KONSUMENT.AT - Kaffeeanbieter - Testkriterien

Kaffeeanbieter

Das ist bitter!

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KONSUMENT 7/2014 veröffentlicht: 25.06.2014, aktualisiert: 03.07.2014

Inhalt

Testkriterien

Die Untersuchung wurde im Rahmen einer internationalen Kooperation durchgeführt. Daneben fanden zwei Felduntersuchungen durch die dänische Organisation Danwatch in Äthiopien und Brasilien statt. Im Fokus: soziale und ökologische Aspekte bei der Rohkaffeegewinnung. Ausgewählt wurden international tätige Markenfirmen, die (zumindest auch) Kaffee für private Haushalte anbieten.

Fragebogen, Unterlagen, Field-Studies

Die Untersuchung basiert auf einer Erhebung mittels Fragebogen und einer Analyse von Sekundärmaterial. Im Fragebogen wurden umfassende Kriterien zur gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung (CSR) abgefragt. Sekundäre Quellen waren die interne Dokumentation der Unternehmen, Jahresberichte, Untersuchungsberichte sowie Interviews mit Experten und Stakeholdern.

Außerdem führten Reporterteams von Danwatch Field-Studies (Vor-Ort-Untersuchungen) in Äthiopien und Brasilien durch. Eine direkte Zuordnung von Zulieferfirmen zu bestimmten Marken war nicht möglich.

Erhebungszeitraum: Dezember 2013 bis März 2014.

So wird beurteilt

Die Erfüllung jedes einzelnen Kriteriums wird in 5 Abstufungen beurteilt – von "umfassend erfüllt" bis "unzureichend erfüllt."
Zusätzlich wird eine Gewichtung durchgeführt: Je nach Nachweisbarkeit der zur Verfügung stehenden Informationen werden die Beurteilungen der Einzelkriterien mit einem Faktor zwischen 0 und 1 gewichtet. Gibt es seriöse Quellen, die den Angaben klar widersprechen, so wird mit Faktor 0 gewichtet, d.h. das Kriterium gilt als nicht erfüllt. Gibt es keine Belege (Dokumentation, Reports, Experteninterviews) für die eigenen Angaben des Unternehmens, wird mit Faktor 0,5 gewichtet. Nur wenn die Angaben zur Gänze bestätigt werden können, gehen sie mit vollem Gewicht (Faktor 1) in die Bewertung ein.

Dargestellt werden die Gruppenurteile und das Gesamturteil in einer fünfstufigen Skala von A bis E. Stufe A bedeutet, dass zumindest 80 Prozent aller Kriterien erfüllt sein müssen; E am anderen Ende der Skala steht für ein Ergebnis, bei dem unter 20 Prozent der Kriterien erfüllt wurden.

Die Kriterien im Einzelnen (Auswahl):

Soziales

Sozialpolitik: Menschenrechtspolitik inkl. Arbeitnehmerrechte (ILO-Konventionen).
Praxis im Unternehmen: Umsetzung innerhalb des Unternehmens; Erfassung von und Umgang mit Menschenrechtsverletzungen, Präventionsmaßnahmen.
Anforderungen an die Lieferanten: freiwilliger Verhaltenskodex, Verpflichtung zur Einhaltung internationaler Standards (UN Global Compact, SAI, OECD Guidelines, …). Maßnahmen zur Einhaltung von Mindeststandards.
Monitoring der Lieferanten: Durchführung von Sozial-Audits, Beauftragung von unabhängigen Sozial-Audits, Corrective Action Plan (Plan zur systematischen Durchführung von Korrekturmaßnahmen), Ausstiegs-Prozedere für den Fall, dass der Lieferant Missstände nicht abstellt.

Umwelt

Umweltpolitik: Gibt es eine schriftlich festgehaltene Umweltpolitik? Grundsätze, öffentliche Bekenntnisse, Verpflichtung zur Einhaltung internationaler Standards (UN Global Compact, EMAS, SAI), Leitlinien für die Wertschöpfungskette, Managementsysteme, Öko-Design der Produkte, quantitative und qualitative Ziele.
Praxis im Unternehmen: Umsetzung innerhalb des Unternehmens; Einbeziehung und Training der Beschäftigten. Anreizysysteme zu umweltgerechtem Verhalten.
Anforderungen an die Lieferanten: umweltrelevante Beschaffungsrichtlinien, Definition von Mindeststandards, spezifische Anforderungen bezüglich Abforstung, Bodenerosion, Pestizideinsatz, Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Abfallbehandlung.
Monitoring der Lieferanten: regelmäßiges Monitoring, interne und externe Überprüfungen, schriftliche Bestätigung der Einhaltung, Durchführung von Umweltaudits bei neuen Zulieferern vor Auftragserteilung.

Stakeholder-Engagement

Dialogbereitschaft: Information und Konsultation von Organisationen der Zivilgesellschaft, Interessengruppen der Gemeinde, indigenen Gemeinschaften, ...
Unterstützung des Gemeinwesens: Unterstützung der Gemeinden im Umfeld von Plantagen und Kaffeefarmen – Programme zur Verbesserung von Qualität und Produktivität, Entwicklungsprogramme, Projekte zur Steigerung der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, Spenden, ...

Transparenz

Teilnahme an der Untersuchung: Bewertung der retournierten Fragebögen in Bezug auf Vollständigkeit, Zusatzangaben, Unterlagen.
Öffentliches Berichtswesen: Vorliegen von Nachhaltigkeitsreports, regelmäßiges Erscheinen, Informationstiefe, Informationsbreite.

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
14 Stimmen
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Kommentare

  • Segafredo
    von pblazek am 04.11.2014 um 12:27
    Wenn eine Zertifizierung nur zu PR-Zwecken dient, was ist dann erst von einer Selbstdarstellung zu halten, die von keiner Seite bestätigt werden kann? Eine Zertifizierung durch eine unabhängige Organisation sollte heute selbstverständlich sein. Wer glaubt, ohne eine solche auszukommen, muss auf andere Weise belegen, dass er soziale und ökologische Mindeststandards einhält. Über Segafredo sind keine diesbezüglichen Informationen verfügbar. Ihr Konsument-Team
  • Kommentar von Segafredo
    von Thallingerm am 03.11.2014 um 22:43
    Guten Tag, vielen Dank für Ihr Mail, wir sind für alle Anregungen und Fragen unserer Kunden dankbar. Zu unserem Bedauern war der Artikel im Konsument nicht genau recherchiert. Segafredo Zanetti bzw. unsere Muttergesellschaft die Massimo Zanetti Beverage Group ist der einzige Kaffeeanbieter, der über eigene Anbauflächen verfügt. Wir besitzen eine Plantage in Brasilien, die „Nossa Senhora da Guia“, zudem Anbauflächen in Costa Rica (http://www.mzb-group.com/en/activities/roasted-coffee-roasting-plants/dettaglio/cafe-montana), Honduras und Hawaii (http://www.mzb-group.com/en/activities/roasted-coffee-roasting-plants/dettaglio/kauai-coffee ). Auf diesen Plantagen verfolgt Massimo Zanetti, unser Eigner, seine eigene Nachhaltigkeitspolitik. Die Arbeiter sind fix ganzjährig angestellt, verdienen sehr gut, für Unterbringung, Kost und Arbeitskleidung ist gesorgt. Es gibt eine medizinische Versorgung sowie eine Schultransport für die Kinder der Plantagenmitarbeiter. Dieses Engagement ist ein persönliches Anliegen unseres Eigentümers, der sich den Arbeitern auf unseren Anbauflächen verpflichtet fühlt. Daher wird es auch keine kostenintensive, aber lediglich zu PR-Zwecken dienende Zertifizierung unserer Plantagen geben. Um sein soziales Engagement noch besser koordinieren zu können, hat Herr Zanetti die Fondazione Zanetti Onlus gegründet (http://www.fondazionezanetti-onlus.org/en/), die humanitäre Projekte in Südamerika und Afrika fördert.
  • Meinl
    von REDAKTION am 30.06.2014 um 14:57

    Es handelt sich um einen internationalen Gemeinschaftstest, nationale Kaffeeanbieter konnten nur zum Teil berücksichtigt werden. Aus Kostengründen haben wir uns entschlossen, nur die bedeutendsten Anbieter auf dem heimischen Markt mittesten zu lassen. Wir bitten um Verständnis.

    Ihr Konsument-Team

  • kaffeetest
    von DorisG am 28.06.2014 um 10:20
    frage: wieso wurde meinl kaffee nicht erwähnt????