KONSUMENT.AT - Klimasünder Internet - Internet: vergessener Energiefresser

Klimasünder Internet

Grüner Surfen

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KONSUMENT 6/2020 veröffentlicht: 28.05.2020

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Wäre das Internet ein Land, würde es unter den Top 5 der energiehungrigsten Nationen der Welt rangieren. Besonders klimaschädlich ist das Streamen von Videos.

Das Internet ist in Österreich stabil. Auch die Mehrbelastung durch Homeoffice inklusive Videokonferenzen hat es nicht in die Knie gezwungen. Das ist erfreulich. Ohne diese digitale Unterstützung hätte uns die Corona-Krise volkswirtschaftlich noch weit, weit mehr zugesetzt. Viel mehr Betriebe hätten zusperren müssen, noch deutlich mehr Menschen wären arbeitslos.

Umdenken in der "neuen Arbeitswelt"

Forderungen wurden bereits laut, dass diese „neue Arbeitswelt“ auch nach der Krise zumindest teilweise beibehalten werden solle – aus Klimaschutzgründen. Man müsse nicht quer über den Erdball fliegen, wenn eine Telekonferenz es auch tue. Absolut richtig. Allerdings muss im Gleichklang darüber debattiert werden, wie das Internet ökologischer werden kann.

Internet als riesiger Klimasünder

Faktum ist, dass das Internet ein riesiger Klimasünder ist. Der dahinterstehende Energieaufwand ist enorm – vielen ist das gar nicht bewusst. Die Menge an Strom, die die Server in den Rechenzentren von Google, Amazon, Microsoft, Netflix & Co benötigen, katapultiert die „Republik Internet“ unter die Top 5 der energiehungrigsten Länder der Welt. Die CO2-Belastung durch das Internet ist mittlerweile gleichzusetzen mit jener des gesamten weltweiten Flugverkehrs.

Positiv- und Negativbeispiele

Und das Internet wächst. Und wächst. Und wächst. Die Tech-Giganten sind sich des Problems bewusst. Zumindest teilweise. Manche setzen für die Energiebereitstellung in ihren Serverfarmen bereits auf Ökostrom . Der Greenpeace Report  "Click Clean" (allerdings aus 2017), erwähnt z.B. Google, Facebook, iTunes und YouTube als positive Beispiele. Negativ aufgefallen sind damals u.a. Netflix, Twitter und Spotify.

Alles nur Greenwashing?

Kritisch betrachtet ist allerdings auch die Ökostrom-Schiene nur Greenwashing . Denn der Strom wird lediglich bilanziell über Zertifikate als Grünstrom geführt. Rein physikalisch betrachtet lässt sich nicht sagen, mit welchem Strom die Server betrieben werden. Es kommt ganz darauf an, wo auf der Welt sie stehen. Rund zwei Drittel des global benötigten Stroms werden nach wie vor durch die Verbrennung von Kohle, Öl oder Gas erzeugt.

Wachsende Nachfrage, zu wenig Ökostrom

Der Weg zu mehr Grünstrom ist ein steiniger, nicht nur für die Internet-Firmen. Denn auch beim Strom gilt generell: Die globale Nachfrage wächst und wächst. Und sie kann nur teilweise durch zusätzlich produzierten grünen Strom befriedigt werden.

Energiefresser Video-Streaming

Am meisten Energie frisst übrigens das Streamen von Videos . Mit Abstand. Laut der Plattform "The Shift Project"  gehen rund 300 Millionen Tonnen CO² jährlich auf das Video-Streamen zurück. So viel emittiere etwa ganz Spanien in einem Jahr.

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