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Lebkuchen im Test

Alarmsignal für Österrreich

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Konsument 12/2008 veröffentlicht: 11.11.2008, aktualisiert: 03.12.2008

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Problematischer Zimt

Lebkuchen wird traditionell mit Zimt gewürzt. Die in der Lebensmittelindustrie am häufigsten verwendete Zimtart (Cassia-Zimt) enthält üblicherweise hohe Konzentrationen des potenziell leberschädigenden Aromastoffes Cumarin. Es gibt aber auch den cumarinärmeren Ceylon-Zimt. Ob Lebkuchen Zimt enthält und welchen, muss in der Zutatenliste nicht angegeben sein. Ist Zimt in der Zutatenliste nicht angeführt, darf der Cumaringehalt maximal 15 mg je Kilogramm Lebkuchen betragen. Ist Zimt als Zutat gekennzeichnet, darf der Cumaringehalt höher sein (maximal 50 mg/kg). So ist es in der neuen EU-Aromen-Verordnung festgelegt, die demnächst in Kraft treten wird.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung geht in seinen Empfehlungen auch auf Kleinkinder (15 kg Körpergewicht) ein. Denn so mancher Knirps kann schließlich in Relation zum Körpergewicht größere Mengen Süßes wie nichts verdrücken. Nach dem Institut für Risikoforschung sollte Bäckerei maximal 10 mg Cumarin/kg enthalten. Cumarin findet man übrigens nicht nur in verschiedensten Lebensmitteln, sondern auch als Aromastoff in Kosmetika.

Wenig belastet 

Wir wollten wissen, ob (und wenn ja, wie stark) bei uns angebotene Lebkuchen mit Acrylamid bzw. mit Cumarin belastet sind und kauften für unseren Test in Supermärkten und bei Diskontern Oblaten-Lebkuchen, Schoko-Lebkuchen, Früchte-Lebkuchen, Herzen, Brezeln, Sterne, Knöpfe ... großer Anbieter ein. Die Untersuchung auf Acrylamid brachte großteils sehr erfreuliche Ergebnisse: Elf Proben konnten wir aufgrund des vergleichsweise niedrigen Gehalts an Acrylamid mit „sehr gut“ beurteilen.

Am wenigsten Acrylamid (30 bzw. 40 μg/kg) fanden wir in den gefüllten Herzen und den für Diabetiker gedachten Diätlinie Oblaten Lebkuchen von Weiss. Um Verwechslungen hintanzuhalten: Die Bezeichnung „Diätlinie“ sagt nichts über den Kaloriengehalt eines Produktes aus. Weiss Diätlinie Lebkuchen liefern sogar mehr Kalorien als herkömmliche Weiss Lebkuchen. Wer auf sein Gewicht achten will oder muss, liest die Packungsaufschriften daher besser ganz genau.

Ausreißer aus Österreich

Am anderen Ende der Skala finden sich drei Produkte, deren Acrylamidgehalt jenseits des Signalwerts von 1000 μg/kg liegt: Aufgrund dieser starken Belastung wurden Kastner Honig Lebkuchen (1100 μg), Kastner Früchte Lebkuchen (1200 μg) und Manner Knöpfe (1300 μg) – allesamt österreichische Produkte – mit „nicht zufriedenstellend“ beurteilt. Manner Knöpfe enthalten, verglichen mit dem am wenigsten belasteten Produkt, die 43-fache(!) Menge Acrylamid. Da besteht hierzulande wohl gehöriger Nachjustierungsbedarf. In Deutschland scheint das Signalwertsystem hingegen bereits sehr gut gegriffen zu haben.
Der Cumaringehalt ist bei fast allen Lebkuchen im Test sehr niedrig und bietet daher keinen Anlass zu Kritik. Einzig in Kastner Knöpfle steckt mit über 12 mg/kg Lebkuchen mehr Cumarin, als es das deutsche Institut für Risikoforschung empfiehlt.


Wir haben schlussendlich noch eine Laienverkostung durchgeführt. Von all den Lebkuchen im Test schmeckten die Oblaten- Lebkuchen von Wolff, Weiss Meisterklasse und Weiss Diätlinie am besten. Mit 0,50 beziehungsweise 0,49 Euro/100 g sind die Oblaten-Lebkuchen von Wolff und Weiss Meisterklasse preisliches Mittelfeld. Die für Diabetiker geeignet Oblaten-Lebkuchen von Weiss Diätlinie kosten mit 1,15 Euro/100 g mehr als doppelt so viel.

Auch preiswerte schmecken gut

Die preiswertesten Lebkuchen im Test (Burg Schokolade-Lebkuchen, Stieffenhofer Schoko Lebkuchen, Weiss Herzen Brezeln Sterne, Favorina Lebkuchen- Allerlei) kosten zwischen 0,30 und 0,35 Euro/100 g. Weiss Herzen Brezeln Sterne und Favorina Lebkuchen heimsten bei der Verkostung ein „gut“, die Lebkuchen von Stieffenhofer und Burg ein „durchschnittlich“ ein. Insgesamt hielten sich bei den Verkostungsnoten „gut“ und „durchschnittlich“ in etwa die Waage. Einzig die Brezerl von Manner schnitten „weniger zufriedenstellend“ ab.

Wer übrigens Lebkuchen mit „Honig-gesüßt“ assoziiert, wird beim Lesen der Zutatenlisten industriell erzeugter Lebkuchen so manche Überraschung erleben: Wir haben Honig lediglich in den Zutatenlisten der Weinbeißer und Honig Lebkuchen von Kastner entdeckt. Im großen Rest steckt nicht Honig, sondern der wesentlich billigere Glukose-Fruktose-Sirup.

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