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Jö-Bonusclub: anmelden?

Rabatte mit Daten bezahlen

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KONSUMENT 7/2019 veröffentlicht: 08.05.2019, aktualisiert: 15.05.2019

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Das Jö-Bonusprogramm von Rewe bündelt Treueprogramme von zehn Unternehmen. Angesichts der Fülle an gesammelten Daten ist Vorsicht angebracht.

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Selbst der Kaiser outet sich als „Majöstät“: Robert Palfrader, Darsteller des eigenwilligen Monarchen aus der ORF-Serie „Wir sind Kaiser“, ist der prominente Werbeträger des neuen Bonusprogramms des REWE-Konzerns, das in diesen Tagen mit beachtlichem Aufwand beworben wird. „Jö“ heißt die Bonuskarte, mit der Kundinnen und Kunden künftig nicht nur bei Rewe-Töchtern wie Billa, Merkur oder Bipa, sondern auch bei OMV-Tankstellen sowie den Filialen von Libro, Interio und Bawag PSK Vorteilspunkte sammeln können. 

All diese Unternehmen boten bisher eigene Treueprogramme an. Nun sollen sie über eine einzige Karte gebündelt werden. Bis zu 20 Prozent Rabatt neben allerhand anderen Vorteilen in mehr als 3.000 Partnergeschäften verspricht die Werbung. Das klingt nach einem guten Deal für Sparfüchse. Oder gibt es daran aus unserer Sicht als Konsumentenschützer etwas auszusetzen?  

Walter Hager (Bild: U. Romstorfer/VKI) Kein Rabatt ohne Preiserhöhung 

In der Tat. „Wir sind skeptisch gegenüber solchen Angeboten“, sagt Walter Hager, einer unserer VKI-Experten für Finanzdienstleistungen. Er rät zwar nicht grundsätzlich von Kundenkarten ab, gibt aber zu bedenken: „Solche Kundenbindungsprogramme gibt es nur, weil die Anbieter davon profitieren.“ Unterm Strich relativiere sich die scheinbare Ersparnis bei Einkäufen für Konsumentinnen und Konsumenten. Nicht jedes als Schnäppchen beworbene Angebot sei auch ein solches. „Damit ein Händler Rabatte geben kann, muss er erst die Preise erhöhen“, sagt Hager. Die Vergünstigung sei aus Unternehmersicht meist längst eingepreist.  

Gefahr des Kontrollverlustes 

Dazu komme ein psychologischer Trick, gegen den nur wenige Verbraucherinnen und Verbraucher gefeit sind: Rabattschilder führen bei nicht wenigen zu einer Art von Kontrollverlust beim Einkaufen. Im festen Glauben, ein gutes Geschäft zu machen, verzichtet man auf Preisvergleiche und kauft mehr ein als notwendig. „In vielen Fällen entscheiden sich die Konsumenten dann für das teurere Produkt und sind immun gegenüber anderen Angeboten“, sagt Hager.  

Was geschieht mit meinen Daten? 

Der gewichtigste Einwand unseres Experten ist aber der Datenschutz. Denn mit der Nutzung der Jö-Karte geben Konsumenten bei jeder Transaktion persönliche Informationen preis. Kaufen Sie bei Billa Vollkornbrot oder Semmeln? Apfelsaft oder Cola bei Merkur? Kaufen sie gelegentlich abends bei einer OMV-Tankstelle Bier? In Summe, warnt Hager, ließe sich aus diesen Informationen ein präzises Kundenprofil erstellen, das mehr Rückschlüsse zulässt, als den meisten Konsumenten bewusst sein dürfte. Könnte das Bonusprogramm am Ende gar Einfluss auf die Bonität haben? Beim Jö-Bonusclub beteuert man, dass Kundendaten unter den einzelnen Partnerunternehmen nicht getauscht und schon gar nicht an Dritte weiterverkauft werden. Datenschutz werde groß geschrieben.

Dennoch rät Experte Hager zur Vorsicht: „Der Kunde zahlt mit seinen Daten für das Bonusprogramm, sie werden nicht zufällig gesammelt. Fest steht, dass sie bei einer übergeordneten Stelle zusammenlaufen und man nicht genau weiß, was mit ihnen passiert. Mit dem Jö-Bonusprogramm reagiert der Rewe-Konzern auf die im Vorjahr eingeführte Payback-Karte (Payback: wenig Rabatt, viele Daten 6/2018), für die sich die Drogeriekette DM, die BP-Tankstellen und der Haustierbedarfshändler Fressnapf zusammengeschlossen haben. Die Supermarktkette Spar sowie die meisten Diskonter verzichten auf Bonuskarten. Der Rewe-Konzern hat hingegen große Pläne mit dem Jö-Bonusclub, für den eine eigene Tochtergesellschaft gegründet wurde. In den kommenden Monaten sollen sich weitere Handelsunternehmen beteiligen, bis Jahresende peilt man 3,7 Millionen Mitglieder an.  

Verschlechterung im System 

​Die bisherigen Bonusprogramme der einzelnen Rewe-Unternehmen werden nun auf die Jö-Karte umgestellt. Dass es auch innerhalb des Systems zu Verschlechterungen kommen kann, zeigt ein Beispiel, mit dem sich eine verärgerte Merkur-Kundin an uns gewandt hat. Bisher gewährte die Supermarktkette Mitgliedern des „Friends of Merkur“-Clubs nach zwei Einkäufen pro Monat einen Rabatt von zehn Prozent bei einem Einkauf im Folgemonat. Mit der neuen Jö-Karte hat sich das geändert: Nun gilt der Rabatt erst bei Einkäufen mit einem Mindestumsatz von 125 Euro. „Ich empfinde das als absolute Verschlechterung“, sagt die Kundin. 

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Kommentare

  • JÖ-Kundenkarte
    von mangan am 13.08.2019 um 19:44
    Ich werde die JÖ-Kundenkarte verweigern weil ich keinen Datenmissbrauch riskieren will. Ausserdem ist die Rabattgestaltung mit dieser Karte umständlich und irreführend. Meine Familie kauft bei Spar und Hofer ein weil dort die Preise übersichtlich und ehrlich sind.
  • Mir reicht es auch
    von Dankwart am 31.05.2019 um 11:03
    Habe diese unverschämte Datensammelei auch satt. Werde mein Kundenkonto löschen. Außerdem werde ich jetzt wohl bei SPAR einkaufen. Das Konzept mit den Sammelmarken sieht da besser aus und ist anonym!
  • Sammelwahn
    von Stoeckro am 21.05.2019 um 12:09
    JÖ bietet ein wesentlich geringeres Leistungsspektrum an als die bisherigen Kundenkarten. Besonders sichtbar bei Penny und Merkur, wo es ohne Punktesammeln keinerlei Vergünstigungen mehr gibt.

    Ich habe meine Einkaufsgewohnheiten bereits umgestellt und meide REWE. Hofer und Spar erlauben einen günstigen Einkauf für jedermann auch ohne Datensammeln.

    Eigenartig ist auch die JÖ-Vergabe der BAWAG. Schon jetzt war es so, dass, falls mit Bankomatkarte bezahlt, die BAWAG wusste, wo ich meine Einkäufe tätige. Auch wenn beteuert wird, dass Daten selbstverständlich nicht ausgetauscht bzw weitergegeben werden, kann ich nicht ausschliessen, dass meine Bank nun auch erfährt, welche Produkte in meinem Einkaufswagen landen.

    Danke - NEIN. Das geht mir zu weit.

    Und natürlich werden Daten nicht zu Geld gemacht - der JÖ-Bonusclub ist ein reines Charityprojekt. Wer´s glaubt, sammle weiter...

    Wie wär´s, auf aufwendige Datensammlerei zu verzichten und die Kostenvorteile einfach so an ALLE Kunden weiterzugeben? Dann wäre nämlich endlich Schluss mit den Fantasiepreisen im Lebensmittelhandel...
  • Gläserner Mensch???
    von Fogerty am 20.05.2019 um 19:31
    Gläserner Mensch ist noch ein harmloser Ausdruck, wenn man bedenkt was hier gerade passiert. Bei so vielen großen, Marktbeherrschenden Firmen und es sollen laut jö noch viel mehr werden, entsteht ein sehr genaues Profil.

    "Sie" werden alles über uns wissen: Wie viele Mitglieder die Familie hat, welche Zeitung-Zeitschriften wir lesen, Kinder, Kleinkinder, Schüler, Arbeitslose, Beruf, Hobby, Alkoholiker, Vegetarier, Heimwerker, Haustiere, .... mit der Zeit entsteht ein exaktes Profil. Wollen wir diese Bespitzelung wirklich. Der Mensch ist doch zur Freiheit geboren und nicht zur Versklavung durch die Konzerne.

    Wenn jö sagt die gewonnenen Daten werden nicht weiterverkauft, kann ich nur lachen. Selbst die (seriöse) Post hat ja die gewonnenen Daten über uns weiterverkauft, mit dem Argument: Das ist nichts verbotenes, das ist so üblich. Selbst wenn jö die Daten nicht weitergibt, können sie in falsche Hände gelangen und missbraucht werden und alles was missbraucht werden kann, wird eines Tages auch missbraucht!
  • jö = für mich keine Verbesserung
    von forster28 am 20.05.2019 um 12:45
    Ich sehe unter Abwägung aller Aspekte gegenüber bisher eine Leistungsverschlechterung zumindest aber keine Verbesserung. Was mich weiters stört ist, dass ich bisher meine Bankomatkarte mit Friends of Merkur Speicherung auch gleich als Zahlkarte verwenden konnte - jetzt brauche ich 2 Karten. Solange die "Friends Speicherung" funktioniert, werde ich es nutzen und danach aber keine jö Karte bestellen.