KONSUMENT.AT - Koffein gegen Haarausfall? - Besser Minoxidil oder Finasterid

Koffein gegen Haarausfall?

Kein Beweis für Wirksamkeit

Seite 1 von 1

KONSUMENT 8/2020 veröffentlicht: 30.07.2020

Inhalt

Dass Koffein-Shampoo und andere kosmetische Koffein-Produkte Frauen und Männer mit erblich bedingtem Haarausfall helfen, ist nicht bewiesen. Dazu liegen keine vertrauenswürdigen Studien vor.

Wir sagen: Die Beweislage ist unzureichend. KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend


Erblich bedingter Haarausfall (androgene­tische Alopezie) ist weit verbreitet. In Europa sind rund acht von zehn Männern über 70 Jahre davon betroffen sowie vier von zehn Frauen dieser Altersgruppe. Dass Männer deutlich häufiger Haarausfall haben, liegt am Geschlechtshormon Testosteron. Dieses kann die Haare am Wachsen hindern und den Haarausfall beschleunigen. Erblich bedingter Haarverlust ist keine Krankheit, gesund­heitlich nicht bedenklich und streng genommen „nur“ ein kosmetisches Problem. Aber natürlich kann der Haarverlust äußerst belastend sein.

Lässt sich die Glatze aufhalten?

Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, den Haarverlust zu stoppen bzw. das Haarwachstum anzuregen. Hersteller von Haarpflegeprodukten vertreiben Shampoos, Spülungen und Tonics, die Koffein enthalten. Die Substanz soll die Haarwurzeln anregen und Haare wieder sprießen lassen. Aber können Haarpflegeprodukte mit Koffein bei Männern und Frauen wirklich für mehr Haare am Kopf sorgen? Und zwar so, dass der Effekt auch erkennbar ist? Oder sind derartige Versprechen an den Haaren herbeigezogen? Unsere Kooperationspartner von medizin- transparent.at haben sich für uns die Studienlage genau angesehen.

Keine Studien an Frauen

Die Suche in wissenschaftlichen Daten­banken förderte sowohl Laborstudien als auch Studien an Testpersonen zutage. In den Laborstudien konnte zwar gezeigt werden, dass Koffein die Kopfhaut durchdringt und bis in die Haarwurzeln gelangt. Daraus lässt sich aber nicht automatisch schließen, dass es dort auch so wirkt, wie von den Herstellern versprochen. Dies wurde in sechs Studien an Männer mit erblich bedingtem Haarausfall untersucht – Studien an Frauen waren nicht auffindbar. In den Studienergebnissen ist von weniger Haarausfall und höherer ­Zufriedenheit durch Haarpflege­produkte mit Koffein die Rede. Alle sechs Arbeiten weisen jedoch erhebliche Mängel auf und sind alles andere als vertrauenswürdig.

Keine Kontrollgruppe

In zwei Studien wurde nur die Zufriedenheit der Teilnehmer nach der Anwendung eines Koffeinshampoos beurteilt. Dabei ­fehlte es an einer Kontrollgruppe, die kein Koffeinshampoo verwendete. In einer von einem Koffeinshampoohersteller finanzierten Studie gab es zwar eine Kontrollgruppe, doch sowohl die Teilnehmer als auch die ­Studienleiter wussten, wer welches Produkt verwendete. Ob Koffeinprodukte gegen Haarausfall wirken, kann anhand der vor­liegenden Ergebnisse deshalb nicht beantwortet werden.

Minoxidil oder Finasterid

Gegen erblich bedingten Haarausfall gibt es Substanzen, deren Wirkung besser erforscht ist als jene von Koffein. Minoxidil (zum Auftragen auf die Kopfhaut) oder Finasterid (als Medikament zum Schlucken) etwa hemmen nachweislich die Wirkung von Testosteron und damit den Haarausfall.

Lesen Sie mehr auf Medizin transparent: Koffein gegen Haarausfall

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Berichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Zusammenarbeit von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

Lesen Sie mehr auf www.medizin-transparent.at

 

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen