KONSUMENT.AT - Kaffeeanbieter - Funktionelle Sklaverei in Brasilien

Kaffeeanbieter

Das ist bitter!

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KONSUMENT 7/2014 veröffentlicht: 25.06.2014, aktualisiert: 03.07.2014

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     Bruno Arnelli Lopes, Kontrollorgan des brasilianischen Arbeitsministeriums: Wir versuchen, so viele Inspektionen wie möglich durchzuführen.“ Doch in Zona Mata in Minas Gerais kommen zwei Auditoren auf 63.000 Farmen (Bild: Pictures Brazil)
Bruno Arnelli Lopes,
Kontrollor:
"Wir versuchen,
so viele Inspektionen
wie möglich
durchzuführen."

Funktionelle Sklaverei in Brasilien

Anders, jedoch um nichts besser, die Ver­hältnisse in Brasilien, dem bei weitem größten Kaffeeproduzenten der Welt. Kleinbauern sind dort eher selten, der Markt wird beherrscht von Kaffeefarmen, die die Arbeitskräfte in deren Dörfern auflesen, sie auf Lastwagen zusammenpferchen und kilometerweit zur Plantage transportieren.

Hier arbeiten sie den ganzen Tag ohne Kontakt zu anderen. Von Beginn an sind sie verschuldet, weil sie für Quartier und Verpflegung zahlen müssen – funktionelle Sklaverei nennt man das.

Keine Wahlmöglichkeit 

Sie sind schlecht gebildet und so arm, dass sie sich vorrangig um ihre nächste Mahlzeit kümmern müssen. Dass sie keinen Arbeitsvertrag haben, keine Schutzbekleidung bekommen, viele sogar barfuß und ohne Handschuhe in einer durch massiven Pestizideinsatz verseuchten Umwelt arbeiten müssen und ­irgendwann einmal an Krebs erkranken werden – darum können sie sich nicht kümmern.

2 Kontrolleure für 63.000 Farmen

Die brasilianische Regierung ist sich dessen bewusst. Sie führt deswegen auch Inspektionen durch. Doch Bruno Arnelli Lopes vom Arbeitsministerium stellt eine einfache Rechnung auf: In einem Gebiet in Minas Gerais müssten beispielsweise zwei Kontrolleure 63.000 Farmen innerhalb von drei, vier Monaten inspizieren: Macht 500 Betriebe pro Tag!

        Juares Campos ist eines der Opfer der neuen „Partnerschafts“-Verträge in Brasilien: Sein Arbeitgeber erspart sich damit die Kosten für Unterkunft, Schutzbekleidung und Toiletten (Bild: Pictures Brazil)
Juares Campos, "Partner":
Sein Arbeitgeber erspart
sich die Kosten für Unterkunft,
Schutzbekleidung und Toiletten.

Partnerverträge: glatter Betrug ...

Dennoch haben die Plantagenbesitzer darauf reagiert. Als Arbeitgeber von Saisonarbeitern müssten sie für Unterkunft, Schutzbekleidung, Hygieneeinrichtungen und sauberes Wasser sorgen.

Seit rund 10 Jahren gehen viele Grundstückeigentümer aber dazu über, den Arbeitern einen "Partnerschaftsvertrag" anzubieten, die Erträge sollen halbe – halbe geteilt werden. Juares Campos ist einer dieser "Partner".

... statt halbe - halbe

"Der Eigentümer sagte, ich könnte all die Früchte, die ich auf dem mir zugeteilten Land anbaue ("meiner Hälfte"), für mich verwenden. Doch nach der Ernte kam er und verlangte die Hälfte davon."

Die Gewerkschaft hält dies für glatten Betrug. Die Partnerschaftsverträge seien nur dazu da, sie den Inspektoren vor die Nase zu halten. In Wahrheit blieben die Arbeiter Taglöhner.

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Kommentare

  • Segafredo
    von pblazek am 04.11.2014 um 12:27
    Wenn eine Zertifizierung nur zu PR-Zwecken dient, was ist dann erst von einer Selbstdarstellung zu halten, die von keiner Seite bestätigt werden kann? Eine Zertifizierung durch eine unabhängige Organisation sollte heute selbstverständlich sein. Wer glaubt, ohne eine solche auszukommen, muss auf andere Weise belegen, dass er soziale und ökologische Mindeststandards einhält. Über Segafredo sind keine diesbezüglichen Informationen verfügbar. Ihr Konsument-Team
  • Kommentar von Segafredo
    von Thallingerm am 03.11.2014 um 22:43
    Guten Tag, vielen Dank für Ihr Mail, wir sind für alle Anregungen und Fragen unserer Kunden dankbar. Zu unserem Bedauern war der Artikel im Konsument nicht genau recherchiert. Segafredo Zanetti bzw. unsere Muttergesellschaft die Massimo Zanetti Beverage Group ist der einzige Kaffeeanbieter, der über eigene Anbauflächen verfügt. Wir besitzen eine Plantage in Brasilien, die „Nossa Senhora da Guia“, zudem Anbauflächen in Costa Rica (http://www.mzb-group.com/en/activities/roasted-coffee-roasting-plants/dettaglio/cafe-montana), Honduras und Hawaii (http://www.mzb-group.com/en/activities/roasted-coffee-roasting-plants/dettaglio/kauai-coffee ). Auf diesen Plantagen verfolgt Massimo Zanetti, unser Eigner, seine eigene Nachhaltigkeitspolitik. Die Arbeiter sind fix ganzjährig angestellt, verdienen sehr gut, für Unterbringung, Kost und Arbeitskleidung ist gesorgt. Es gibt eine medizinische Versorgung sowie eine Schultransport für die Kinder der Plantagenmitarbeiter. Dieses Engagement ist ein persönliches Anliegen unseres Eigentümers, der sich den Arbeitern auf unseren Anbauflächen verpflichtet fühlt. Daher wird es auch keine kostenintensive, aber lediglich zu PR-Zwecken dienende Zertifizierung unserer Plantagen geben. Um sein soziales Engagement noch besser koordinieren zu können, hat Herr Zanetti die Fondazione Zanetti Onlus gegründet (http://www.fondazionezanetti-onlus.org/en/), die humanitäre Projekte in Südamerika und Afrika fördert.
  • Meinl
    von REDAKTION am 30.06.2014 um 14:57

    Es handelt sich um einen internationalen Gemeinschaftstest, nationale Kaffeeanbieter konnten nur zum Teil berücksichtigt werden. Aus Kostengründen haben wir uns entschlossen, nur die bedeutendsten Anbieter auf dem heimischen Markt mittesten zu lassen. Wir bitten um Verständnis.

    Ihr Konsument-Team

  • kaffeetest
    von DorisG am 28.06.2014 um 10:20
    frage: wieso wurde meinl kaffee nicht erwähnt????