KONSUMENT.AT - Sparer nicht mehr willkommen - Sparen wird zum Verlust

Sparer nicht mehr willkommen

Unterm Kopfpolster?

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KONSUMENT 6/2021 veröffentlicht: 21.05.2021

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Das ehemals große Buhlen um Sparkunden hat sich bei Österreichs Banken ins Gegenteil gekehrt. Sparen lohnt sich nicht mehr, Alternativen sind rar gesät.

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Banken schließen Filialen

Die Zahl der Kreditinstitute und ihrer Filialen schwindet stetig. Jetzt hat sogar die Onlinebank ING Österreich den Rücken gekehrt. 430.000 Sparer müssen sich eine andere Bank suchen. Aber wer will sie überhaupt? Das ehemals große Buhlen um Sparkunden hat sich bei Österreichs Banken ins Gegenteil verkehrt. Insbesondere Anleger, die größere Beträge – also mehr als 100.000 Euro – auf ein Sparbuch legen wollen, werden entweder gleich abgelehnt oder müssen für das Geldanlegen sogar Zinsen zahlen.

Sparbuch für Enkel: 20 € Gebühr

Helmut Gregoritsch, ein Leser aus Wien, hat uns eine unrühmliche Erfahrung zugetragen. Er wollte bei seiner Hausbank, der Bank ­Austria, ein Sparbuch für sein Enkelkind eröffnen. Zu seiner Überraschung wurde ihm ­mitgeteilt, dass das 20 Euro koste. Der Bank sei es augenscheinlich egal, dass es sich bei seinem Enkelkind um einen zukünftigen Kunden handeln könnte. "Wahrscheinlich“, schlussfolgert Herr Gregoritsch etwas des­illusioniert, "sind Kunden für eine Bank nur mehr ein Ärgernis und ein Kostenfaktor, und ohne Kunden fallen keine Kosten an – das wäre vielleicht die Lösung."

Auslöser Finanzkrise

Vor der Finanzkrise 2008/09 war die Welt für die Sparer in Österreich noch in Ordnung. Eine große Anzahl von Banken, Sparkassen, Raiffeisenkassen, Volksbanken, Hypos und einige wenige Onlinebanken konkurrierten um die Gelder der Sparer. Die Zinsen konnten sich einigermaßen sehen lassen und brachten auch nach Abzug der Inflation noch einen kleinen Gewinn. Daran ist heutzutage nicht mehr zu denken. Kein einziges Sparbuch, das von den heimischen Banken und auch von ausländischen ­Online-Instituten in Österreich angeboten wird, deckt die Teuerungsrate auch nur ­annähernd ab.

Schuld daran ist die Staatsschuldenkrise, die unmittelbar nach der Finanzkrise ­begann. Die massive Überschuldung der ­südeuropäischen Länder führte die Staaten beinahe in den Bankrott. Die Europäische Zentralbank reagierte mit Finanzhilfen und der Senkung der Zinsen. Das machte die Schulden sozusagen billiger. Allerdings ­bedeutete das für die Sparer: Auch die Sparzinsen fielen dramatisch. Sie liegen nun nur noch minimal über null Prozent.

Spar-Geschäft wurde zum Verlust

Diese Nullzinspolitik macht den Banken schwer zu schaffen. Denn das Geld der ­Sparer geben sie zum einen an Kreditnehmer weiter, zum anderen legen sie es kurzfristig bei der Europäischen Zentralbank an, die den Banken dafür Zinsen verrechnet. Mit diesen Zinskosten dürfen die Banken die Sparer aber nicht belasten. Sie müssen ­ihnen laut Gesetz zumindest eine minimale Verzinsung zugestehen. Damit wurde das Spar-Geschäft für die Banken ein Verlust. Die Folge: Sie setzten den Sparstift an und schlossen Filialen - siehe Grafik nächste Seite. Einzelne Ausnahmen gibt es. So hat zum Beispiel die Oberbank in ­Wien neue Filialen eröffnet, auch die Bank für Kärnten und Steiermark (BKS) hat einige wenige neue Niederlassungen in Wien ­gegründet. „Aber ein paar Kilometer außerhalb der größeren Städte wird es für die Kunden schon trist. Dort gibt es im besten Fall noch eine Raiffeisenbank oder eine Sparkassenfiliale im Ort“, betont VKI-­Bankenexperte Bernd Lausecker.

 

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Kommentare

  • Sparer nicht mehr willkommen - Sonderbarer Experten Tipp
    von RDG1969 am 02.06.2021 um 12:13
    Soeben haben wir gelesen, dass das Sparkonto schon bald ausgedient haben könnte und schon 430.000 Sparer von der ING Bank gekündigt wurden. Und da gibt es den Experten Tipp:
    Bargeld als Liquiditätsreserve für unerwartete Ausgabe auf ein Sparkonto zu legen.
    Ich erwarte mir hier den Tipp: WO ich das "Bargeld" hingeben soll.
  • Aktien
    von Konsument 1964 am 31.05.2021 um 09:10
    Beim Safe ist wenigstens das Geld noch da, bei den Aktien kann alles flöten gehen. Ich bin ein Gegner von Wertpapieren. Für mich gibts nur Sparkonto und Bausparer.
  • Eher nicht zum Safe
    von Fogerty am 23.05.2021 um 18:52
    @Konsument 1964
    "Ich würde nicht zu Aktien raten, eher zum Safe"
    Da kann ich leider nicht zustimmen. Im Safe frisst Dir die Inflation das Geld weg, auch wenn Du in noch so gut versperrst :-)
    Auf Grund der hemmungslosen Geldruckerei die derzeit praktiziert wird, werden wir schon bald eine Inflationsrate jenseits der 3% erleben. Das heißt Dein Geld im Safe ist in 10 Jahren um 30% geschrumpft, in 20 Jahren hast Du schon 60% verloren oder noch mehr!
    Ein Safe zu Hause ist außerdem kein wirklich sicherer Schutz.
    Ein Safe in der Bank ist noch unsicherer, da der Staat im Krisenfall die Schließfächer plündert um zahlungsfähig zu bleiben, haben wir ja alles schon erlebt.
  • banken
    von fettblau am 22.05.2021 um 07:23
    man sollte nicht vergessen, dass vieles, was den finanzbereich angeht, nur noch über die banken abläuft. man denke hier an das gehalts.- oder pensionskonto bzw der auszahlung der arbeitslosengelder. man ist praktisch den banken ausgeliefert,leider.
  • Kann im Wesentlichen zustimmen
    von Konsument 1964 am 21.05.2021 um 12:50
    Ich würde nicht zu Aktien raten, eher zum Safe.
    Die BA ist an Kleinkunden nicht interessiert, deswegen bin ich zu einer anderen Bank gegangen, auch wenn die nicht der Traum ist. Ich war vorher bei der CA, dann kam jedoch die Zwangsfusion und die BA mag nur Reiche. Sparkonten bei zwei anderen Banken habe ich jedoch bekommen und bei der neuen Hausbank habe ich sowieso zwei. Von einer Bank, die früher besonders Zinsen zahlte, diese aber auf ein Minumum reduzierte und dauernd mit Änderungskündigungen droht, werde ich mich auch zurückziehen, wenn das letzte Sparbuch mit Sperrfrist abgelaufen ist, die tagesaktuellen habe ich abgeräumt und bei zwei Banken die o. a. Sparkonten eröffnet und die Beträge dort aufgeteilt.
    Dem Zwang zum Smartphone bin ich bis jetzt entgangen, fürchte aber, wegen des Zwangs zu Coronatests ohnehin eines kaufen zu müssen.
    Dabei ist man laut Gesetz NICHT verpflichtet, ein Telefon irgendeiner Art oder einen Computer zu besitzen. Das wird immer mehr, auch von öffentlichen Stellen, ausgehebelt.
    Und ich habe einmal von einer Konsumenten"schützerin" (nicht dem VKI) sinngemäß folgende Antwort erhalten: Ich habe an sich Recht, aber Banken können machen, was sie wollen