KONSUMENT.AT - Iglo Broccoli - Herkunftsangaben beachten

Iglo Broccoli

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veröffentlicht: 20.05.2020

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Was Konsumenten alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: tiefgekühlter Broccoli aus Ecuador.

 

Das steht drauf: Iglo Broccoli

Gekauft bei: in vielen Geschäften erhältlich

Frischer Broccoli wird bei uns in der kalten Jahreszeit meistens aus Spanien oder Italien importiert. Gibt es im Geschäft keinen frischen, greift man gerne zu tiefgekühltem. Tiefkühlspezialist Iglo bietet diverse Sorten Tiefkühlgemüse an. Etliche davon werden mit dem Slogan „erntefrisches Gemüse von Iglo – natürlich aus dem Marchfeld“ beworben.

Aus Ecuador statt aus dem Marchfeld

Ein Kunde wollte tiefgekühlten Broccoli von Iglo kaufen. „Erntefrisch vom Feld tiefgefroren“ stand vorne auf der Packung. Den Hinweis „aus dem Marchfeld“ suchte er vergebens. Er wollte wissen, woher der Broccoli stammt, und studierte die Packungsaufschrift. Schließlich stieß er auf den Hinweis „erzeugt in Ecuador".

Er schrieb uns: „Broccoli aus einem Nachbarland hätte ich eventuell sogar noch gekauft. Aber als ich endlich die Herkunftsbezeichnung entdeckt hatte, war ich doch einigermaßen baff. Muss Broccoli, der in fast ganz Europa wächst, tatsächlich tiefgefroren (und daher wohl mit noch mehr Energieaufwand) um die halbe Welt gekarrt werden, nur um für den Hersteller etwas günstiger zu sein? Ich glaube auch, dass die meisten KonsumentInnen, die tiefgefrorenen Broccoli der ,österreichischen‘ Iglo-Marke kaufen, nicht damit rechnen, ein südamerikanischen Gemüse vorzufinden.“

Iglo argumentiert mit gleichbleibender Qualität

Wir stimmen dem Konsumenten voll und ganz zu. Nach dem ersten flüchtigen Blick auf die Packung wird wohl kaum jemand vermuten, dass dieser Broccoli von so weit her herangekarrt wurde.  

Und was sagt Iglo dazu? Es sei unabdingbare Voraussetzung, den Konsumenten immer gleichbleibend hohe Qualität und das rund ums Jahr bieten zu können. Diese Qualität zeichne den Broccoli aus Ecuador aus. Aha.

Herkunftsangabe freiwillig

Bei den meisten frischen Obst- und Gemüsesorten aus konventioneller Landwirtschaft ist die Angabe des Ursprungslandes Pflicht. Bei verarbeiteten Produkten (wie z.B. Tiefkühlgemüse) ist das anders: Die Herkunft muss nicht, kann aber – so wie bei Iglo Broccoli – auf freiwilliger Basis angegeben werden. Wer wissen will, woher Tiefkühlgemüse aus konventioneller Landwirtschaft stammt, muss die Packungsaufschrift also komplett lesen und eine eventuell vorhandene freiwillige Herkunftsangabe suchen. 

Bio-Lebensmittel: eigene Bestimmungen

Bei Bio-Lebensmitteln ist die Herkunft der landwirtschaftlichen Rohstoffe mit „EU-Landwirtschaft", „Nicht-EU-Landwirtschaft" oder „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft" zu deklarieren. Alternativ kann auch das Herkunftsland des Erzeugnisses genannt werden. Das wird bei vielen Produkten bereits gemacht (vor allem, wenn sie aus nur einer Zutat bestehen).

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Kommentare

  • Erwartungen, Fakten
    von REDAKTION am 04.03.2021 um 17:41

    6000 Konsumenten haben über die KONSUM-Ente 2020 abgestimmt und mit großer Mehrheit den Preis an Iglo vergeben. Wenn Sie das anders sehen ist das Ihr gutes Recht.

    Streichwurst: Diese Probe entspricht nicht der österreichischen Verbrauchererwartung und wurde deshalb von den Gutachtern beanstandet. Wäre der Hinweis "ohne Nitritpökelsalz" mit einer Beschreibung der abweichenden Farbe klar und in einer entsprechenden Schriftgröße gekennzeichnet, wäre die Situation eine andere. Das erkennt auch der Hersteller in seinem Schreiben an.

    Wir reihen in unseren vergleichenden Warentests die Produkte von "sehr gut" bis "nicht zufriedenstellend" in Abhängigkeit der Verbrauchererwartung.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Ersetzen neuerdingt überzogene Erwartungen die objektiven Fakten?
    von Mag Zirnig am 28.02.2021 um 13:27
    Ich finde es äußerst bedenklich, wenn mit den Iglu Tiefkühlbrokkoli ein Produkt, das korrekt ausgezeichnet ist, auf der Packung keine falsche Werbeversprechen macht und nichts vortäuscht (Mogelpackung, irreführende Abbildung), einen Schmähpreis bekommt, nur weil es nicht der naiven Erwartung mancher Konsumenten entspricht, dass jedes angebotene Gemüse aus Österreich kommt, und weil das Durchlesen des Verpackungstextes offenbar zu viel verlangt ist. Wird nächstes Jahr der Vorarlberger Getränkehersteller RAUCH mit der Konsum-Ente bedacht, weil auf seinem Ananassaft nicht in Riesenlettern steht: „Ananas nicht aus Österreich“? Nähern wir uns Verhältnissen wie in Amerika, wo auf Getränkebechern steht „Kaffee/Tee kann heiß werden – Verbrühungsgefahr!“, weil der Hersteller sonst damit rechnen muss, verklagt zu werden? In diese Richtung geht jedenfalls auch der Beurteilungsmodus beim VKI-Streichwursttest Anfang 2020, wo die Chiemgauer Naturfleisch Geflügelleberwurst, obwohl mikrobiologisch völlig in Ordnung, nicht verkostet und mit „nicht zufriedenstellend“ bewertet wurde, nur weil sie mit ihrer gräulichen Farbe von der Erwartung abweicht, dass jede Leberwurst rot oder braun sein muss. Damit wird der Zusatz unnötiger Farbstoffe von Konsumentenseite direkt provoziert. Eine ungute Entwicklung!