OBJEKTIV UNBESTECHLICH OHNE WERBUNG
veröffentlicht am 13.09.2010

     Was Konsumenten alles zugemutet wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: Eine Kohlgemüsemischung von Iglo, die per Hochseeschiff angekarrt wird.
Iglo: 3 Rosen-Mischung (Bild: VKI/K. Schreiner)

Iglo: 3 Rosen-Mischung (Bild: VKI/K. Schreiner)

Iglo 3 Rosen-Mischung: Herkunftsangabe (Bild: VKI/K. Schreiner)

Iglo 3 Rosen-Mischung: Herkunftsangabe (Bild: VKI/K. Schreiner)

Das steht drauf: Iglo 3 Rosen-Mischung

Gekauft bei: fast überall erhältlich

Das ist drin

„3 Rosen-Mischung“ nennt sich ein Tiefkühlgemüse von Iglo, das aus Brokkoli, Karfiol und Romanesco (grüner Karfiol) besteht. Nach einem eher zufälligen Blick auf die Verpackung lag einer Konsument-Leserin der Kohl gleich einmal schwer im Magen: „Nachdem ich aus der 3 Rosen-Mischung von Iglo die letzte Portion entnommen und die Packung glatt gestreift hatte, las ich: Erzeugt in Ecuador. Diese drei Gemüse (Brokkoli, Karfiol und Romanesco) müssen wir importieren? Dazu kommt noch der aufgedruckte Hinweis: Iss was Gscheit’s! Ich fühle mich gefrotzelt.“

Auch in uns rumorte es kräftig, als wir uns das Produkt vornahmen. Wir baten den Tiefkühlspezialisten um Aufklärung. Das Wichtigste zuerst: Diese Mischung kommt tatsächlich aus Ecuador. Weil Böden und Klima für den Anbau optimal sind, wie es in der Stellungnahme an uns heißt. Und weil die Löhne für die Arbeiter, die die Gemüse von Hand schneiden und selektieren im Vergleich zum hiesigen Niveau vermutlich konkurrenzlos niedrig sind. Natürlich hätte man sich bemüht, so Iglo im Schreiben an uns, Brokkoli und Co. auch aus Österreich zu beziehen: „Wir haben immer wieder versucht, die örtliche Landwirtschaft zu entsprechenden Versuchen zu bewegen. Leider sprachen Anbaukonzept und Struktur der ansässigen bäuerlichen Betriebe immer dagegen.“

Was sonst noch alles dagegen sprach, kann man sich denken. Unterm Strich bleibt: Selbst Gemüse, bei dem man es nie vermuten würde, reist um den halben Globus, bevor es bei ums im Tiefkühlregal landet.

Reaktionen

Was Iglo dazu sagt, dass einheimisches Gemüse aus Südamerika importiert wird.

„Grundsätzlich ist es für uns unabdingbare Voraussetzung unseren Konsument/innen immer gleichbleibend hohe Qualität und das rund ums Jahr bieten zu können. Diese Qualität zeichnet die 3 Rosen-Mischung - bestehend aus Brokkoli, Karfiol und Romanesco - aus Ecuador aus. Dazu ein paar Fakten:
Bodenfruchtbarkeit und – gesundheit sind in Ecuador hervorragend bzw. sogar besser als in vielen europäischen Anbaugebieten; deshalb, weil der nährstoffreiche, vulkanische Boden zum Beispiel noch nicht so lange für den Brokkoli-Anbau genutzt wird; somit ist die Nährstoffversorgung von Natur aus sehr gut; der fruchtbare Boden ist somit reich an bio-aktiven Mineralstoffen und Spurenelementen; bodenbürtige Pilzkrankheiten wie z.B. Kohlhernie, die in Europa weit verbreitet sind, sind in Ecuador unbekannt; gleichzeitig sind die angebauten Mengen aber auch nicht so groß, dass sie die biologische Vielfalt im Andenhochland beeinträchtigen würden.   
Die langsame Reife im kühlen Hochlandklima von 2.500-3.000 m Seehöhe mit gemäßigten Durchschnittstemperaturen bei hoher Sonneneinstrahlung (fördert auch die Antioxidantien-Bildung) ist für den Anbau von Brokkoli & Co einfach ideal.  

Brokkoli, Karfiol und Romanesco werden – wie bei allen Iglo Gemüsen üblich – zum optimalen Zeitpunkt geerntet und zwar wie es für Brokkoli, Karfiol und Romanesco am besten ist, von Hand – handgeschnitten und handselektiert. Dann werden Brokkoli & Co erntefrisch verarbeitet – im Prinzip genauso wie es im Marchfeld beispielsweise mit dem Iglo Spinat passiert – nämlich innerhalb von Stunden, in einem Verarbeitungsbetrieb, der in unmittelbarer Nähe zu den Feldern gelegen ist.  

Falls eine Bewässerung bei einer Luftfeuchtigkeit über 70 % überhaupt nötig ist, erfolgt diese mit entsprechend sauberem Wasser. Zumeist ist ohnehin der natürliche Niederschlag ausreichend. Der Standort wird in regelmäßigen Abständen durch von Iglo selbst durchgeführte Audits geprüft. Besonderes Augenmerk wird dabei auf gute landwirtschaftliche Praxis sowie entsprechende Nachhaltigkeitsmaßnahmen gelegt. Maßgeblich sind hierbei zehn Indikatoren (Beginnend bei Bodenfruchtbarkeit, Vermeidung von Bodenerosion, der Einsatz von Wasser und Energie, Pflanzenschutzmaßnahmen bis hin zu sozialer Verantwortung wie z.B. das Verbot von Kinderarbeit, der Einsatz von sozial gerechten Arbeitszeiten und Löhnen).  Selbstverständlich könnte man nun einwenden, dass das ja alles gut und schön ist, aber wenn nun die gute 3 Rosen-Mischung übers weite Meer transportiert wird, kann das wohl klimatechnisch nur problematisch sein. Mit diesem Aspekt beschäftigen wir uns natürlich auch – und das seit langer Zeit. Weil unser Grundsatz ist, alles Gemüse, das wir nur irgendwie vernünftig aus dem Marchfeld beziehen können, auch tatsächlich von dort zu beziehen (leicht erkenntlich am entsprechend deutlich auf der jeweiligen Packung angebrachten Marchfeld-Hinweis; bei Gemüsen, die nicht aus dem Marchfeld bezogen werden, gibt es klarerweise diesen Hinweis nicht), haben wir auch immer wieder versucht, die örtliche Landwirtschaft zu entsprechenden Versuchen zu bewegen.

Leider sprachen Anbaukonzept und Struktur der ansässigen bäuerlichen Betriebe immer dagegen. Wir bemühen uns aber nach wie vor und starten zum Beispiel dieses Jahr im Burgenland neuerlich Versuche. Für die Versorgung heute heißt dies aber, dass wir für die 3 Rosen-Mischung nicht auf Gemüse aus lokaler Herkunft zugreifen können. Bleibt somit die Frage des Transports von weit her. Dazu ist anzumerken, dass es beim Transport nicht unbedingt auf die zurückgelegten Kilometer ankommt, sondern es vor allem darum geht, wie effizient dies erfolgt – also mit welchem Transportmittel und welcher Beladung – so die gängige Expertenmeinung.

Dazu gibt es auch ein recht anschauliches Beispiel: Beim Transport von Turnschuhen aus Fernost mit dem Schiff – immerhin 18.000 km – werden pro Paar in etwa 350 g CO² ausgestoßen. Bringt man dieselben Schuhe aus dem Sportgeschäft mit dem Auto nach Hause – sagen wir 20 km – beträgt der CO²-Ausstoß bereits 3.500 g. Aufgrund der immensen Transportleistung und guter CO²-Bilanz eines Hochseeschiffes wird dieser Transport  – wie er auch bei unserer erntefrisch tiefgefrorenen 3 Rosen-Mischung aus Ecuador erfolgt – daher als sehr umweltschonend beurteilt. Dazu kommt, dass eine Transportbilanz zu erstellen, nur ein Teil einer Quantifizierung der Nachhaltigkeit von Produkten sein kann. Für eine entsprechend sinnvolle umfassende Beurteilung sind auch weitere Bewertungskriterien heranzuziehen wie z.B. die Berücksichtigung wie viel Wasser für die Produktion verbraucht wird – der sogenannte Water footprint – wie die Landnutzung passiert und wie viel erneuerbare und nicht erneuerbare Ressourcen bei der Herstellung zum Einsatz gelangen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen unsere Überlegungen bzw. die Hintergründe, die dem Einsatz von bestem Brokkoli, Karfiol und Romanesco aus Ecuador für die Iglo 3 Rosen-Mischung zu Grunde liegen, verdeutlichen konnten.“

Iglo Konsumentenservice
24.8.2010

Wir meinen: Gemüse, das auch bei uns problemlos wächst, um den halben Erdball zu karren, ist mit nichts zu rechtfertigen. Sonst ist es bald nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Tiefkühlspinat aus Übersee kommt.