KONSUMENT.AT - Plastikmüll: Recycling für Nervenstarke - Die Krux mit dem Plastikmüll

Plastikmüll: Recycling für Nervenstarke

Kommentar von Redakteur M. Stingl

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KONSUMENT 4/2020 veröffentlicht: 26.03.2020

Inhalt

Plastikmüll sortenrein zu sammeln und zu entsorgen ist löblich und wichtig. Noch besser ist freilich, ihn, wo möglich, gar nicht erst zu verursachen.

Redakteur Markus Stingl "Jetzt können sie mich aber lang­sam gern haben." Mein guter Freund Peter ist genervt. Vom Recycling. Dabei ist er da wirklich sehr engagiert unterwegs. Einer dieser rot-weiß-roten Recyclingweltmeister eben.

Plastik ist nicht gleich Plastik

Aber dass er die Plastikverpackung vom Schnittkäse nicht mehr in den gelben Sack werfen soll, zumindest nicht in seiner Heimatgemeinde (woanders kann das schon wieder             
ganz anders geregelt sein), das will Peter nicht verstehen.
„Ist doch alles Plastik!“, entfährt es ihm.

 

Nur sortenreines PET recycelt

Die Erklärung, die ich ihm anbiete – dass die Recyclingbranche offenbar nur noch an sortenreinem PET interessiert ist –, genügt ihm nicht. „Ja und was passiert jetzt mit dem restlichen Plastik?“, will Peter wissen. Als ich ihm erzähle, dass es wohl in einer Müllverbrennungsanlage landet, schüttelt er nur gedanken­verloren den Kopf.

Einen Monat später bin ich wieder bei ihm zu Besuch. Der gelbe Sack ist rand­voll gefüllt. Mit Plastik aller Art. Nicht nur PET-Einwegflaschen, so wie es die Entsorger gerne hätten. Auch der leere Joghurtbecher ist drin, die Wurstverpackung, die Ummantelung des 3er-Packs Kekse. 

Überfordert?

Peter steht hier exemplarisch für viele Österreicher. Sie scheinen überfordert. Die wahre Ursache ihrer Abwehrhaltung ist womöglich an anderer Stelle zu suchen. Der Weg zur Recyclingtonne ist wie ein kleiner Canossagang, der das latent schlechte Gewissen erleichtern soll: Ja, okay, ich kaufe zwar viele in Plastik verpackte Produkte, aber ich sammle die Hüllen ja allesamt artig und führe sie dem Recyclingprozess zu. Wer aber mit jedem Blick in den Restmüllbehäl­ter daran erinnert wird, wie viel Plastik­müll sein Konsumverhalten mit sich bringt, und zwar Plastik, das nicht recycelt, sondern verbrannt (oder noch schlimmer: deponiert) wird, dessen grüne Fassade bekommt Risse.

Plastik­müll sortenrein zu sammeln und zu entsorgen ist löblich und wichtig. Noch besser ist freilich, ihn, wo möglich, gar nicht erst zu verursachen.

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Kommentare

  • Fleckerteppich aus Mülltrennungsverfahren.
    von Mnemosyne am 27.05.2020 um 13:37
    Das Problem liegt vorallem auch in den unterschiedlichen Vorgaben, die Gemeinden und Städte für die Mülltrennung haben. In Wien wird, soweit ich weiß, derzeit Biomüll und Restmüll von Haushalten in die selbe Tonne geworfen. Man weiß spätestens seit den 80ern, dass die chemischen Prozesse im Biomüll und der Kontakt mit anderen Abfallstoffen Gifte freisetzt, was unter anderem bei den damaligen Mülldeponien zur Verschmutzung des Grundwassers beitrug.

    In Linz wird in die "Gelbe Tonne" jede (!) Art von Plastikmüll geschmissen und vermutlich lediglich thermisch verwertet. Daher sind auch Verpackungen aus Holz in der Gelben Tonne zulässig. ("Verpackungen aus Holz (Steigen, Holzwolle, Weinkisten")

    https://www.linzag.at/portal/de/privatkunden/zuhause/abfall/abfalltrennung_recycling/uebersicht_abfalltrennung#

    In salzburger Gemeinde stieg man vor Jahren auch kurzerhand darauf um, Restmüll und Kunststoffe jeglicher Art gleich zu behandeln.

    Wer also mal in einer anderen Gemeinde zu Besuch ist, der wird zweifellos bei allem Bemühen Fehler bei der Mülltrennung machen. Zu unübersichtlich und uneinheitlich sind die einzelnen Strategien zur Mülltrennung.
  • Sammeln von Verpackungsmüll
    von GKarner am 04.04.2020 um 00:13
    Bei uns im Burgenland sammelt der UDB Verpackungsmüll im Gelben Sack. Das geht vom Plastik bis zu Styropor und Holz (Papier und Pappe natürlich extra). Da wird später nachsortiert und die PET-Flaschen werden heraussortiert. Viel besser aber wäre, dass die PET-Flaschen da gar nicht hineinkommen. Und damit sie nicht hineinkommen gehört ein Pfand auf alle Getränkegebinde-Systeme. Erst damit wird es gelingen die PET-Flaschen und die Aludosen fast vollständig wieder dem Rohstoffkreislauf einzufügen. Und vielleicht gelingt es dann sogar, dass die Leute wieder mehr Mehrweggebinde nutzen, weil es dann eh keinen Unterschied mehr macht zu den jetzt schon bestehenden Mehrwegsystemen. Dieses Anliegen muss man nachhaltig propagieren. LG Günter Karner