Geoblocking

Von wegen freier Handel

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KONSUMENT 10/2016 veröffentlicht: 29.10.2016, aktualisiert: 31.10.2016

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Wer im Internet auf einer Website mit ausländischer Domain einkaufen möchte, blitzt allzu oft ab, weil die Firmen dies nicht zulassen. Wir fordern ein Ende des Geoblocking.

Preisunterschiede bei Produkten, die im ­nahen Ausland deutlich billiger angeboten werden als in Österreich, sorgen unter Verbraucherrinnen und Verbrauchern für Unmut. Davon zeugen auch zahlreiche Beschwerden unserer Leserinnen und Leser. „Wird österreich­ischen Kunden dann im Internet der Erwerb dieser günstigeren Angebote auch noch verwehrt, nur weil die Bestellung aus Österreich erfolgt, bringt das die Leute regelrecht auf die Palme“, sagt Jurist ­Reinhold Schranz vom Euro­päischen Verbraucher­zentrum (EVZ) beim VKI.

Diskriminierung im Netz

Neudeutsch als „Geoblocking“ wird diese Form der ­Diskriminierung im Internet bezeichnet, über die sich jedes Jahr Tausende von österreich­ischen Konsumenten ärgern. Schwerpunkte sind die Bereiche elektro­nischer Handel, Tourismus, digitale Dienstleistungen und Telekommunikation. „Einer Umfrage auf europakonsument.at zufolge, waren in Österreich fast 90 Prozent aller Konsumenten schon einmal von Geoblocking betroffen“, so Schranz. Unternehmer, die, wenn es ihnen in den Kram passt, gerne von freiem Handel schwadronieren und das ­Hohelied der Marktwirtschaft singen, setzen im Onlinehandel auf knallharten Protektionismus. Es gebe, so Schranz, zwar keinen Zwang, Waren überall zum gleichen Preis zu verkaufen, aber: „Sobald die Möglich­keit zum Online-Preisvergleich besteht, sollten die Kunden auch dort einkaufen können, wo sie möchten.“ Reinhold Schranz kommt aus dem Aufzählen gar nicht mehr heraus, wenn er anfängt, die Fälle zu beschreiben, mit denen sich das EVZ immer wieder herumschlagen muss.

Tchibo

Alexander L. aus Wien will auf der deutschen Website www.tchibo.de eine Espresso­maschine bestellen, die dort inklusive Probierset mit acht Kapseln Kaffee portofrei um 49 Euro angeboten wird. Auf der österrei­chischen Website www.tchibo.de kostet das gleiche Modell 99 Euro und damit mehr als das Doppelte. Doch L. wird die Zu­sendung der Maschine nach Österreich verweigert. Das Unternehmen liefert via www.tchibo.de zwar in mehr als 20 euro­päische Länder, Österreich ist allerdings nicht dabei. Konfrontiert man Tchibo mit dem Sachverhalt, teilt der Konzern lapidar mit, dass in bestimmten Ländern wie Österreich, Ungarn oder Tschechien nur über dort gegründete Vertriebsgesellschaften bestellt werden könne.

Rechtlich gesehen ist es, so Reinhold Schranz, zulässig, dass Tochtergesellschaften für dieselben Produkte in unterschiedlichen Vertriebsregionen unterschied­liche Preise veranschlagen: „Sobald Konsumenten jedoch online Preise und Aktionen vergleichen und über den Online­shop einer anderen Vertriebsregion ein bestimmtes Produkt zu einem günstigeren Preis bestellen wollen, sollte dies möglich sein. Wenn wir im Ausland einkaufen, fragt uns an der Kasse auch niemand, wo wir wohnen“.

Nikon

Um eine ganz andere Art von Geoblocking geht es im Fall von Peter S. aus Innsbruck. Die Firma Nikon GmbH bot beim Erwerb von Nikon-Objektiven bei Händlern mit Sitz in Deutschland innerhalb eines bestimmten Zeitraumes eine Rückerstattung von 100 Euro pro Objektiv an. S. erwarb Objektive zum Preis von fast 900 Euro. Danach reichte er bei Nikon Deutschland die Kaufunterlagen ein, um die versprochene Rückerstattung zu erhalten. Nikon teilte ihm daraufhin mit, dass die Teilnahme an der Cash-Back-­Aktion nur Konsumenten mit Wohnsitz und Bankkonto in Deutschland möglich sei. Der Kunde erhielt seine 200 Euro erst, nachdem das EVZ Österreich interveniert hatte.

Amazon

Auch der globale Onlinehändler Amazon versucht nicht nur, wenn es ums Steuersparen geht, aus Landesgrenzen einen Vorteil zu ziehen. Harald G. aus Wien wollte über www.amazon.de eine Digitalkamera zu 1.550 Euro bestellen. Nach Eingabe seiner Daten erhielt er allerdings die Meldung, dass die Kamera nicht nach Österreich geliefert werden könne. Nach Intervention des EVZ-Netzwerkes teilte das Unter­nehmen mit, dass hochpreisige Produkte mit einem Warenwert von über 1.500 Euro aus versicherungstechnischen Gründen nicht nach Österreich geliefert werden könnten. Für Verbraucherschützer Reinhold Schranz ein geradezu abenteuerliches ­Argument: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein weltweit tätiges Unternehmen, das seine Waren über Kontinente hinweg verschickt, aus versicherungstechnischen Gründen nicht nach Österreich liefert. Für uns liegt hier eine unzulässige Lieferver­weigerung vor.“ Nach der Intervention des EVZ war die Versicherung kein Thema mehr, Amazon verschickte die Kamera anstandslos nach Österreich.

Motorola

Dass die Landesgrenze oft nur als billiger Vorwand für einen „Österreich-Zuschlag“ dient, zeigt das Beispiel Motorola: Harald Z. möchte ein Handy bestellen. Das Gerät ist auf der deutschen Website des Unter­nehmens erheblich günstiger zu haben als auf der österreichischen. Nachdem jedoch eine Lieferung außerhalb Deutschlands ausgeschlossen ist, gibt Z. die Adresse seines in München lebenden Onkels an. Die Zahlung wickelt er über PayPal ab. Kurz darauf erhält Z. eine E-Mail vom deutschen Händler, wonach die Bestellung ungültig sei. Auf Nachfrage erfährt er, dass diese Zahlungsart nicht akzeptiert werde. Da für den PayPal-Zugang ein österreichisches Konto hinterlegt sei, werde die Bestellung storniert. Verbraucherschützer Schranz geht klar von einer Ungleichbehandlung aufgrund des Wohnsitzes aus. Aufgrund der Verordnung zur Festlegung der technischen Vorschriften und der Geschäftsanforder­ungen für Überweisungen und Lastschriften in ­Euro, kurz SEPA-Verordnung, müsste der deutsche Anbieter auch den Einzug von einem österreich­ischen Bankkonto akzeptieren.


Netzwerk der europäischen Verbraucherzentren ECC-Net

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Kommentare

  • Geoblocking
    von REDAKTION am 04.04.2017 um 08:40
    Die Verordnung wird derzeit im Europäischen Parlament verhandelt. Wir rechnen damit, dass sie Ende des Jahres beschlossen wird.Ein genaues Datum können wir allerdings nicht nennen.
  • Geoblocking
    von wolfarl am 03.04.2017 um 12:32
    Ich kaufe viel bei Amazon, aich für mein Büro. Denn es ist billiger als der Firmeneinkauf. Bevor ich zu den Problemen komme : Ja ich versuche wirklich lokal zu kaufen - aber leider ist das service zB bei den Baumärkten so schlimm - Gardena Brause mit Stil für einen 3/4" Schlauch und Kupplung ... insgesamt 4h und Benzin vertan, weil : " haben wir nicht" "Finden wir nicht" "was wollen Sie" - bei einem ein Schld gefunden aber ausverkauft. Amazon in 3 Minuten gefunden und war billiger als bei der einzeigen möglichen Quelle. Aber : zunehmen werden Angebote NICHT nach Österreich verschickt und ich komme auf keinen grünen Zweig, wovon das abhängt und das sind beileibe kein ausgerüssenen Güter. Schuhe, höherprozentige Alkoholika, Computer Harddisks, Switches - ich habe ein ganze Sammlung davon. Und Vieles davon schon einmal von Amazon erhalten. Auch unabhängig davon, ob das von einer Drittfirma kommt oder dierekt von Amazon verkauft und versandt wird. Weder schriftliche noch mündliche Erklärungen sind irgendwie stichhaltig, unter Nachdruck wird an impresssum@amazon.de verwiesen. Echt ärgerlich - ein so großér Konzern könnte ja wohl klare Richtlinen haben und veröffentlichen. Am schäfsten finde ich immer den kommentar "Artikel kann nicht nach Österreich verschickt werden" - besonders wenn ich den gleichen Artikel schon einmal erhalten habe ... Ich wünsche mir auch noch bitte die Information vom VKI, wann man denn mit der neuen EU Verordnung rechnen kann ....
  • Original Geoblocking, garantiert hausgemacht
    von NETclub50plus am 27.10.2016 um 19:34
    Es ist nicht nur der böse Handel, der nicht nach Österreich liefern will. Auch unserer Politiker haben erheblichen Anteil daran. Etwa bei elektronischen Zigaretten. Die haben sie in einem der zahlreichen Anfälle von "Wir-sind-die-EU-Musterschüler" mit Novellierung des Tabakgesetztes 2015 gleich weitgehend mit verboten, obwohl sie zunehmend auch von der Wissenschaft als probates Mittel zur Reduktion des Zigarettenrauchens eingestuft werden. Eine entsprechende Vorschrift der EU zum Verbot besteht nicht! #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#- Die Folge: Alle österreichischen Webshops mussten zusperren, es gibt keinen Versand mehr. Auch nicht an Erwachsene mit Altersprüfung, auch nicht von nikotinfreien Liquids, auch nicht für Ersatzteile etc ... Nichts. Hergezeigt darf die Ware noch werden im Internet, verkauft nicht. Wer am Land lebt, wo es keinen Dampfer-Shop geben mag, der hat Pech gehabt das ist die österreichische Variante von Geo-Blocking. Der Dampfer wird in vielen Fällen zum Glimmstengel zurückkehren. Damit bringt er sich zwar um, bezahlt bis dahin aber brav Tabaksteuer. #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#- Aufgrund der österreichischen G‘schaftlhuber-Regelung versenden auch ausländische Shops (inkl. Amazon) nicht mehr nach Österreich. Hausgemachtes Geo-Blocking eben. Es bleibt nur der Umweg über eine deutsche Lieferadresse. #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#- PS: Ich hatte während der Beratungen im zuständigen Ausschuss des Nationalrates jeden einzelnen mit der Entscheidungsfindung befassten Abgeordneten persönlich angeschrieben. Geantwortet hat nur ein Abgeordneter der FPÖ, der sich gegen dieses haarsträubende Verbot aussprach. Überstimmt.
  • @ Deutsche Lieferadresse
    von NETclub50plus am 06.10.2016 um 18:15
    Auch ich verwende seit Jahren eine deutsche Lieferadresse bei logoix.com. Das funktioniert problemlos und hat mir schon geholfen, eine ganze Menge Geld zu sparen. So kaufte ich bei einer deutschen Kette ein E-Bike, das dort um 500 Euro billiger als in Österreich angeboten wurde. Leider kein Versand nach Österreich. Also an Logoix in Freilassing senden lassen, die haben es noch am selben Tag per Spedition nach Wien transportiert. Das hat so um die 50 Euro gekostet. 450 Euro gespart. #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-# Es lohnt sich oft auch bei kleineren Sendungen, da die Gebühren von D nach AT ja viel geringer sind als in die umgekehrte Richtung. Bis zu einem Kilo kostet die Nachsendung 4,95 Euro, bis zu 10 Kilo 6,95 Euro. Das liegt manchmal sogar unter den Versandaufschlägen, welche Händler auf Amazon (und vor allem eBay) als für Österreich berechnen. #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-# Einziger "Nachteil" bei logoix.com: Die Website ist recht unübersichtlich, man muss sich ordentlich durchklicken. Am besten Menü "Versand" - "Preisübersicht" informieren.
  • Amazon
    von Seher3 am 05.10.2016 um 01:12
    Gerade Amazon versendet viele Artikel nur nach Deutschland. Wenn dann doch mal nach Österreich versendet wird, wird zuerst der billigere deutsche Preis angezeigt. Erst zum Schluss der Bestellung wird der höhere österreichische Preis (höhere MwSt) angezeigt.
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