KONSUMENT.AT - Rabattaktionen im Supermarkt - "Rabattitis": Langzeit-Analyse von 11 Supermarkt-Produkten

Rabattaktionen im Supermarkt

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KONSUMENT 9/2020 veröffentlicht: 24.08.2020, aktualisiert: 24.09.2020

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Unsere Langzeit-Erhebung zeigt: Rabatte und Sonderangebote suggerieren günstige Preise, verleiten aber oft bloß zum vermehrten Zugreifen. Wirklich sparen lässt sich nur durch penibles Vergleichen.

Manchmal kann es schon ein wenig nervös machen, all die guten Gelegenheiten ungenützt verstreichen zu lassen: dort eine 25-%-Aktion auf alle Bio-Produkte, da Statt-Preise für das gesamte Einkoch-Sortiment, Tiefkühlgemüse zum Schleuderpreis, jedes dritte Knabbergebäck gratis. Und Bier erst – unschlagbar günstig! So mancher fragt sich dennoch im permanenten Rabattrausch, ob da nicht irgendwo ein Haken drinsteckt.

Nebenwirkungen der Rabattitis

Die Skepsis ist berechtigt. Nachlässe auf bald ablaufende Lebensmittel sind zwar durchaus sinnvoll, die ständige Rabattitis hat aber unangenehme Nebenwirkungen. Erstens erschwert sie die Vergleichbarkeit von Preisen und hemmt somit den Wettbewerb. Zweitens – und das wiegt noch schwerer – sind Rabatte genau genommen künstliche Preisaufschläge: Um einen Nachlass gewähren zu können und trotzdem einen positiven Deckungsbeitrag zu generieren, muss der reguläre Preis (oft auch als Statt-Preis oder wissenschaftlich als Mondpreis bezeichnet) von vornherein höher angesetzt werden. Ein mieser Trick.

Zehnmonatige Marktbeobachtung

Wir haben insgesamt zehn Monate lang Flugblätter von Supermärkten ausgewertet und mit den Aktions- und Rabattangeboten in den Supermärkten vor Ort abgeglichen. Zum besseren Vergleich wurden ausschließlich Markenartikel analysiert, die bei Billa, Merkur, Penny (REWE-Konzern) und Interspar angeboten wurden. Lidl und Hofer waren auch mit im Rennen, durch das beschränkte Angebot an Markenartikeln aber nicht bei jedem Produkt.

Bei folgenden Produkten haben wir die Aktions- und Rabattangebote der Supermärkte verglichen:

  • Unsere Langzeit-Erhebung zeigt: Rabatte und Sonderangebote suggerieren günstige Preise, verleiten aber oft bloß zum vermehrten Zugreifen. Wirklich sparen lässt sich nur durch penibles Vergleichen. (Bild: Alexandra Konstantinouidi/VKI) Bier
  • Felix Ketchup
  • Iglo Fischstäbchen
  • Iglo-Gemüse (Zarte Mischung)
  • Kelly's Chips
  • Knorr Goldaugen Rindsuppe
  • Manner-Schnitten
  • Milka-Schokolade
  • Nutella
  • Nudeln (Barilla Pasta)
  • Uncle Ben's Reis

 

Alles andere als nachhaltig: Allein die wöchentlichen Postwurfsendungen von Billa, Merkur, Penny, (Inter-)Spar, Hofer und Lidl an rund 2 Millionen Haushalte ergeben jedes Jahr einen Papierturm in Höhe von rund 1.000 Kilometern.


Auch in der Langzeitanalyse dieser elf Produkten hat sich bestätigt: So manches Produkt mit Rabattpreis ist nicht günstiger als regulär bei der Konkurrenz oder nur dann, wenn man mindestens zwei Stück davon nimmt. Das führt genauso wie die 25-%- Aktionen oft dazu, dass bei Weitem mehr gekauft wird als geplant. „Mission erfüllt“, denken sich die Marketing-Strategen der Supermarktketten.

 

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Kommentare

  • Völlig losgesagt - ein gute Gefühl
    von Moik am 18.09.2020 um 07:03
    Durch die ständigen Manipulationversuch - nicht nur der Lebensmittelverkaufsketten - habe ich beschlossen, auf die meisten Rabatte bzw.Rabattkartenz zu verzichten. Es füllt sich gut an! Ich "muss" nicht ständig schauen, wann und wo es Aktionen gibt und mit selbst damit stressen. Ich denke auch, dass ich mir dadurch viel an Geld erspare, weil ich meist nur das kaufe, was ich brauche. Sogar der Kauf des Grillkamins ohne Rabatt, der dadurch um € 10-15 Euro mehr gekostet hat, ist mir inzwischen fast egal. Die Freiheit, Einzukaufen wann, wo und wieviel ich will, erfüllt mich mit einem angenehmen Gefühl.
  • Kein Problem mit Werbesendungen
    von asbachuralt am 30.08.2020 um 12:23
    Einfach in die Robinsonliste eintragen lassen und einen Aufkleber auf den Postkasten kleben - fertig. Ich habe schon seit Jahren Ruhe vor der unerwünschten Reklameflut!
  • Aktionspreise, Pickerl etc
    von Palmberger am 27.08.2020 um 08:27
    Mir gehen die Postwurfsendungen, Lockangebote, Aktionspreise, Pickerl, Rabattmarken, Clubmitgliedschaften u.s.w. einfach nur auf die Nerven! Ich sehne mich nach fairer Preisgestaltung, kundenfreundlicher Präsendation und einem übersichtlichen Angebot; und so träume ich weiter und versuche regionale Anbieter und regionale Produkte zu bevorzugen.
  • Alles andere als billig
    von 50plus am 25.08.2020 um 15:30
    Auch ich beobachte schon seit langem die Tricks der Anbieter. Manchmal zahlt man mit dem 25 Prozent Pickerl trotzdem mehr als in einem anderen Geschäft. Auch gibt es oft 1+1 gratis Aktionen, die man nicht übersehen sollte, ich aber nur kaufe, wenn ich es auch brauche. Dinge die wir nicht essen kaufe ich ganz einfach nicht, auch wenn es noch so günstig ist. Ich verwende die Pickerl meistens für Frischmilch, Fleisch, Eier, Käse, Gemüse, Obst, usw.
    Aufgefallen ist mir seit einigen Tagen, dass bei Billa u. Merkur die 25 % Pickerl nun weggenommen werden. Also kann man sie nur einmal einlösen. Außer man hat genug davon. Bei Spar bleiben sie auf den Artikeln und ich kann sie daher mehrmals verwenden, was ich ganz toll finde. Mal schauen, ob das so bleibt. Bei Interspar bekommt man auch Pickerl nachgereicht wenn man danach fragt, bei Merkur habe ich vorige Woche gefragt, da wurde mir mitgeteilt, dass keine mehr ausgegeben werden dürfen. Ich werde trotzdem weiterhin 25% Pickerl verwenden, kaufe aber auch in anderen Geschäften ein, wo es keine Pickerl gibt. Man muss halt viel Mühe aufbringen und vergleichen um sich wirklich was zu ersparen.
  • Psychologie der Zahlen
    von petrab am 25.08.2020 um 09:44
    Ich gestehe. Wenn ich bei den erwähnten Handelsketten einkaufe, surfe ich lustvoll durch die Rabattwelten und bemühe mich darum günstig einzukaufen. Ich kaufe überdurchschnittlich viel bei Direktvermarktern, da ist für mich der Preis sekundär. Die Qualität zählt. Vielfach herrscht die Meinung, dies sei eine besonders teure Art des Einkaufs. Möglicherweise ist das dem Umstand geschuldet, dass am Bauernmarkt ein Kilopreis angegeben wird und nicht ein fiktiver Normalpreis rot durchgestrichen und durch einen um 25 % verminderten Betrag ergänzt. Dass der "echte" Kilopreis für Erdäpfel günstiger ist, als der Aktionspreis im Geschäft sickert nicht ins Unterbewusstsein. Fazit: Der vermeintlich günstige Einkauf nützt weder dem Konsumenten, noch dem Produzenten.