Kürbiskernöl

Von wegen steirisch!

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KONSUMENT 6/2012 veröffentlicht: 24.05.2012, aktualisiert: 28.06.2012

Inhalt

Der Herkunft auf der Spur

Praktisch täglich erfahren wir von unseren Lesern: Nichts ist für Konsumenten so wichtig wie die Herkunft eines Lebensmittels. Und nichts verärgert sie mehr, als wenn hier getrickst wird. Was auf den Flaschen mit Kürbiskernöl draufsteht, wissen wir. Was aber steckt tatsächlich in den Flaschen drin? Worauf können sich die Konsumenten verlassen? Wer garantiert ein echt steirisches Öl? Wer tut nur so und dreht gutgläubigen Kunden ein Öl an, dessen Kerne in Wahrheit aus dem Ausland kommen?

Isotopenmethode

Auf alle diese Fragen gab es bislang keine Antwort. Über Jahre scheiterte jeder Versuch, Kernöl zu testen. Zuletzt im Gespräch: der Nachweis der Herkunft mit der sogenannten Isotopenmethode. Dabei hätten die Kohlenstoffverhältnisse der untersuchten Öle mit jenen der Bodenproben aus den Anbaugebieten der Ölkürbisse verglichen werden müssen. Das Projekt scheiterte sowohl an den Kosten als auch am Aufwand.

Endlich getestet!

Fast hatten wir schon aufgegeben, als sich überraschend eine neue Möglichkeit auftat. Die Montanuniversität Leoben beschäftigt sich seit Längerem mit der Bestimmung sogenannter Seltener Erden. Auch Böden haben eine Art Fingerabdruck. Mit seiner Hilfe lässt sich die geografische Herkunft vieler Lebensmittel aufspüren. So kann zum Beispiel mittels einer riesigen Datenbank und daraus erstellten Modellen die Herkunft von Kürbiskernen bestimmt werden. Derzeit ist die Unterscheidung zwischen Österreich, Russland und China möglich. Auch Mischungen verschiedener Länder werden erkannt, vorausgesetzt, die beigemischten Mengen sind groß genug. Für andere als die genannten Länder ist die Datenlage noch nicht ausreichend. So lässt sich beispielsweise erkennen, dass die Kerne, aus denen das Öl gepresst wurde, zu keinem der oben angeführten Länder passen. Woher der Rohware aber tatsächlich kommt, lässt sich derzeit nicht klassifizieren.

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln

Zusätzlich zur Herkunftsanalyse wurden alle Öle auch auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (Pestizide) untersucht. Mit den Ergebnissen konnte die Bestimmung der Herkunft der Öle abgesichert werden. Es gibt Pestizide, die für manche Länder ganz typisch sind. Andere Stoffe wiederum fallen auf, weil ihr Einsatz in bestimmten Gegenden seit Langem verboten ist. Eine Kurzbeschreibung aller gefundenen Schadstoffe und welche Rückschlüsse sich aus ihrem Vorkommen ergeben, finden Sie auf Seite 9 „Pflanzenschutzmittel im Öl“.

Oft gar nicht delikat

Zum Abschluss unserer Untersuchung haben wir wie immer auch eine Laienverkostung durchgeführt. Das Verkosten von 30 verschiedenen Ölen ist eine echte Herausforderung für jeden Tester. Dass es sich trotzdem gelohnt hat, zeigen die Ergebnisse. Mit einer Ausnahme kamen bei den Testern jene Öle am besten an, deren Kürbiskerne aus Österreich stammen. An der Spitze lag hier Steirerkraft. Am anderen Ende der Skala stehen zwei Produkte, deren Rohstoff wahrscheinlich in China gewachsen ist, nämlich Pelzmann 100 % pur und Delikatessa. Manchmal schmeckt man es auch, wenn ein Öl von ziemlich weit her kommt. Genauer genommen, wenn Kürbiskerne eine weite Reise tun. Denn egal woher die Kerne kommen, gepresst und abgefüllt wird, schon aus Kostengründen, fast immer nur im Inland.

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Wertung: 4 von 5 Sternen
110 Stimmen
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Kommentare

  • Irreführung
    von REDAKTION am 31.05.2012 um 14:58

    Die Juristen aus unserer Rechtsabteilung bleiben an diesem Thema natürlich dran.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Auswahl der Öle
    von REDAKTION am 31.05.2012 um 14:49

    Wir versuchen bei unseren Tests, eine möglichst große Marktabdeckung zu erreichen. Natürlich würden wir gerne auch Produkte direkt vom Kernölbauern unter die Lupe nehmen. Bei den von Ihnen angesprochenen g.g.A.-Ölen kämen dafür über 2.500 Landwirte in Frage. Leider ist das allein schon aus Kostengründen nicht möglich.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Ist das nicht Irreführung?
    von powerplana am 28.05.2012 um 15:00
    Wenn ich es richtig verstehe, werden Konsumenten damit ja getäuscht. Ist das nicht auch ein Fall für Ihre Rechtsabteilung?
  • Kürbiskernöl - von wegen steirisch
    von JoLor am 25.05.2012 um 22:39
    Das Ergebnis ist mehr als niederschmetternd! Meine subjektive Feststellung: Sie testeten hauptsächlich Öle industrieller Produktion. Meine Bitte: Haben Sie auch vor, ggA - Produkte direkt von den "Kernölbauern" unter die Lupe zu nehmen? ...fragt mit großem Interesse Josef L.
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