Kürbiskernöl

Von wegen steirisch!

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KONSUMENT 6/2012 veröffentlicht: 24.05.2012, aktualisiert: 28.06.2012

Inhalt

Testkriterien: Laienverkostung und Herkunftsbestimmung

Im Test: 30 Kürbiskernöle aus Supermärkten und Bioläden. Zwei Produkte wurden direkt beim Erzeuger eingekauft. Untersucht wurde die Herkunft, also woher die Rohware für das jeweilige Kernöl kommt. Alle Öle wurden zudem auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln – Pestizidrückstände – untersucht. Um Aussagen über Geruch und Geschmack der Öle treffen zu können, wurde eine Verkostung mit Laien durchgeführt.

Herkunft. Die Herkunftsanalyse des Kürbiskernöls wurde von der Montanuniversität Leoben durch die Bestimmung Seltener Erden durchgeführt. Die dort entwickelte Methode zur Identifizierung der geografischen Herkunft von Kürbiskernen bzw. den daraus gepressten Ölen beruht auf Fingerprints von Elementspuren. Kurz gefasst besteht die Analyse aus folgenden Schritten: Kürbiskernöl (ca. 1 g) wird mit konzentrierter Säure in einem Hochdruckverascher aufgeschlossen (Bestandteile werden in Lösung und Gas umgewandelt). Die Probenlösungen werden danach mit einem hochempfindlichen Messgerät (ICP-MS = Induktiv gekoppeltes Plasma-Massenspektrometer) auf die Konzentrationen von Elementspuren analysiert.

Die ermittelten Daten werden statistisch mittels mathematischer Modelle ausgewertet und die Proben entsprechend ihrer geografischen Herkunft klassifiziert. Die Modelle beruhen auf bekannten Proben, die in eine Datenbank aufgenommen wurden. Es wurde nur zwischen österreichischer und ausländischer Herkunft unterschieden, wobei im Modell für ausländische Proben nur russische und chinesische Proben enthalten sind. Eine weitere Differenzierung der Herkunft ist daher nicht möglich.

Pestizidrückstände. Alle Öle wurden mit den massenspektrometrischen Verfahren GC-MSD, GD-µECD und LC-MS/MS auf Pflanzenschutzmittel untersucht. Die Bestimmungsgrenzen liegen zwischen 0,005 und 0,020 mg/kg (erweiterte Messunsicherheit +/– 50 % gemäß Document. No. SANCO/12495/2011). Zudem wurde geprüft, ob die Proben der Verordnung (EG) 396/2005 in der aktuellen Umsetzung (Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs) sowie ob die Bio-Produkte den Vorgaben des Österreichischen Lebensmittelbuchs Kapitel A8 (BIO) entsprechen.

Die Untersuchung auf Pestizide liefert zusätzliche Indizien zur Herkunft der Öle und sichert damit die Herkunftsanalyse ab. Bestimmte Pestizide wie Trifluralin, Malathion und Isofenphos-methyl sind weder in Österreich zugelassen noch als Rückstand – vor allem in g.g.A.-Gebieten – üblich. Endosulfan darf in Österreich ebenfalls nicht verwendet werden. Es findet sich häufig in Kürbiskernen aus China. Eine akute Referenzdosis (Menge einer Substanz, die ein Mensch innerhalb eines Tages ohne erkennbares Gesundheitsrisiko aufnehmen kann) spielt bei Kürbiskernöl keine Rolle, da die Verzehrmengen bei sensiblen Verbrauchergruppen (Kinder) doch recht gering sind.

Verkostung. Sie wurde durch das VKI-Laienpanel durchgeführt. Die Beurteilung von Aussehen, Geruch, Konsistenz, Geschmack und das Gesamturteil erfolgte nach dem Schulnotensystem. Weiters wurden Aussehen (dunkel, rötlich-grün), Geruch (nussig, röstig, intensiv, modrig-dumpf), Konsistenz (dickflüssig) und Geschmack (mild, nussig, röstig, bitter, Fremdgeschmack) anhand einer 5-stufigen Skala (sehr zutreffend – nicht zutreffend) bewertet. Zudem wurde abgefragt, ob die Konsumenten das Öl kaufen würden (ja, nein).

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
110 Stimmen
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Kommentare

  • Irreführung
    von REDAKTION am 31.05.2012 um 14:58

    Die Juristen aus unserer Rechtsabteilung bleiben an diesem Thema natürlich dran.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Auswahl der Öle
    von REDAKTION am 31.05.2012 um 14:49

    Wir versuchen bei unseren Tests, eine möglichst große Marktabdeckung zu erreichen. Natürlich würden wir gerne auch Produkte direkt vom Kernölbauern unter die Lupe nehmen. Bei den von Ihnen angesprochenen g.g.A.-Ölen kämen dafür über 2.500 Landwirte in Frage. Leider ist das allein schon aus Kostengründen nicht möglich.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Ist das nicht Irreführung?
    von powerplana am 28.05.2012 um 15:00
    Wenn ich es richtig verstehe, werden Konsumenten damit ja getäuscht. Ist das nicht auch ein Fall für Ihre Rechtsabteilung?
  • Kürbiskernöl - von wegen steirisch
    von JoLor am 25.05.2012 um 22:39
    Das Ergebnis ist mehr als niederschmetternd! Meine subjektive Feststellung: Sie testeten hauptsächlich Öle industrieller Produktion. Meine Bitte: Haben Sie auch vor, ggA - Produkte direkt von den "Kernölbauern" unter die Lupe zu nehmen? ...fragt mit großem Interesse Josef L.
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