KONSUMENT.AT - Kürbiskernöl: Kerne aus China - Verschleierung statt Klarheit

Kürbiskernöl: Kerne aus China

Kein steirischer Brauch

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Konsument 6/2009 veröffentlicht: 05.06.2009

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Dick aufgetragen wird auch bei den Beschriftungen: „Das grüne Gold aus Österreich“, „Originalrezept aus der Steiermark“, „in steirischer Tradition“, „schonend gepresst in unserem österrei­chischen Tradi­tionsbetrieb“, „Ölmühle seit 1845“ (samt steirischer Adresse), „hergestellt im ost­steirischen Thermenland“. Es wird einem direkt schwindlig bei all dem öligen ­Gerede über Österreich, die ­Steiermark und hochgehaltene Traditionen.

Suggestion, nicht um Information

Sicher ist: Bei diesen Bezeichnungen geht es vor allem um Suggestion, nicht um Information. Denn einen Hinweis, woher die Rohware für das „echte Kürbiskernöl“, das „Kürbiskernöl 100 % pur“ oder die „schalenlos gewachsenen Kürbiskerne“ ­eigentlich kommt, sucht man auf den ­meisten Flaschen vergeblich. Unter „Herkunft der Kerne laut ­Etikett“ steht bei 16 von 26 eingekauften Produkten ein großes Fragezeichen. Das sind fast zwei Drittel! Auch auf ausdrück­liche schriftliche Nachfrage gaben sich die meisten Hersteller bedeckt, was in erstaunlichem ­Gegensatz zur Aus­führlichkeit ihrer Etikettentexte steht. Eine ­Zusammenfassung der reichlich mageren Auskünfte finden Sie im Kasten: „Dem ­Kernöl auf der Spur“.

Auskünfte Mangelware

Verschwiegen sind die Ölmüller aber nicht nur, wenn es um die Herkunft ihrer Kürbiskerne geht. Auch über die jährlichen Produktionsmengen von Kernöl gibt es keine offiziellen Zahlen. Schätzungen gehen von 4 Millionen Litern aus. Um diese Menge zu schaffen, müssen jährlich (ebenfalls geschätzte) 7.000 bis 9.000 Tonnen Kürbis­kerne importiert werden. Das entspricht in etwa jener Menge an Kernen, die aus dem Inland stammt.

Lkw aus Osteuropa, Schiffe aus China

Die ausländische Ware kommt per Lkw aus Osteuropa und immer häufiger im Schiffscontainer aus China. Zusammen mit ungarischen Produzenten stellen die Chinesen eine immer stärkere Konkurrenz zu den steirischen Kürbisbauern dar. Das überzeugendste Argument ist auch hier ein ­ökonomisches: Der Einkaufspreis von chinesischen Kernen liegt bei 1,50 Euro pro Kilogramm und damit 25 bis 50 Prozent ­unter jenem für inländische Ware. Da müssen viele Großeinkäufer nicht lange nachdenken, welche Kerne sie für ihre preis­werte Handelsmarke verpressen lassen.

Chinesiche Schriftzeichen für Kernöl 

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