OBJEKTIV UNBESTECHLICH OHNE WERBUNG
Konsument 6/2004 - veröffentlicht am 17.05.2004

  • Was Sie bei kahlen Stellen und „Problemzonen“ tun können
  • Richtige Rasenpflege beugt zu viel Unkraut vor

Hart im Nehmen

Dicht, sattgrün und strapazierfähig – so soll der grüne Teppich vor dem Haus aussehen. Er soll genügend Platz zum Toben und Spielen bieten, Sommerfeste überstehen und die Last von Gartenmöbeln aushalten – kurz: Er muss hart im Nehmen sein.

Hat man sich für eine unkomplizierte und belastbare Rasensorte entschieden, ist der erste Schritt getan. Was aber, wenn unschöne kahle Stellen auftauchen oder sich da und dort statt der Gräser Löwenzahn, Weißklee, Schafgarbe oder Moos breit machen?

Gruß der Natur

Während manche Gartenbesitzer solch blühende Beigaben als „Gruß der Natur“ gerne hinnehmen, sehen andere es strenger und empfinden sie als störend.  Wie auch immer: Kahle Stellen sollte man erst gar nicht lange anstehen lassen, denn dort siedelt sich in kürzester Zeit Löwenzahn oder anderes Unerwünschte an. Lockern Sie den Boden auf, arbeiten Sie Dünger ein, und säen Sie neuen Grassamen aus.

Anschließend gründlich bewässern und für die nächsten drei Monate nicht austrocknen lassen. Das erste Mal geschnitten werden sollte erst, wenn die Halme eine Länge von zehn Zentimetern erreicht haben, sonst kann es passieren, dass man die Pflanzen durch das Mähen wieder ausreißt.

Rasen braucht Licht

Dann sollte man sich daranmachen, die Ursache für diese kritischen Stellen zu ergründen. Neuansaat führt unter anderem dann nicht zum Erfolg, wenn das schwache Wachstum durch zu wenig Licht verursacht ist, etwa unter einem Baum oder an der Schattenseite des Hauses. Gras wächst – entgegen der landläufigen Meinung – eben nicht überall.

Zwar keimen die Rasensamen auf jedem Untergrund, doch ob sich aus den Keimlingen ein schütterer oder ein dichter Bewuchs entwickelt, hängt vom Boden ab: Durchlässig und zugleich reich an Nährstoffen muss er sein. Weiters sollte er Wasser speichern können. Solche Erdverhältnisse sind von Natur aus rar. Zudem kann man nicht – wie bei Stauden, Sträuchern, Gemüse oder Blumen – die Bodenstruktur durch Umstechen oder Lockern nachbessern.

Regelmäßige Pflege

Für Schattenlagen gibt es eigene Rasensorten. Fragen Sie in der Gärtnerei gezielt danach. Wenn auch die nur kümmerlich gedeihen, kann eine Bepflanzung mit schönen Bodendeckern wie Farn, Hostie, Immergrün eine Alternative sein.

Moos an dunklen und feuchten Stellen

Moos kann sich nur an feuchten oder dunklen Stellen breit machen, zum Beispiel unter dicht belaubten Bäumen. Besser als die Moosbildung zu bekämpfen ist dann, eventuell den  Baum auszulichten, um mehr Sonne durchzulassen. Noch ein Wort zum Gras: Gerade robuste und schnell wachsende Sorten haben den Nachteil, dass sie sehr viel Pflege brauchen. Das Auftreten von unerwünschten Kräutlein zeigt, dass man zu nachlässig war. Ein dichter Bewuchs sorgt dafür, dass keine ungebetenen Samen anfliegen können.

Vertikutieren und Abrechen

Zur Rasenpflege gehört das Vertikutieren und/oder gründliche Abrechen im Frühjahr sowie ein regelmäßiger Rasenschnitt, vor allem während der Wachstumszeit – aber nicht zu kurz (nie unter vier Zentimeter), denn das würde dem grünen Teppich bei sommerlicher Hitze arg zusetzen. Zwischen Frühjahr und Herbst regelmäßig düngen.

Gut gießen

Und nicht zuletzt je nach Boden etwa einmal pro Woche bewässern, aber tiefgründig; das ist besser als jeden Tag ein bisschen zu spritzen, weil das Wasser bei höheren Temperaturen ohnehin verdunstet. Wird zu häufig gegossen, werden Nährstoffe und Dünger weggeschwemmt. Die Rasengräser bilden ungünstigerweise flache, in die Breite gehende Wurzelgeflechte, Moos kann sich ausbreiten.

Chemie mit Maß

Für den Fall, dass das Unkraut wirklich zu wuchern beginnt, werden vom Handel entsprechende Mittel zur Bekämpfung (Herbizide) angeboten. In unserer Tabelle finden Sie 20 Produkte. Sie haben die Auswahl zwischen reinen Unkrautbekämpfungsmitteln und solchen, die einen Rasendünger enthalten. Die Wirkung dieser Mittel beruht auf einem Eingriff in den Stoffwechsel der Pflanze, die vernichtet werden soll. So wird zum Beispiel die Photosynthese oder die Atmung blockiert, oder das Wachstum wird so stark angeregt, dass die Pflanze „sich zu Tode wächst“.

Jedes Mittel beeinträchtigt die Umwelt

Der Einsatz solcher Methoden sollte gründlich abgewogen werden, denn jedes Herbizid hat Auswirkungen auf die Umwelt. Beeinträchtigt der enthaltene Wirkstoff etwa das Wachstum der Bodenlebewesen, wie der Regenwürmer, wird man dem Rasen auf längere Sicht nichts Gutes tun. Die meisten Wirkstoffe haben auch noch ganz andere Auswirkungen.

Keinesfalls zuviel verwenden

Es gibt daher ein in der EU harmonisiertes Zulassungsverfahren für solche Produkte. Der Hersteller muss durch entsprechende Untersuchungen belegen, welche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder auf die Umwelt zu erwarten sind. Es wird zudem überprüft, ob die auf der Verpackung angegebene Dosierung stimmt. Um bei der Anwendung zu bleiben: Gerade hier ist mehr nicht besser, sondern es ist geradezu gefährlich, mehr als vorgeschrieben zu verwenden. Man erhöht damit nicht die Wirksamkeit, sondern die Umweltgefährdung.

Strenge Schweizer beschränken Unkrautmittel

Interessant der Blick in die Schweiz: Dort wurde vor vier Jahren der Einsatz von Unkrautvernichtern auch für private Gärten strenger geregelt. Den Experten bereitete die lockere Hand Sorgen, mit der die Bevölkerung die Unkräuter aus dem Weg schaffte. Auf Wegen, Plätzen oder Terrassen darf dort überhaupt kein Herbizid mehr verwendet werden.

Markt & Preis: Rasen- und Unkrautbekämpfung

Die Tabelle drucken Sie extra: "So geht´s".

Die häufigsten Wildpflanzen und welche Mittel dagegen wirken

Wirkstoffe auf einen Blick

Wirkstoff   Eigenschaften  
Clopyralid   

Hohe Beständigkeit im Boden und Potenzial zur Grundwassergefährdung, umweltgefährlich, giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben; nicht schädlich für Regenwürmer, Bienen, Nützlinge, Vögel und Säuger

2,4-D

Potenzial zur Grundwassergefährdung, umweltgefährlich, sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben, giftig für Regenwürmer, moderat bienengefährlich, mittlere Toxizität für Vögel und Säuger, nicht schädlich für Nützlinge

Dicamba   

Potenzial zur Grundwassergefährdung, schädlich für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben, schwach schädigend für Regenwürmer, mittlere Toxizität für Vögel, nicht schädlich für Bienen, Nützlinge und Säuger

Dichlobenil   

Hohe Beständigkeit im Boden (besonders in Böden mit hohem organischen Anteil), Potenzial zur Grundwassergefährdung, insbesondere durch den Metaboliten (Abbauprodukt) Dichlorbenzamid, giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben, mittlere Toxizität für Vögel, nicht schädlich für Regenwürmer, Bienen und Säuger, keine Daten zu den Nützlingen

Eisen-II-Sulfat (Heptahydrat)

Schädlich für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben, kann Regenwürmer längerfristig schädigen; nicht schädlich für Bienen, Nützlinge und Säuger, keine Daten zur Vogeltoxizität

Eisen-III-Sulfat   

Giftig für Wasserorganismen, kann Regenwürmer längerfristig schädigen, mittlere Toxizität für Säuger, nicht schädlich für Bienen und Nützlinge, keine Daten zur Vogeltoxizität

Essigsäure   

Biologisch rasch abbaubar, bei sachgerechter Anwendung ist keine Gefahr für die Umwelt zu erwarten

MCPA   

Potenzial zur Grundwassergefährdung, giftig für Regenwürmer, mittlere Toxizität für Vögel, mittlere bis geringe Toxizität für Säuger, nicht schädlich für Bienen und Nützlinge

Triclopyr-Butoxyethyl-Ester

Wirkstoff wird sehr rasch in den Metaboliten Triclopyrsäure umgewandelt, und dieser zeigt eine hohe Beständigkeit im Boden, Potenzial zur Grundwassergefährdung, giftig für Wasserorganismen, giftig für Regenwürmer, mittlere Toxizität für Säuger,  nicht schädlich für Bienen, Nützlinge und Vögel

Bei der Erstellung dieser Liste wurden wir freundlicherweise von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) unterstützt.

Mehr zum Thema

Ideale Bodenbedingungen sind selten. Nachhelfen kann man jedoch mit regelmäßiger Düngung des Rasens. Eine Untersuchung des Bodens hilft, Mängel gezielter ausgleichen zu können. Durchgeführt wird sie u.a. von der AGES (Spargeldfeldstraße 191, 1226 Wien), 

Tel. :      (01) 732 16 - 4220 

E-Mail    bodengesundheit@ages.at

Internet:   www.ages.at