte abge­geben wird.

Damit würde das Self-Tracking immer mehr zur Regel statt zur Ausnahme – was unweigerlich dazu führt, dass derjenige, der beim Trend nicht mitmacht, in Erklärungsnotstand gerät und bei Ver­sicherern beispielsweise nur mehr die teure­ren Tarife angeboten bekommt.

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