KONSUMENT.AT - Olivenöl - Diskussion

Olivenöl

Extra angeschmiert

Seite 15 von 16

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 11/2011 veröffentlicht: 27.10.2011, aktualisiert: 26.01.2012

Inhalt

Diskussion

Olivenöl: Was sind die Schlüsse aus dem Testergebnis? Auch in der Redaktion gibt es dazu eine lebhafte Debatte. Hier zwei gegensätzliche Positionen:

Zu billig
Elisabeth Spanlang – Redakteurin Testmagazin KONSUMENT

Offen gestanden: Die Ergebnisse unseres Olivenöl-Tests haben mich nicht wirklich überrascht. 3,45 Euro für eine Flasche konventionelles, 8 bis 13 Euro für ein Bioöl. Das schafft nur, wer auf maximale Ausbeutung setzt. Aus den Böden rausholen, was geht. Die Erntearbeiter miserabel bezahlen. Und wenn das alles nichts hilft, dann eben mit Tricksereien nachhelfen. Bei Lebensmitteln lautet seit langem die Devise: Hauptsache billig. Doch was wenig kostet ist auch nichts wert. Und so landen in unseren Mistkübeln tonnenweise genießbare Lebensmittel. Auch oder weil sie offenbar so wenig gekostet haben, dass ihre Entsorgung niemandem groß auffällt. Essen ist aber nicht Abfall, sondern etwas Kostbares. Vorausgesetzt die Qualität stimmt, darf es daher auch was kosten.
__________________

Ein hoher Preis ist kein Qualitätsmerkmal
Peter Blazek – Redakteur Testmagazin KONSUMENT

Ist es eine Illusion zu glauben, dass es hochwertiges Olivenöl um ein paar Euro geben kann? Nun, man braucht nur die Ergebnisse dieses Olivenöltests zu betrachten. Produkte zum Literpreis von 3,50 € schnitten besser ab als solche um 12 und mehr Euro. Es ist müßig sich auszumalen, wie mühsam die Ernte der Oliven ist und wie viel Arbeit es kostet, bis das fertige Öl im Supermarktregal landet. Man kann sicher sein, der Olivenbauer kriegt nur einen Bruchteil vom Endverbraucherpreis, egal, ob das Öl jetzt um 3 oder um 30 Euro verkauft wird.

Preise werden gemacht, nicht berechnet

Im Prinzip ist es ja überall das Gleiche. Man darf nicht den Fehler machen, die Preisgestaltung eines Bauern, der seine Produkte ab Hof verkauft mit der eines riesigen Konzerns zu vergleichen. Mag sein, dass sich beim Ab-Hof-Verkauf die Preise noch mehr oder weniger an den Kosten der Herstellung orientieren, bei den großen Markenkonzernen und Handelsketten ist dies längst nicht mehr der Fall. Da wird der Preis nicht vom Buchhalter berechnet sondern von der Marketingabteilung festgelegt. Abgesehen davon, dass bei der Massenproduktion die Kosten pro Stück drastisch sinken, hat der Preis mit diesen Kosten herzlich wenig zu tun. Einmal kann es für den Anbieter interessant sein, vorübergehend einen Kampfpreis zu verlangen, der unter den Selbstkosten liegt, um die Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen oder um auf sich aufmerksam zu machen. Ist dies einmal gelungen, kann man fast jeden Preis verlangen.

Von gratis bis viel zu teuer – alles ist möglich

Man braucht die Konkurrenz gar nicht zu vernichten, es genügt, seinem Produkt ein Alleinstellungsmerkmal zu verleihen, das es als etwas Besonderes, Einzigartiges erscheinen lässt. Kann man mittelmäßigen Kaffee zu einem irrwitzig überhöhten Preis verkaufen? Klar geht das, kein Problem! Jahrzehnte lang wurde Kaffee in der Viertel- oder Halbkilopackung verkauft und der scharfe Wettbewerb führte dazu, dass die Preise der gängigsten Kaffeemarken bestenfalls ein paar Cent voneinander abwichen. Dann kam jemand auf die Idee, den Kaffee nicht in den üblichen Haushaltspackungen anzubieten, sondern in winzigen Kapseln, die gerade einmal für eine einzige kleine Tasse des braunen Gebräus reichen. Das Ganze lässt man permanent von einem prominenten und gut aussehenden Schauspieler bewerben –und fertig ist die paradoxe Marktkonstellation: Der Kapselkaffee ist umgerechnet rund zehnmal so teuer wir herkömmlicher, und dennoch kaufen ihn die Leute wie verrückt…
Umgekehrt können Produkte auch zu extremen Tiefstpreisen verkauft werden, und die Anbieter machen trotzdem ein Riesengeschäft damit. Warum kann ein hochwertiges Mobiltelefon einmal 500 Euro kosten, ein anderes Mal 0 Euro? Ganz einfach, indem der Provider soviel Geld mit den Gesprächsgebühren verdient, dass er dem Handyhersteller einen Teil von seinem Profit abtreten kann.

Den Großteil stecken Handel und Marketing ein

Bemühen wir uns nicht, die Logik der Preisfestsetzung zu durchschauen, es ist kein Zufall, dass sich so gut wie kein gewinnorientiertes Unternehmen in die Bücher blicken lässt. Ein bisschen was wissen wir aber mittlerweile schon, wenn man es auch nicht einem bestimmten Unternehmen zuordnen kann. Ideas, eine spanische Nichtregierungs-Organisation (NGO) hat herausgefunden, dass Markenunternehmen und Einzelhandel für Kakao zusammen fast drei Viertel des Endpreises (72 Prozent) einsacken, während für den gesamten Bereich Ernte und Produktion gerade einmal 6 Prozent reichen müssen, für den Bauern bzw. den Arbeiter im Verarbeitungsbetrieb bleiben da bestenfalls ein paar Cent über. Man könnte diesen schwer schuftenden Menschen ohne weiteres den doppelten Lohn zahlen, und wir würden es vermutlich gar nicht bemerken – weil der Endpreis für das Packerl Kakao im Supermarkt dadurch (wenn überhaupt) lediglich um wenige Cent teurer würde.

Warum also, so frage ich mich, sollte es nicht möglich sein, einen hochwertigen Kakao zum Kilopreis von ein paar Euro zu bekommen? Rechnet man nur die Kosten für Produktion und Transport, müsste Kakao nicht mehr als ein Viertel des heute üblichen Preises kosten.

Stimmt schon, zu glauben, dass sich Marketing und Handel so einfach ausschalten lassen, ist tatsächlich eine Illusion. Aber mit der Qualität des Produktes hat das rein gar nichts zu tun …

 

 

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
60 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Kreta Gold Merkur
    von REDAKTION am 30.03.2012 um 10:12
    Wir haben für diesen Test 15 Öle untersucht und für KONSUMENT 2/2012 nochmals 5 Öle nachgetestet. Bei der Auswahl der Produkte versuchen wir, eine größtmögliche Marktabdeckung zu erreichen. Leider ist es uns - schon aus Kostengründen - nicht möglich, jedes Öl, das bei den großen Ketten im Regal steht, zu untersuchen. Ihr KONSUMENT-Redaktionsteam
  • test eines öles von merkur
    von gertrude rieger am 13.03.2012 um 03:00
    welches ergebnis zeigt kreta gold natives olivenöl extra?
  • Preisgestaltung Spar
    von theltalpha am 08.02.2012 um 22:25
    Wer sich die Presigestaltung von Spar ansieht, den wundert nichts mehr. Olivenöl (Kategorie VI) wird um 5,49 Euro/l verkauft. Natives Olivenöl Extra (Kategorie I) wird um 5,99 Euro/l verkauft. Bei einer Differenz von 50 Cent kann sich jeder denken, wie groß der Qualitätsunterschied zwischen diesen beiden Ölen ist.
  • olivenöl hofer kloster toplou
    von bruno am 16.12.2011 um 05:15
    ich bin auch der meinung, dass dieses olivenöl getestet werden soll. es war schon beim letzten test nicht dabei. hofer ist immerhin der grösste diskonter österreichs.
  • Olivenöl-Nachtest
    von REDAKTION am 14.12.2011 um 11:44

    Auf Anregung vieler Leser haben wir in einem Nachtest die am häufigsten nachgefragten Olivenöle unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind in KONSUMENT 2/2012 veröffentlicht:

    http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument%2FMagazinArtikel%2FDetail&cid=318879730553.

    Ihr KONSUMENT-Team