Feuerwerkskörper

"Frauen sind geduldiger"

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Konsument 1/2007 veröffentlicht: 07.12.2006

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In der Silversternacht werden wieder Hunderttausende Raketen den Himmel in allen Farben erstrahlen lassen. Kaum jemand ist sich dessen bewusst, unter welch menschenverachtenden Bedingungen die Feuerwerksartikel hergestellt werden.

Böller und Raketen

Es ist bald wieder so weit: Das neue Jahr wird mit Böllern und Raketen begrüßt. In rund 10.000 Verkaufsstellen – von Baumärkten über Supermärkte bis zu Papier- und Juxartikelgeschäften – gehen pro Jahr Waren im Wert von 8 Millionen Euro über den Ladentisch, geschätzte 80 Prozent davon werden vor Silvester umgesetzt. Das wird wieder mehr als tausend Personen Gehörschäden oder Handverletzungen bescheren, einige werden dauerhaft schwerhörig bleiben, anderen werden Finger amputiert werden müssen ...

7000 Fabriken in China

Doch das ist nur ein kleiner Teil der Schreckensbilanz. Die meisten Opfer der Pyrotechnikindustrie sind bei der Erzeugung der Feuerwerkskörper zu beklagen. Längst schon wurde der Großteil der Produktion in Länder der Dritten Welt ausgelagert. Neun von zehn Raketen, Batterien oder Römischen Lichtern weltweit kommen heute aus China. 7000 Fabriken gibt es dort, sie beschäftigen eine halbe Million Menschen. Und das ist nur der legale Bereich, die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein. Viele zugelassene Fabriken gehen dazu über, besonders gefährliche Produktionsaufträge an Subunternehmen weiterzuleiten, die sie wiederum in Heimarbeit vergeben – an (kinderreiche) Familien.

Laut Statistik 10.000 Tote

Anfang März 2001 explodierten in einer Grundschule in der ostchinesischen Provinz Jianxi Feuerwerkskörper. Das Gebäude wurde vollständig zerstört und über 60 Kinder und Lehrer wurden getötet. Die Kinder hatten Zündschnüre an Feuerwerkskörpern angebracht, um Geld für die Schule zu beschaffen. Nichts Ungewöhnliches in China: Für Lehrer, die häufig gar nicht oder nur mit großer Verspätung entlohnt werden, stellt das eine Möglichkeit dar, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Verheerende Unfälle 

In den letzten 20 Jahren wurden laut offizieller Statistik rund 10.000 Menschen Opfer von Unfällen in Feuerwerksfabriken. Einer der letzten, die international bekannt wurden, geschah in der Provinz Hunan im September 2005. Bei einer Explosion wurden alle Gebäude im Umkreis von 500 Quadratmetern zerstört. 13 Menschen verloren ihr Leben.

 

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