KONSUMENT.AT - Kunde König: VW-Skandal, Verpackungsmüll, Mogelpackung - Als die Autos lügen lernten

Kunde König: VW-Skandal, Verpackungsmüll, Mogelpackung

Köstliche Kostproben

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KONSUMENT 2/2021 veröffentlicht: 28.01.2021

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Kunde König: Augenzwinkern, Humor und ein wenig Ironie – eine Auswahl aus unserer früheren Rubrik zeigt: So manche Phänomene des Konsumenten-Alltags sind zeitlos.

Bis heute, lange nach seinem plötzlichen Tod, erhalten wir Fanpost für Alois Grasböck, den langjährigen Autor der früheren Rubrik "Kunde König“. Viele Leserinnen und Leser vermissen seine monatlichen Texte, die stets ein nachdenkliches Schmunzeln oder herzhaftes Lachen entlocken konnten. In der Leserpost gab es nur eine Kritik: "Der Herr Grasböck soll mal zum Friseur gehen!" Darüber konnte er selbst lächeln. "Dann lassen wir das Foto eben weg!", meinte er. Die für diesen Band ausgewählten Texte werden dazu beitragen, dass "Ali" Grasböck unseren Leserinnen und Lesern noch lange in Erinnerung bleibt. -

Hier: Alle "Kunde-König"-Artikel auf konsument.at

Im Folgenden drei seiner Texte:

Alois Grasböck über den VW-Skandal

Als die Autos lügen lernten. Kinder sind aufgeweckt und wissbegierig, deshalb beginnen sie in relativ ­jungen Jahren an der Echtheit von Nikolaus und Christkind zu zweifeln. So schlau bleiben im weiteren Leben leider nicht alle, sonst könnte es Erwachsenen nicht passieren, dass sie der durchsichtigsten Wahl­werbung glauben. Oder dass ihr Joghurt tatsächlich frisch gepflückte Früchte enthält. Die Leichtgläubigkeit lässt sich erstaunlich oft für dumm verkaufen, viele ­profitieren davon, aber man kann es auch übertreiben. Wie der VW-Konzern, der eine fantastische Geschichte aufgetischt hat. ­Bekanntlich hat die Firma ihren Autos das Lügen beigebracht, damit sie die wahren Abgaswerte nicht ausplaudern.

"Nur wenige Mitarbeiter"

Als der Schwindel aufflog, stellte sich ein VW-Boss hin und erklärte, daran seien „nur wenige Mitarbeiter“ beteiligt gewesen. Wollte man das glauben, müsste man es sich so vorstellen: In Momenten, in denen gerade keiner hingeschaut hat, haben einige wenige Mitarbeiter heimlich die Lügen-Software installiert. Weil sie das nur bei zirka elf Millionen Autos gemacht haben, ging es so blitzschnell, dass von den Chefs niemand etwas bemerken konnte. Da wär’s fast schon egal gewesen, wenn die Erklärung noch aber­witziger ausgefallen wäre, etwa so: Die ­Autos werden großteils von Robotern gebaut, und einer der Roboter war be­leidigt, weil ein Lackierer "Blechtrottel“ zu ihm ­gesagt hat. Aus Rache hat er die Software manipuliert und außerdem ein paar befreundete Roboter bei Audi, Seat und Skoda zur Sabotage angestiftet. Bei dieser Version wären gar keine Mitarbeiter beteiligt ge­wesen, aber so weit sind sie doch nicht ­gegangen. Und mittlerweile dürfte klar geworden sein, dass Ausflüchte kaum mehr nützen, wenn ein Skandal so heftig am Dampfen ist.

Sich selbst eine Panne zufügen

Zum Schaden kommt jetzt das Misstrauen. Was muss man bei Autos, die lügen können, sonst noch befürchten? Dass sie sich selbst eine Panne zufügen? Selbst wenn es das Christkind wirklich gäbe: So viel frisches Vertrauen, wie VW braucht, könnte es nicht bringen.

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