Wertpapierkauf via Internet

Börsenfieber im Wohnzimmer

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Konsument 8/2000 veröffentlicht: 01.08.2000

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Entscheidende Minuten

Der Online-Handel bietet einen weiteren Vorteil: Durch den so genannten Intra-day-Handel können Aktien zu den aktuellen Kursen ohne zwischengeschaltete Bank jederzeit ge- und verkauft und somit Tagesschwankungen der Kurse für Spekulationsgewinne genutzt werden. Die Kursentwicklung kann „live“ am Bildschirm mitverfolgt werden. Die Orders werden in Echtzeit („Realtime“ oder etwas zeitverzögert „Near-Realtime“) ausgeführt. Dies bedeutet jedoch auch, dass jede Order sofort ohne weitere Prüfung durchgeführt wird und nicht rückgängig gemacht werden kann. Fehler zeigen sich erst in der Abrechnung. Unerfahrene sollten daher die angebotenen Kennenlern-Instrumente nutzen, bevor größere Geldbeträge investiert werden.

Obwohl der Online-Handel noch in den Kinderschuhen steckt, zeigen sich bereits erste Überhitzungserscheinungen. In Deutschland häuften sich in den letzten Monaten Beschwerden über lange Wartezeiten, hoffnungslos überlastete Daten- und Telefonleitungen und Fehler in der Orderabwicklung. Oft entscheiden Minuten über den Erfolg oder Flop eines Investments. Umso ärgerlicher ist es, wenn der Händler genau dann nicht erreichbar ist oder der Auftrag nicht rechtzeitig oder falsch durchgeführt wird. Laut Geschäftsbedingungen sind Kunden von Diskont-Brokern verpflichtet, alle für die Order möglichen Mittel (Internet, Fax, Telefon) auszuschöpfen. Daher ist es wichtig, die Nichterreichbarkeit des Händlers durch Protokolle oder Zeugen nachweisen zu können. In einem Fall wurde von der Bank die Kontoverbindung aufgelöst, weil der Kunde sich über eine falsche Ordererledigung beschwert hatte: Statt des gewünschten Verkaufs war der einige Tage vorher durchgeführte Kauf storniert worden.

Bild: VKI