KONSUMENT.AT - Früchtetee - Teebeutel aufgeschnitten

Früchtetee

Ausschuss im Beutel

Seite 2 von 10

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 12/2010 veröffentlicht: 24.11.2010

Inhalt

Früchtetee wird im österreichischen Lebensmittelbuch (Codex) als teeähnliches Erzeugnis definiert, das Pflanzenteile enthält, "die getrocknet, fermentiert oder geröstet zur  Zubereitung wässriger Aufgüsse verwendet werden“. Basis aller Früchtetees ist eine Grundmischung aus Hagebutte, Hibiskus und Apfel in unterschiedlichem Mengenverhältnis. Die Hagebutten sorgen für einen fruchtig-sauren Grundton.

Der Hibiskus, keine Frucht, sondern eine Blüte aus der Familie der Malvengewächse, gibt dem Tee seine kräftig rote Farbe und enthält ebenfalls viel Fruchtsäure. Die Apfelbestandteile mit ihrer mild-süßlichen Note runden den Geschmack ab. Beigemischt werden Orangenschalen, häufig auch Brombeerblätter. Dazu kommen oft noch andere getrocknete Früchte und Gewürze.

Unterm Mikroskop

Wie gut ist die Qualität der angebotenen Produkte, welchen Früchtetee können Sie unbesorgt aufgießen? Um das herauszufinden, schnitten wir Teebeutel um Teebeutel auf. Mit Analysesieben trennten wir die Bestandteile jedes Teehäufchens nach Größe. Dann kamen Präpariernadel und Stereomikroskop (ein spezielles Lichtmikroskop) zum Einsatz. Beurteilt wurden nur Partikel, die bis zum feinsten Sieb – Maschenweite 0,71 mm (ja, das gibt es) – zurückgehalten wurden. Wir wollten wissen: Ist alles drin, was auf der Zutatenliste steht? Wo gibt es Abweichungen? Welche Qualität haben die verwendeten Bestandteile? Kommen Verunreinigungen vor? Werden Granulate, eine Art Pellets aus gepressten Fruchtanteilen, eingesetzt?

KONSUMENT-Test  Früchtetee: Hibiskusgranulat und Erdbeeraroma (Bild: VKI/Schreiner)
Obst auf der Verpackung, im Beutel Granulat bzw. Aroma: In vielen Tees fanden wir gepresste Fruchtanteile und Aromakügelchen. - Hibiskusgranulat (im Bild links) und Erdbeeraroma (Bild rechts - Bilder: VKI)


Zutaten gesucht

Alle untersuchten Tees enthalten Hagebutte und Hibiskus. Dazu kommen bei fast allen Produkten Apfelbestandteile, was der üblichen Grundmischung für Früchtetees entspricht. Wir gingen weiter ins Detail, schauten durchs Mikroskop, zählten, wogen, verglichen und stellten verblüfft fest: Nicht alle Erzeuger füllen jene getrockneten Früchte in ihre Teebeutel, die sie auf der Verpackung versprechen. Viele halten sich nur teilweise, manche überhaupt nicht an die Angaben in der jeweiligen Zutatenliste. Einige geben Inhaltstoffe an, die wir trotz aller Sorgfalt nicht entdecken konnten. So fahndeten wir im Früchte-Tee von Basic und im Beerenzauber von Teekanne vergebens nach den versprochenen Holunderbeeren. Beim Brombeer-Himbeer-Tee von Spar waren sowohl die ausgelobten Brombeeren als auch die Himbeeren unauffindbar, um nur einige Beispiele zu nennen.

Trester statt Apfel

Wie sieht es mit der Qualität der Hauptbestandteile aus? Hier nahmen wir uns Apfel und Hagebutte genauer vor. Die Qualität der in den Tees enthaltenen Apfelbestandteile ist äußert variabel, um es einmal vornehm auszudrücken. Statt der auf der Packung ausgelobten Äpfel bzw. Apfelstücke fanden wir des öfteren nur Apfeltrester. Das ist ein Reststoff aus der Apfelsaftherstellung; man könnte auch Abfall dazu sagen. Wir meinen, dass es sich dabei um eine qualitätsmindernde Zutat handelt, und lehnen das als Verbrauchertäuschung ab. Welche Produkte überwiegend Apfeltrester enthalten, erkennen Sie am Urteil "nicht zufriedenstellend" in der Tabellenspalte "Apfelqualität“.

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
11 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Herkunft
    von REDAKTION am 30.11.2010 um 16:38
    Wir haben für diesen Test die Herkunft der Rohstoffe nicht erhoben. Es findet sich auch auf der Verpackung der von uns untersuchten Charge kein Hinweis auf die Herkunft. Für Bio-Produkte gelten seit 1. Juli 2010 allerdings neue Kennzeichnungsbestimmungen, die die Hersteller zur Angabe der geographischen Herkunft verpflichten. Und das bedeuten die einzelnen Bezeichnungen: „EU-Landwirtschaft“: Die landwirtschaftlichen Ausgangsstoffe (mind. 98 %) werden in der EU erzeugt. „Nicht-EU-Landwirtschaft“: Die landwirtschaftlichen Ausgangsstoffe werden in Drittländern (Nicht-EU) hergestellt. .„EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“: Die landwirtschaftlichen Ausgangsstoffe werden in der EU und in Drittländern erzeugt. „Österreichische Landwirtschaft“: Die landwirtschaftlichen Ausgangsstoffe (mind. 98 %) stammen aus Österreich. Diese Bezeichnung ist analog auch für andere Länder möglich. Es gibt jedoch Übergangsbestimmungen. So darf z.B. altes Verpackungsmaterial aufgebraucht werden. Nach der Umstellung auf neues Verpackungsmaterial muss dann entsprechend gekennzeichnet werden. Ihr Konsument-Redaktionsteam
  • Herkunft
    von oxalis960 am 30.11.2010 um 11:39
    Kannetwas über die Herkunft der Inhaltsstoffe von Bio Primo Tee gesagt werden?