KONSUMENT.AT - Lebensmittel-Checks 2018: dreiste Schmähs - Irreführende Produktbezeichnungen

Lebensmittel-Checks 2018: dreiste Schmähs

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019

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Kuriose Zusammensetzung 

Auf Rang zwei der Negativliste folgen Produkte, deren Zusammensetzung nicht dem entspricht, was auf der Verpackung vorgegaukelt wird. Dazu zählen etwa Lebensmittel mit Zutaten, die man aufgrund der Produktbezeichnung oder -aufmachung nicht darin vermuten würde (beispielsweise Produkte mit Aroma statt mit den erwarteten Früchten). Oder solche, auf deren Packung eine Zutat zwar groß ausgelobt, aber im Produkt selbst kaum enthalten ist.

Realistische Infos auf Etiketten gefordert

Bei Smoothies etwa werden häufig hochpreisige Früchte (z.B. Beeren) auf dem Flaschenetikett gut sichtbar dargestellt, obwohl das Getränk laut Zutatenliste hauptsächlich aus preiswerteren Säften wie Apfel- oder Traubensaft besteht. Gefordert wird: Auslobungen und Ankündigungen auf Etiketten und Produktpackungen sollten unbedingt realistisch sein! 

Nur 5 % tropische Früchte 

Bei Innocent Tropical Juice zum Beispiel war das nicht der Fall. Die Innocent Alps GmbH hatte einen Fruchtsaft mit der Bezeichnung „Tropical Juice“ bzw. „Tropische Früchte“ angeboten, auf dessen Etikett  Ananas, Maracuja und Mango abgebildet waren. All das ließ vermuten, der Saft werde hauptsächlich aus diesen Früchten erzeugt. Es waren aber 50 Prozent Apfel- und 35 Prozent Orangensaft – ergibt somit 85 Prozent nicht-tropische Früchte.

Innocent Tropical Juice - fast ohne Mango  (Foto: A.Thörisch/VKI)

Im Rechtsstreit für mehr Transparenz

Wir klagten Innocent wegen irreführender Produktdarstellung. Das Landesgericht Salzburg gab uns recht. Innocent Alps darf den Saft nun nicht mehr als „Tropical Juice/ Tropische Früchte“ bezeichnen und mit Abbildungen tropischer Früchte bewerben, wenn der Großteil des Saftes nicht aus tropischen Früchten besteht. Bei Kelly’s Gemüsechips „Rote Rüben-Kren“ war die Produktdarstellung unserer Ansicht nach ebenfalls irreführend.

Rote Rüben Gemüsechips von Kelly´s - zuviel Teig, zuwenig Rübe (Foto: VKI/Ulli Docekal)

Durch einen Klick vergößern Sie das Foto

Auf der Verpackung stand groß „Knuspriges Gemüse“ und „Premium Qualität – Gemüse Chips – hauchdünn gebacken“. Dahinter waren rote Gemüsechips abgebildet. Doch bei dem Produkt handelte es sich nicht um gehobelte rote Rüben, sondern um ein Teigprodukt. Die Mehlmischung enthielt nur 14 Prozent der so groß angekündigten roten Rüben, und das noch dazu nur in Form von Pulver. Wir klagten die Kelly GmbH wegen Irreführung. Das Oberlandesgericht Wien gab uns recht.  

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Kommentare

  • Überregeliert?
    von dlder am 22.02.2019 um 07:47
    Man möchte meinen, dass Österreich und die EU von Gesetzen überschwemmt und überreguliert sei.
    Wenn man aber bedenkt wie man als Kunde belogen wird (nicht nur bei Lebensmittel), so muss selbst ich zugeben, dass ein mehr an Regeln/Gesetzen und strengeres vorgehen der Behörden zumindest im "lebenswichtigem" Lebensmittel-Bereich stark zu begrüßen wäre!
  • Trauriger Trend
    von santodomingo am 15.02.2019 um 19:47
    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Konzerne mittlerweile mehr Geld ausgeben, um den Kunden in die Irre zu führen und die Zutatenliste so klein wie möglich auf den Produkten zu platzieren, als für das Produkt selbst. Ein trauriger Trend, denn man fühlt sich irgendwie immer belogen und getäuscht. Warum nicht ehrlich und gut lesbar draufschreiben, was drin ist? Mittlerweile sollten die Hersteller auch draufgekommen sein, dass die Kunden kritischer werden und sich nicht mehr für dumm verkaufen lassen.
    Ohne Brille kann ich gar nicht mehr einkaufen gehen...............
  • Marlenka Honigtorten-Kugeln
    von 0809brigitte am 06.02.2019 um 09:50
    Ich liebe seit Jahren tschechische Honigtorte, die vom Hersteller Marlenka inzwischen als rechteckige Torte z.B. bei Merkur, und seit Kurzem auch als Kugeln (z.B. bei Billa) erhältlich sind.
    Bei den Kugeln erlebte ich eine ärgerliche Überraschung: in einer großen Kartonverpackung, die mindestens 20 Stück, möglicherweise auch eine "2. Lage", vermuten lässt, sind lediglich 12 Stück enthalten. Diese sind noch umständlich auf einem Plastiktray mit Plastikdeckel angeordnet, und trotz Karton-Abstandhalter ist immer noch ein Teil der Verpackung leer. Wird wieder Zeit für ein Schreiben an den Hersteller...
  • Downsizing
    von ling am 01.02.2019 um 10:20
    Milka-Schokoladen (früher 300 g) sind mittlerweile nur mehr 270 g schwer, kosten aber nach wie vor soviel wie die ehemaligen 300-Gramm-Tafeln. Das Gewicht ist in sehr kleiner Schrift aufgedruckt und optisch ist der Unterschied natürlich nicht zu erkennen. Anfangs waren es nur einige Sorten und es gab auch welche mit 280 g, mittlerweile dürfte man jedoch generell nach unten "vereinheitlicht" haben.
    In solchen Fällen fragt sich der mündige Konsument natürlich: Wo bleibt hier die EU-Kommission mit ihrem Verordnungs- und Regulierungswahn? Bei diesen Produkten hätte es wenigstens einen Sinn!
    Böse Zungen werden vielleicht meinen, dass es sowieso gesünder sei, statt 300 g nur mehr 270 g zu essen. Das ist schon in Ordnung, doch dann möchte ich auch nur 270 g bezahlen.