Anwälte und Notare: Erstberatung im Test

Guter Rat ist nicht umsonst

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Konsument 10/2009 veröffentlicht: 19.09.2009

Inhalt

  • Kostenloses Erstgespräch für Anwälte nicht verpflichtend
  • Telefonische Auskunft nur begrenzt hilfreich
  • Tarifdschungel macht Vergleiche schwer

Im Leben kommt es immer wieder einmal vor, dass man juristische Beratung braucht. Das können beispielsweise Streitigkeiten mit den Nachbarn sein, Probleme mit dem Arbeitgeber, die Gründung eines Unternehmens, das Aufsetzen eines Testaments oder der Kaufvertrag für eine Wohnung, ein Haus oder einen Grund. Dann ist es gut, wenn man – möglichst im Vorhinein – ­ juristischen Rat einholt. Doch auch wenn dieser Rat vielfach helfen kann, später Kos­ten und Unannehmlichkeiten möglichst gering zu halten: Zunächst einmal ist juris­tischer Rat meist recht teuer. Viele Menschen nehmen daher gerne die Angebote zur kostenfreien Rechtsberatung an. Doch was kann man sich davon erwarten?

Eingebaute Fehler 

Wir wollten es genau wissen und ersuchten acht Rechtsanwälte und vier Notare um ­ihre juristische Meinung zu einem von uns vorgelegten Immobilienkaufvertrag. Um besser einschätzen zu können, wie sehr sich die Juristen mit dem Vertragsentwurf auseinandersetzten, bauten wir auch einige Fehler ein. Wir erwarteten uns dabei nicht, kostenlos einen juristisch einwandfreien Vertrag zu erhalten, aber aufgrund der offensichtlichen Fehler zumindest Hinweise, ob der Vertrag so überhaupt tauglich ist oder nicht.

Bei den Rechtsanwälten wählten wir jene aus, die sich laut Auskunft auf der Homepage der Rechtsanwaltskammer  auf Vertragsrecht spezialisiert haben. Prüfkriterien waren für uns, ob es ein kostenloses Erstgespräch gab, wie weit dabei auf die grundlegenden Probleme des Vertrags eingegangen wurde, wie das Gespräch ablief, ob wir zu kostenpflichtigen Leistungen gedrängt wurden und welche Kosten uns dafür in Aussicht gestellt wurden.

 

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Kommentare

  • Erstberatung bei Notaren und Anwälten
    von Vyhn am 29.09.2009 um 22:29
    Wenn der VKI meint, dass die Prüfung eines Vertrages über einen Liegenschaftskauf zur ersten kostenlosen Rechtsberatung gehört denke ich, dass das eine maßlose Unterschätzung der Marterie und des notwendigen Zeitaufwandes ist. Die seriöse Prüfung eines seitenlangen Vertrages benötigt mehr Zeit als das oberflächliche Lesen irgendeines Textes und damit ist es nicht abgetan. Der aktuelle Grundbuchsstand der vertragsgegenständlichen Liegenschaft ist in eine seriöse Prüfung des Vertrages einzubeziehen. Nur dann ist eine fachliche Beurteilung garantiert. Das Begehren telefonisch erste kostenlose Rechtsberatung zu einem solchen Vertrag zu bekommen finde ich weltfremd. Aber noch bedenklicher und unseriös würde ich es finden, wenn berufliche Rechtsvertreter am Telefon darüber Auskunft erteilen. Wenn ein Notar erklärt für die Prüfung einen bestimmten Betrag in Rechnung zu stellen, wird das dem Tarif bei dem Kaufpreis, der Basis der Berechnung der Kosten ist, entsprechen und erspart später böse Überraschungen. Dass der Notar verlangt hat, dass der Betrag vorher zu bezahlen ist, kann ich mir nicht vorstellen. Jedenfalls sollten die Käufer nicht bei den Kosten der Vertragserrichtung und grundbücherlichen Durchführung sparen und einen Notar oder Anwalt beauftragen. Wer hier spart, spart am falschen Platz und hofft dann, dass ihm Resetarits in ORF2 in der Sendung Bürgeranwalt, der VKI oder die AK helfen können, wenn der Kaufpreis bezahlt und die Liegenschaft/Wohnung nicht einmal das Papier wert ist, auf dem der Vertrag geschrieben wurde. Es ist finanziell ein Unterschied ob ich einen Gebrauchtwagen oder eine Liegenschaft/Eigentumswohnung kaufe. Als Grundbuchsrechtspfleger kenne ich aus meinem beruflichen Alltag die Probleme und leider auch die Tragödien. Karl Vyhnalek
  • Anwältin klagt Klientin
    von Preinreich1 am 25.09.2009 um 20:21
    Wir haben den Preis verhandelt. 1.500 Euro sollte die einvernehmliche Scheidung kosten. Zuerst kam eine Teilrechnung über 600 Euro, welche wir bezahlten. Nach erfolgter einvernehmlicher Scheidung kam eine Rechnung über 12.000 Euro. Nach unserer Intervention bei der Rechtsanwaltskammer war die Rechnung plötzlich ein "Leistungsverzeichnis" und die Anwältin reduzierte auf 3.500 Euro. Wir haben auch das nicht akzeptiert, beharrten auf die vereinbarten € 1.500 und wurden geklagt mit dem Hinweis, die 1.500 Euro hätten sich auf die Erstverhandlung bei einer strittigen Scheidung bezogen - weswegen wir NIE dort waren. Zufällig ist uns bekannt geworden, dass die Anwältin auch bei anderen dieselbe Masche verwendet hat. Mit Erfolg, die Klientinnen haben bezahlt. Ironie: die Anwältin wurde uns als besonders frauenfreundlich empfohlen, wörtlich "sie zieht die Frauen nicht über den Tisch". Die 1. Gerichtsverhandlung findet Ende Oktober statt.
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