Methadon: Zusatzbehandlung bei Krebs

Chemotherapie-Wirkung verstärken?

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KONSUMENT 9/2017 veröffentlicht: 31.08.2017

Inhalt

Kann Methadon die Wirkung einer Krebsbehandlung verstärken und so dazu beitragen, Krebs zu heilen?

Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die das belegen. 

Methadon gegen Krebs: Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die das belegen. Bild: VKI

 

Aus der Drogenersatztherapie ist Methadon nicht wegzudenken. In speziellen Betreuungsprogrammen erhalten Süchtige die Substanz, um vom Heroin loszukommen. Darüber hinaus ist Methadon ein starkes Schmerzmittel und wird etwa Menschen mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium verschrieben. Berichten zufolge könne der Stoff angeblich auch Krebs direkt bekämpfen. Methadon soll die Wirkung einer Chemotherapie verstärken und so bereits zahlreiche Krebspatienten geheilt haben.

Laboruntersuchungen zu Einzelfällen

Auf wissenschaftliche Fakten können sich solch euphorische Meldungen nicht stützen. Bislang gibt es keine Studien, in denen untersucht wurde, ob Methadon die Überlebenschancen von Krebskranken erhöht. Derzeit liegen nur Laboruntersuchungen bzw. Berichte über Einzelfälle vor. So hat man herausgefunden, dass Methadon in Reagenzglas-Versuchen Krebszellen empfindlicher für die wachstumshemmende Wirkung von Chemotherapie-Substanzen macht. Zusätzlich scheint Methadon die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Krebszellen im Reagenzglas absterben. Ob das auch im menschlichen Körper funktioniert, ist jedoch unklar. Häufig wirkt eine Arznei dort ganz anders als im Laborexperiment.

Methadon: in Fallserie als Zusatzbehandlung angewendet

Eine deutsche Forschungsgruppe hat eine Fallserie an 27 Patientinnen und Patienten veröffentlicht, die an einem Hirntumor litten. Zusätzlich zur Standardbehandlung wie Chemotherapie oder Bestrahlung wurde ihnen Methadon verabreicht. Sechs Monate später hatte sich der Hirntumor bei 22 der 27 Behandelten nicht verschlimmert. Unklar ist jedoch, ob dies auf die herkömmliche Krebstherapie zurückzuführen war und ob die Behandlung ohne Methadon ebenso erfolgreich gewesen wäre. Klären ließe sich das nur durch den Vergleich mit einer Standard- Krebsbehandlung ohne zusätzliche Methadongabe.

Standardbehandlung und Placebogabe

Dabei müssten die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen gelost werden. Die eine Gruppe würde zusätzlich zu einer Standardbehandlung (z.B. Chemotherapie oder Bestrahlung) Methadon verabreicht bekommen, die zweite Gruppe zusätzlich zur Standardbehandlung statt Methadon nur ein Scheinmedikament (Placebo). Wäre nach einiger Zeit die Anzahl der Todesfälle in der Methadon-Gruppe merkbar kleiner als in der Vergleichsgruppe, läge ein klarer Beweis für die direkte Wirksamkeit von Methadon gegen Krebs vor. Träte hingegen kein Unterschied auf, wäre klar, dass Methadon doch keine Anti-Krebs-Wirkung besitzt.

Etliche Nebenwirkungen

Die Abklärung wäre wichtig, weil Methadon und ähnliche Substanzen (Opioide) zwar starke Schmerzen lindern können, jedoch auch massive unerwünschte Wirkungen haben. Bei der Anwendung in der Klinik tritt häufig Benommenheit bis hin zu geistiger Verwirrtheit auf, vor allem zu Beginn der Behandlung auch Übelkeit und Erbrechen. In seltenen Fällen kann Methadon zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen. Bei Überdosierung kann eine tödliche Atemlähmung eintreten. Zudem verursacht Methadon eine starke Abhängigkeit.

Lesen Sie mehr auf https://www.medizin-transparent.at/methadon

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

Lesen Sie mehr auf www.medizin-transparent.at

 

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
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Kommentare

  • Nicht der aktuelle Stand der Fachdiskussion
    von REDAKTION am 06.09.2017 um 09:50

    Wir wollen mit unserem Bericht darauf aufmerksam machen, dass es noch zu früh ist, um die Wirksamkeit von Methadon bei der Krebstherapie beurteilen zu können. Wir reagieren auf Medienmeldungen, die Methadon bereits als Wundermittel angepriesen haben.

    Wir versuchen zu versachlichen. Das alles ist unsere Aufgabe als Konsumentenschutzorganisation. Wir, beziehungsweise unsere Kooperationspartner von medizin-transparent, haben alle verfügbaren wissenschaftlichen Studien analysiert, die es zu Methadon als Mittel zur Tumorbehandlung gibt. Dabei zeigte sich eben, dass wir erst am Anfang der Forschung stehen.

    Die vorhandenen Studien reichen nicht aus, um eine Einschätzung wiedergeben zu können, dazu sind bessere Arbeiten nötig, die dem wissenschaftlichen Standard entsprechen. Die Beweislage ist deshalb derzeit unzureichend.

    Ihr Konsument-Team

  • Nicht der aktuelle Stand der Fachdiskussion
    von Dunkelsteinerwald am 05.09.2017 um 02:35
    Auf welchen Quellen beruht dieser Bericht ? Methadon ist regulär nur im Rahmen einer ärztlichen Behandlung zu beziehen. Insoferne geht das Argument "Es gibt leider viel zu viel Scharlatane, die die verzweifelte Lage von Krebspatienten schamlos ausnutzen und ihnen für teures Geld selbstgepantschte, unwirksame Tinkturen andrehen." hier völlig ins Leere. Natürlich ist Methadon kein Wundermittel. Es wird aber zB. in einem Fachforum für ÄrztInnen teilweise positiver wahrgenommen, als dieser eher einseitige Artikel. Warum um alles in der Welt mischt sich ein Konsumentenschutzmagazin in eine noch laufende und nicht abgeschlossene medizinische Fachdiskussion ein ?
  • Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die das belegen.
    von REDAKTION am 01.09.2017 um 08:18

    Unser Ziel ist es, Konsumentinnen und Konsumenten aufzuklären, was an bestimmten Behauptungen dran ist, die in Medien kursieren beziehungsweise in der Werbung aufgestellt werden. In letzter Zeit waren viele Artikel über Krebsleidende zu lesen, die scheinbar durch Methadon geheilt wurden. Auch Berichte über Erfolge von Tier- und Reagenzglas-Studien gab es.

    Die teilweise euphorische Berichterstattung kann bei krebskranken Menschen zu übertriebenen Hoffnungen führen, die wissenschaftlich (noch) nicht begründet sind. Durch unsere Aufklärungsarbeit hoffen wir dazu beitragen zu können, aussagekräftigere Forschung anzustoßen. Unkritisch wäre, wenn wir trotz der unbefriedigenden Studienlage zu Methadon bereits von einem Durchbruch bei der Krebsbehandlung sprechen würden, so wie dies unseriöse Medien tun.

    Die Behauptung, es gäbe keine Forschung, weil man mit einem bestimmten Mittel nichts verdienen könne, ist hier nicht hilfreich. Es gibt leider viel zu viel Scharlatane, die die verzweifelte Lage von Krebspatienten schamlos ausnutzen und ihnen für teures Geld selbstgepantschte, unwirksame Tinkturen andrehen .

    Ihr Konsument-Team

  • Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die das belegen.
    von Dunkelsteinerwald am 31.08.2017 um 12:05
    Natürlich gibt es keine Studien dazu. Methadon ist billig und der Patentschutz abgegelaufen. Das interessiert keine Pharma-Firma mehr, hilfreiche Wirkungen von Methadon wissenschaftlich zu erforschen - weil damit nichts mehr zu verdienen ist. - Es ist wünschenswert, wenn sich die Redaktion mit der umfangreichen Problematik von Studien beschäftigt (Schönungen, Unterdrückung unerwünschter Ergebnisse, Fälschungen, problematische Durchführungen) und sie nicht blindlings und unkritisch als Qualitätsmerkmal übernimmt.
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