Wizz Air: Ärger beim Check-in

Billige Masche

Seite 1 von 3

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 6/2019 veröffentlicht: 23.05.2019

Inhalt

Die ungarische Billig-Airline Wizz Air vergrault ihre Passagiere mit saftigen Extragebühren. Das Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren verzeichnet mittlerweile 2.000 Beschwerden.

Manfred A. fiel schon vor dem Abflug aus allen Wolken: Am Abfertigungsschalter in Malaga wurde ihm für seinen Flug nach Wien für die vierköpfige Reisegruppe eine Extragebühr von 140 Euro aufgebrummt. Grund: Der gebuchte Tarif setzt einen Online- Check-in voraus. Nur hatte dieser in mehreren Versuchen einfach nicht geklappt. Für nervende Diskussionen am Abfertigungsschalter war keine Zeit. Es gab auch keine andere Möglichkeit, als zähneknirschend zu bezahlen. Manfred A. fühlte sich abgezockt und machte in sozialen Medien seinem Ärger Luft: 

"Nie wieder Wizz Air"

Was ihm widerfuhr, ist kein Einzelfall, sondern erweckt den Verdacht auf Methode. Maria Semrad, Juristin in unserem Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ): „Viele Konsumenten schildern uns, dass sie online einchecken wollten, dies aber nicht funktionierte. Folglich ist ihnen gar nichts anderes übrig geblieben, als kostenpflichtig am Flughafen den Check-in durchzuführen.“ Alle KONSUMENT vorliegenden Beschwerdefälle ergeben ein Bild: Da wird ein günstiger Tarif angeboten, der nur für Online-Check-in gilt. Wenn dieser nicht funktioniert, wird – de facto in einer Zwangslage – eine überzogene Gebühr gefordert. Beschwerden werden abgeschmettert oder nicht bearbeitet. 

Neue Geschäftsmodelle 

Bemerkenswert ist, dass der Online-Check-in nach Beobachtungen der Kunden genau dann nicht funktioniert, wenn dem Passagier eine Zustimmung zu einer Flugzeitänderung abverlangt wird und dieser nicht darauf reagiert. Das sei selbst bei geringfügigen Änderungen der Fall. Andreas Herrmann, Jurist im EVZ: „Das ist doch ein Hohn, wenn man die Zustimmung zu einer fünfminütigen Verschiebung verlangt.“ Solche geringfügigen Flugzeitenänderungen gibt es auffallend häufig.

Gegenüber help.ORF.at ließ Wizz Air verlauten, dass man die IT-Systeme geprüft habe und dass es das Konzept der Fluglinie sei, verschiedene Leistungen zu entbündeln, sodass jeder Passagier die Reise nach seinen individuellen Bedürfnissen gestalten könne und für nichts bezahlen müsse, was er nicht verwenden wolle. Die "Customer Journey" werde damit "zu einem persönlichen Erlebnis, bei dem der Kunde selbst entscheidet, wofür er bezahlt". 

Kein Einzelfall

Der Fall Wizz Air ist symptomatisch für das, was der Preiskampf der Fluglinien für Passagiere bedeutet. Da gibt es nicht nur Schnäppchenangebote, sondern auch Fallen: undurchsichtige Tarife, viel Kleingedrucktes, miese Tricks mit Extragebühren, technische Hürden, mühsame Websites, Komforteinbußen – die Preistransparenz bleibt auf der Strecke. Übrigens: Auch Wizz Air ist kein Einzelfall. Laudamotion, nunmehr LAUDA, hat ebenfalls strittige Check-in-Gebühren kassiert. „Unzulässig“, lautete das noch nicht rechtskräftige Urteil in einem Verfahren, das unsere Rechtsabteilung geführt hat (nachzulesen auf konsument.at). 

Checkliste fürs Buchen 

Auch wenn es mühsam ist:

  • Vergleichen Sie mehrere Optionen hinsichtlich Zusatzleistungen und Gebühren.
  • Achten Sie auch auf die Informationen zu Abmessungen und Gewicht des Gepäcks und Extrakosten für Mehrgewicht.
  • Machen Sie Screenshots von jedem einzelnen Buchungsschritt, insbesondere, wenn es Fehlermeldung (etwa beim Online-Check-in) gibt.

Für alle Passagiere, denen Ähnliches wie Herrn Manfred A. passiert, hat Maria Semrad einen grundsätzlichen Tipp parat: "Bezahlen Sie ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Gebühren immer unter Vorbehalt und vermerken Sie das auf der Zahlungsbestätigung.“ Und wenn es Sprachbarrieren zu überwinden gilt, lautet der Vermerk: „while reserving the right to demand reimbursement.“


 

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
6 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • keine Quersubventionierung von Ihnen zu anderen
    von REDAKTION am 27.05.2019 um 15:54

    An User Krentschker: Es freut uns, dass Ihre Flüge ordnungsgemäß funktioniert haben und preislich attraktiv waren. Es gibt aber keine Quersubventionierung von Ihnen zu anderen Kunden. Bei 2000 gleichlautenden Beschwerden geht es wohl um die systematische Benachteiligung von Kunden durch das Unternehmen. So etwas könnte auch Ihnen passieren.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Flog in den letzten 1,5 Jahren mit Wizz
    von Krentschker am 27.05.2019 um 14:42
    4x nach Malaga und 1x nach Teneriffa, sprich 10 Flüge.

    Hatte weder Probleme mit dem Online Checkin noch Flugverschiebungen. Verspätungen absolut im Rahmen (einmal eine Stunde weil die Maschine wg. einem Gewitter nicht pünktlich aus Wien wegkam). Die Tarife sind DEUTLICH günstiger als EuroWings und ähnlich denen von Level.

    UND - man bekommt was man bezahlt. Warum soll ich andere Reisende quersubventionieren?
  • Wir haben die Behörden kontaktiert
    von REDAKTION am 21.05.2019 um 10:41
    Sollten Sie rechtschutzversichert sein, können Sie jedenfalls eine Deckungsanfrage stellen. Wenn die Versicherung Deckung zusagt, können Sie gegen Wizz Air vorgehen. Ansonsten gibt es das Risiko, dass im schlechtesten Fall Sie die Prozesskosten zahlen müssen.

    Da wir die Behördenkooperation eingeschalten haben, können Sie aber auch zuwarten. Beurteilt die Behörde das Vorgehen der Fluglinie als unzulässig, können Sie als Konsument die Fluglinie direkt kontaktieren und die Rücküberweisung der ungerechtfertigter Weise eingezogene Check-in Gebühr zurückverlangen. Wir stellen Entscheidungen online.
    Ihr KONSUMENT-Team
  • Mit Vorbehalt unterschreiben
    von rupert_weinfurter am 20.05.2019 um 20:01
    Und grundsätzlich dann kann ich dann die Wizzair in Ungarn klagen?
KONSUMENT steht jetzt auch als E-Paper zur Verfügung!