OBJEKTIV UNBESTECHLICH OHNE WERBUNG
Konsument 8/2009 - veröffentlicht am 22.07.2009, aktualisiert am 12.08.2009

  • Löslicher Kaffee und Kaffeeersatz auf Schadstoffe untersucht
  • Die meisten Proben waren gering belastet

Pulver oder Granulat in die Tasse, heißes Wasser dazu, umrühren, fertig! Was wir alle als Löskaffee kennen, heißt etwas sperrig auch Kaffeeextrakt, löslicher Kaffeeextrakt, löslicher Kaffee oder Instantkaffee. Unabhängig von der Bezeichnung gilt: Es handelt sich immer um echten Kaffee. Bei manchen Produkten wird auch Milchpulver und Zucker zugesetzt, was den Kaffeegenuss noch einfacher macht.

Gemischte Sorten

Für die Kaffeeerzeugung sind auch hier vor allem Bohnen der Sorte Arabica (feine ­Säure und ausgeprägtes Aroma) sowie ­Robusta (kräftiger und würziger) von Bedeutung. Nach der Ernte werden Kaffeebohnen verschiedener Herkunft und Qualität gemischt. Die Zusammensetzung der Mischung und die Stärke der darauf fol­genden Röstung prägen den Geschmack des Kaffees. Beim Rösten erhalten die ursprünglich hellgrünen Bohnen ihre braune Farbe. Je dunkler sie geröstet werden, desto kräftiger schmeckt der Kaffee.

Lösliches Kaffeepulver wurde um 1900 erstmals von einem japanischen Chemiker im Rahmen einer Ausstellung präsentiert. Verfahren zur industriellen Erzeugung von Instantkaffee entwickelte der Nahrungsmittelriese Nestlé. Er brachte 1938 in der Schweiz löslichen Kaffee unter dem Namen Nescafé auf den Markt. Mittlerweile gibt es löslichen Kaffee natürlich auch von einer Reihe anderer Hersteller.

Gesprüht, gefroren, getrocknet

Zur Erzeugung von Instantkaffee werden die Bohnen nach dem Rösten zerkleinert, die Inhaltstoffe mit heißem Wasser herausgelöst; der Aufguss wird gekühlt, gereinigt, konzentriert und schließlich getrocknet.

Bei der Sprühtrocknung wird der Kaffee­extrakt in einem Sprühturm zerstäubt und mit Heißluft getrocknet. Die feinen Sprüh­trockenteilchen werden danach meistens im sogenannten Agglomerationsverfahren leicht angefeuchtet, wodurch sich winzige Kügelchen bilden.

Bei der Gefriertrocknung, dem neueren und teureren Herstellungsverfahren, wird der Extrakt aufgeschäumt, tiefgekühlt, vermahlen und das gefrorene Wasser anschließend (ohne dass es flüssig wird) verdampft. Zurück bleiben feste Körnchen.

Instantkaffee gibt es auch entkoffeiniert. Wer kaffeeähnlichen Geschmack liebt, aber keinen „richtigen“ Kaffee trinken möchte, hat in Kaffeeersatz eine Alternative. Dieser wird aus Getreide, Zichorienwurzeln, Feigen, Zuckerrüben oder anderen Früchten durch Rösten und Extrahieren gewonnen. Kaffeeersatz war vor allem in Mangelzeiten weit verbreitet, hat mittlerweile aber stark an Bedeutung verloren.

Sowohl gerösteter Kaffee als auch Löskaffee und Kaffeeersatz können schadstoffbelastet sein: Kaffee und Getreide sind anfällig für Ochratoxin A, ein Schimmelpilzgift, das ­nierenschädigend wirkt und sich im Tier­versuch als krebserregend erwiesen hat. Die Pilze, die dieses Gift produzieren, brauchen Wärme und Feuchtigkeit und gedeihen daher auch in gelagertem Getreide oder Kaffee. Ochratoxin A baut sich trotz hoher Rösttemperaturen nicht ab und geht in den Kaffeeaufguss über. Von der EU wurden 10 Mikrogramm (µg) Ochratoxin A je Kilogramm ­löslicher Kaffee als Grenzwert festgesetzt.

Acrylamid - kein Grenzwert

Beim Rösten von Kaffee und Getreide kann zudem Acrylamid entstehen. Es hat sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen und kann Erbgut und Nervensystem schädigen ­sowie die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Für Acrylamid wurde bislang kein Grenzwert festgelegt, doch laut WHO sollte die tägliche Acrylamidaufnahme 1 Mikrogramm/Kilogramm Körpergewicht nicht überschreiten. Laut Österreichischem Ernährungsbericht 2003 wurde dieser Wert nicht ausgeschöpft. Die tägliche Acrylamid-Aufnahme Erwachsener lag bei 0,2 bis 0,3 Mikrogramm/Kilogramm Körpergewicht. Schätzungen zufolge wurde rund ein Drittel davon mit Kaffee zugeführt.

In Deutschland gibt es ein Signalwert­system zur kontinuierlichen Senkung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln. In Österreich ist so ein Minimierungskonzept bislang ausständig.

Wir wollten wissen, ob bei uns erhältlicher löslicher Kaffee bzw. Kaffeeersatz belastet ist. Also kauften wir die entsprechenden Produkte ein und untersuchten sie auf Ochratoxin A und Acrylamid. Zusätzlich wurden Geschmack und Geruch der Proben im Rahmen einer Laienverkostung ­beurteilt.

In den untersuchten Kaffeeersatzproben fanden wir kein, in den Kaffeeproben nur wenig Ochratoxin A. Mit 2 Mikrogramm/Kilogramm war Tchibo Feine Milde die am stärks­ten (aber weit unter dem Grenzwert von 10 µg/kg) belastete Probe der Untersuchung.

Die Belastung mit Acrylamid hielt sich insgesamt ebenfalls in Grenzen. Allerdings zeigten sich je nach Produkt deutliche Unterschiede: Eine Tasse (150 ml) Alvorada lieferte 0,56 Mikrogramm Acrylamid, eine Tasse Kaffeeersatz Nestlé Caro fast dreimal so viel (1,46 µg). Wie gesagt: Die von der WHO festgelegte maximale tägliche Aufnahmedosis beträgt 1 Mikrogramm pro Kilo­gramm Körpergewicht. Selbst wer einige Tassen Nestlé trinkt, bleibt weit unter diesem Wert. Vor allem Kinder sollten dann aber bei anderen acrylamidreichen Lebensmitteln (z.B. Pommes frites, Kartoffelchips, Lebkuchen) nicht mehr allzu kräftig zu­langen.

Testtabelle: Löskaffee

bei gleicher Punktezahl Reihenfolge nach Preis/100 g

Die Tabelle drucken Sie extra: "So geht´s".

Testtabelle: Kaffeeersatz

Die Tabelle drucken Sie extra: "So geht´s".

Genau nach den Anleitungen der Hersteller zubereitet, liefert eine Tasse löslicher Kaffee 43 (Meinl) bis 82 Milligramm (GranArom) Koffein. Das ist insbesondere für Schwangere interessant. Denn sie sollten laut ­Deutscher Gesellschaft für Ernährung nicht mehr als 300, laut britischer Lebensmittelbehörde nicht mehr als 200 Milligramm Koffein pro Tag konsumieren.

Und wie schmeckt Kaffee auf die Schnelle? Unsere Laienverkoster vergaben in Sachen Geschmack großteils ein „Durchschnittlich“. Pur schmeckten der entkoffeinierte Café Hag und Caffait am besten. Bei der Verkostung mit Milch lagen EZA und ­Jacobs vorne.

Test Löskaffee: Kompetent mit "Konsument

Dieser Test entstand in Kooperation mit den Labors der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) (www.ages.at).

Ochratoxin A: Bestimmung mittels HPLC/FLD;

Acrylamid: mittels GC/MS.

Verkostung: Nach bestandenem Triangeltest bewertete ein ­Laienpanel (mind. 20 Personen) Aussehen, Geruch, Konsistenz bzw. Mundgefühl und Geschmack nach dem Schulnotenprinzip. ­Verkostung zunächst ohne Milch, abschließend auch mit Milch.

Alvorada Kaffeehandelsges.m.b.H.
Deutsch-Straße 1
A-2331 Vösendorf
+43 1 699 25 81-0
www.alvorada.com

Belmont: Hofer KG
Hoferstraße 1
A-4642 Sattledt
+43 7244 80 00-0
www.hofer.at

Café Hag : Kraft Foods Österreich
Jacobsgasse 3
A-1140 Wien
+43 821 1 1 20
www.kraftfoods.at

Caffait: Zielpunkt Warenhandel GmbH & Co KG
Heizwerkstraße 5
A-1239 Wien
+43 1 616 72 88
www.zielpunk.at

EZA Fairer Handel Gmbh
Wenger Straße 5
A-5023 Köstendorf
+43 6216 202 00
www.eza.cc

GranArom: Deutsche Extrakt Kaffee GmbH
Cafeastraße 1
D-21107 Hamburg
+49 40 75 304-0
www.dek.de

Jacobs: Kraft Foods Österreich
Jacobsgasse 3
A-1140 Wien
+43 821 1 1 20
www.kraftfoods.at

Julius Meinl
Julius-Meinl-Gasse 3-7
A-1160 Wien
+43 1 488 60-0
www.meinl.at 

Maxwell House : Kraft Foods Österreich
Jacobsgasse 3
A-1140 Wien
+43 821 1 1 20
www.kraftfoods.at

Natur Pur : Spar Österreichische Warenhandels AG
Europastraße 3
A-5015 Salzburg
+43 810 11 15 55
www.spar.at

Nescafé: Nestlé Österreich GmbH
Am Euro Platz 2
A-1120 Wien
+43 800 066 660
www.nestle.at

Regio: Spar Österreichische Warenhandels AG
Europastraße 3
A-5015 Salzburg
+43 810 11 15 55
www.spar.at

Tchibo GmbH
Überseering 18
D-22297 Hamburg
+49 18 05-38 33 38
www.tchibo.de

Test Kaffeeersatz: Anbieter

Kathreiner: Nestlé Österreich GmbH
Am Euro Platz 2
A-1120 Wien
0800 066 660
www.nestle.at

Nestlé: Nestlé Österreich GmbH
Am Euro Platz 2
A-1120 Wien
0800 066 660
www.nestle.at