KONSUMENT.AT - Mehrweg-Produkte: Öko-Deppensteuer - Preisaufschlag: Gerechtfertigt oder Kunden-Nepp?

Mehrweg-Produkte: Öko-Deppensteuer

Kommentar von Redakteur M. Stingl

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KONSUMENT 8/2020 veröffentlicht: 30.07.2020

Inhalt

Ist es für Sie in Ordnung, für Mehrweg- und andere nachhaltige Produkte einen Öko-Aufschlag zu bezahlen?

Mehrweg ist wieder im Kommen. Nicht nur im Getränkebereich . Auch Drogerien testen die Kun­denakzeptanz von Nachfüllstationen. Bei dm z.B. sind es derzeit rund 30 Filia­len, in denen Bio-Wasch- und -Geschirr­spülmittel „getankt“ werden können. Wenn der Kundenzuspruch anhält, dann werde man auf rund 100 aufstocken, heißt es. Das wäre immerhin fast jede vierte Filiale.

Preislich schaut’s so aus: Einmalig muss ein Gebinde (1 bzw. 1,5 Liter) um 50 Cent gekauft werden, das „nahezu unendlich oft“ (O-Ton dm) wiederbefüllt werden kann. Die selbst abgefüllten Reinigungsmittel kosten etwas weniger als die fertig abgefüllten (die Produkte sind vergleichbar, aber nicht ident). Eine faire Sache.

Muss Mehrweg teurer sein?

Vor einiger Zeit poppte eine Aussendung einer international tätigen Unternehmensberatung in meinem E-Mail-Posteingang auf. Titel der Aussendung: „Nachhaltige Nach­füllstationen: Verschenken Drogerien Pricing-Potenziale trotz innovativer Produkte?“ Und weiter unten im Text: „Derzeit gibt es nur wenige vergleichbare Angebote und auch die Vergleich­barkeit mit den traditionellen Produkten ist aus Kundensicht nicht gegeben. Das bietet Möglichkeiten für clevere Preis­differenzierungen, die von den Kunden vermutlich akzeptiert würden.“

Dreiste Strategie des Handels

Heißt also: Der Handel darf ruhig ein bisschen dreister sein, wenn es darum geht, grüne Produkte zu bepreisen. Noch zugespitzter formuliert: Dieses Öko-Zeug ist momentan so zeitgeistig, das kann man ohne Weiteres mit einem kräftigen Aufschlag versehen. Keine Angst, das schlucken die Konsumenten schon, die wollen eh alle die Welt retten! Öko-Deppensteuer quasi.

Nachhaltig denken wird ausgenutzt

Mir ist rätselhaft, wie ich auf dem Mail­verteiler dieser Beratungsagentur ge­landet bin, aber gerne nehme ich den Ball auf und schreibe dem Handel ins Stammbuch: Von dieser „cleveren Preis­differenzierung“ lasst ihr bitte ja die Finger! Nachhaltig denkende Konsumen­ten schamlos zu schröpfen ist so ziem­lich das Letzte, was wir jetzt brauchen.

Markus Stingl, Redakteur


 

"Ist es für Sie in Ordnung, für Mehrweg- bzw. andere nachhaltige Produkte einen Öko-Aufschlag zu bezahlen? Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie mir!"

-KONSUMENT-Redakteur Markus Stingl

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