Smart Meter

Intelligente Stromzähler?

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 25.01.2019, aktualisiert: 01.02.2019

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Die digitalen Stromzähler gelten als wichtiger Baustein für das Gelingen der Energiewende. In der Kritik stehen sie u.a. wegen Elektrosmog- und Datenschutzbedenken. Ein Tischgespräch. 

Franz Strempfl, Fritz Loindl, Arnd Flora, Andreas Eigenbauer. Bild: VKI

KONSUMENT im Gespräch mit Franz Strempfl, Fritz Loindl, Arnd Flora und Andreas Eigenbauer (im Uhrzeigersinn). Bild: VKI - Sehen Sie das Video dazu auf Seite 6.

  • Franz Strempfl: Geschäftsführer Energie Netze Steiermark, Spartensprecher Netze beim Interessenverband Oesterreichs Energie
  • Fritz Loindl: Mitorganisator STOP Smart Meter Netzwerk Österreich, Elektronik- und Elektromaschinenbau-Meister
  • Arnd Florack: Leiter Sozialpsychologie und Konsumentenverhaltensforschung Universität Wien
  • Andreas Eigenbauer: Vorstand E-Control

Die Netzbetreiber tauschen gerade nach und nach die österreichweit rund 5 Millionen Stromzähler in Haushalten gegen Smartmeter aus. Der Gesetzgeber sieht eine Verbauungsrate von 95 Prozent bis 2022 vor.

Laut heimischer Stromwirtschaft sind Smart Meter "sicher, bringen Vorteile für Kunden und Netzbetreiber und helfen beim Energie- und Geldsparen". Doch es gibt auch kritische Stimmen. 

KONSUMENT: Studien zeigen, dass durch die Einführung von Smart Metern wohl nur verschwindend wenig Energie eingespart werden kann. Lohnt der Aufwand wirklich?

Andreas Eigenbauer: Die Studien zeigen, dass der Einsparungseffekt, dadurch, dass Endkunden Informationen über ihre Einsparungspotenziale erhalten, nicht allzu lange anhält. Vor 10 Jahren, als das Thema Smart Meter in der EU aufgekommen ist, war Energiesparen ein starker Fokus. Inzwischen weiß man, dass eine andere Eigenschaft des Smart Meter weitaus wichtiger ist. Er soll die Eintrittskarte sein in die volldigitalisierte Stromwirtschaft. Aber auch in eine dezentralisierte, volldemokratisierte. In der jeder Endkunde, auch der kleine Haushaltskunde, die gleichwertige Rolle bekommt, wie alle großen. Es geht darum, das System gerechter zu machen. 

Der Kunde soll also zum produzierenden Konsumenten, zum Prosumer mit z.B. Photovoltaikanlage am Dach und E-Auto in der Garage, werden. Das freut die Netzbetreiber vielleicht nicht so, weil es das System verkompliziert, Herr Strempfl?

Franz Strempfl: Das würde ich entschieden in Abrede stellen. Die Einstellung der Branche dazu hat sich in den vergangenen 10 Jahren doch deutlich geändert. Man muss sich vor Augen halten: Wir bauen in Wirklichkeit das gesamte System um. Sie haben Photovoltaik angesprochen: Wir werden bald 100.000de dezentrale Einspeiser ins Stromnetz haben. Da reicht es nicht, alle drei Jahre die Zählerstände abzulesen. Wir brauchen mehr Informationen aus dem Netz, um es stabil zu halten, um es besser planen, dimensionieren und betreiben zu können. Jeder Kunde beeinflusst mit seinem Verhalten das gesamte System.  

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Kommentare

  • Eigenen Datensatz auslesen?
    von Gloxer am 02.02.2019 um 14:56
    Ich nehme an es funktioniert, aber wie???

    ich möchte aus der Ferne meinen Energieverbrauch (inkl. Historie) auslesen können, graphische Darstellung (App?)

    Wäre auch schön, wenn ich einen Alarmschwellwert setzen könnte, z.B.:

    Ein frei wählbarer Leistungsschwellwert wird über eine frei wählbare Dauer hinweg überschritten (z.B. Dachrinnenheizung oder Frostschutzheizung schaltet sich nicht ab, etc.)

    Nur unter solchen oder ähnlichen Voraussetzungen kann ich mir vorstellen, damit auch Energie einsparen zu können, bitte gerne andere Beispiele nennen!
  • Geringer Stromverbrauch vs Wohnungsbedürfnis
    von ling am 01.02.2019 um 11:22
    @Fogerty:
    "Bekanntlich kann man seine Wohnung verlieren, wenn kein dringendes Wohnungsbedürfnis besteht. Hat jemand einen sehr geringen Stromverbrauch, kann das in diese Richtung interpretiert werden."

    So einfach ist das nicht. Dann müssen Sie (bzw der Wohnungseigentümer) mir zuerst erklären, worin die Diskrepanz zwischen einem (sehr) geringen Stromverbrauch und einem dringenden Wohnungsbedürfnis bestehen soll. Nur beispielhaft:

    Heizung (nicht unbedingt Strom)
    Körperpflege (berufsbedingt nicht unbedingt zu Hause) - viele Dienstnehmer haben die Möglichkeit dies am Arbeitsplatz zu erledigen und tun es auch
    Mahlzeiten einnehmen (ich muss in der eigenen Wohnung weder frühstücken, zu Mittag/Abend essen und verbrauche daher zur Zubereitung keinen Strom)
    Auch die Beleuchtung kann ich auf das Notwendigste beschränken, bei den heutigen Leuchtmitteln fallen überdies nur geringe Kosten an
    TV/Radio/PC/Notebook - auch wenn Sie es nicht für möglich halten, es gibt immer noch Menschen ohne diese Geräte in der Wohnung. Auch Bücher kann man noch kaufen...
  • Smart-Meter
    von ling am 01.02.2019 um 11:07
    Die Argumentation vieler Leute hinsichtlich der Strahlenbelastung von Smart-Metern ist meines Erachtens pure Heuchelei. Da laufen (wahrscheinlich) diese Leute den ganzen Tag mit ihren Mobiltelefonen (natürlich online mit besonders hoher Belastung) herum, nutzen im Privatbereich W-LAN - also Komponenten, die "überhaupt keine Strahlung abgeben", und dann beschweren sie sich über vermeintlichen Elektrosmog dieser Stromzähler. Ich möchte keine Werbung für Smart-Meter machen, mir sind diese Geräte auch nicht gerade sympatisch, deshalb habe ich schon lange mein Desinteresse dem Stromanbieter gemeldet. Vor allen Dingen empfinde ich die aktuelle "Stromspardiskussion" und sämtliche Vorteile dieser Geräte als Augenauswischerei. Bedenkt man nur wieviele Netzteile, Kleingeräte udgl mehr ungenützt Strom verbrauchen oder wie die Leute mit der Beleuchtung trotz Energiespar- und LED-Lampen umgehen. Sehr vielen Menschen ist der Verbrauch ihrer Geräte völlig egal. Da wird in der Mikrowelle Tee-Wasser gekocht, Herde falsch betrieben (große Platte, kleines Geschirr), Kleinstmengen werden im Backrohr zubereitet, Waschvorgänge mit zwei Wäschestücken, usw. Lediglich das Argument des Netzbetreibers, mit diesen Geräten die Netzbelastung besser kontrollieren oder/und entsprechend agieren zu können, lasse ich gelten. Was nützt dem Kunden die viertelstündliche Messung, wenn er dann doch nichts unternimmt, um sein Verbrauchsverhalten zu ändern. Und ganz ehrlich: Wenn meine Waschmaschine keinen Einschalttimer besitzt, werde ich mir kaum den Wecker auf 2 Uhr nachts stellen, um dann die Maschine mit günstigem Nachstrom zu betreiben. Sehr verwundert bin ich über die geringe Haltbarkeit der Geräte und den eigenen Stromverbrauch.
    Allgemein bin ich der Ansicht, dass nicht das Gerät zum Stromsparen motiviert, sondern das eigene Bewusstsein und der Wille dazu. Das kommt mir vor wie jemand mit hohem Übergewicht, der sich umfassende Literatur über gesunde Ernährung und Sport kauft, sich informiert und belesen wirkt, jedoch unmittelbar darauf wieder vor der Fernsehcouch sitzt und zur Schokolade greift...
  • @georg45
    von REDAKTION am 28.01.2019 um 13:31
    In der "Intelligente Messgeräte-Einführungsverordnung" steht geschrieben:
    "Lehnt ein Endverbraucher die Messung mittels eines intelligenten Messgerätes ab, hat der Netzbetreiber diesem Wunsch zu entsprechen. Der Netzbetreiber hat in diesem Fall einzubauende oder bereits eingebaute intelligente Messgeräte derart zu konfigurieren, dass keine Monats-, Tages- und Viertelstundenwerte gespeichert und übertragen werden und die Abschaltfunktion sowie Leistungsbegrenzungsfunktion deaktiviert sind, wobei die jeweilige Konfiguration der Funktionen für den Endverbraucher am Messgerät ersichtlich sein muss."
    Genauer ist der Gesetzgeber hinsichtlich der "Ersichtlichkeit" leider nicht geworden. Damit liegt sie wohl in der Interpretation des Netzbetreibers.
    Ihr KONSUMENT-Team
  • Sicherheit !?
    von Fogerty am 28.01.2019 um 11:25
    "Milchmädchen" Ansicht: "Welche Behörde würde meine Strom-Nutzungsdaten benötigen?"

    Bekanntlich kann man seine Wohnung verlieren, wenn kein dringendes Wohnungsbedürfnis besteht. Hat jemand einen sehr geringen Stromverbrauch, kann das in diese Richtung interpretiert werden.

    Man kann diese Smartmeter Zwangsbeglückung leider nur als sehr gefährliche Bespitzelungsaktion sehen. Die Datensammler werden immer dreister, nicht nur bei Facebook, Google und co...
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