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Pilze

Tipps für Schwammerljäger

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Konsument 8/1999 veröffentlicht: 01.08.1999

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Menü mit Todesfolge

Knollenblätterpilz (links) und Parasol (rechts):
tödliche Verwechslung

Sonntagssammler“, die nur mit geringen Vorkenntnissen auf Pilzjagd gehen, „setzen sich einem fürchterlichen Risiko aus“, so Ing. Walter Rauch vom Marktamt der Stadt Wien. In Österreich gibt es rund fünftausend Pilzarten, wovon dreitausend zu den größeren Sorten gehören. Darunter wiederum sind etwa zweihundert Giftpilze, von denen neunzig ziemlich stark und zehn tödlich giftig wirken können.
„Pilze sind eine eigene und fremde Welt, und wer sich dort nicht sehr gut auskennt, sollte die Finger vom Sammeln lassen“, meint Ing. Rauch. Wichtig für den Pilzfreund ist es, die Merkmale der einzelnen Arten genau zu studieren, zum Beispiel Hut, Stiel, Ring, Hutunterseite, Geruch, Farbe, Manschette usw. Bei den Blätterpilzen besteht die Hutunterseite aus Lamellen oder Blättern, bei den Röhrlingen aus Röhren. „Ich habe selber schon Sammler getroffen, die Giftpilze im Korb hatten, zum Beispiel Grünblättrige Schwefelköpfe statt essbarer Stockschwammerln. Als ich sie darauf aufmerksam machte, waren manche regelrecht erbost, dass ihnen ein schmackhaftes Mahl entgeht. Der Leichtsinn der Leute ist erstaunlich“, so Ing. Rauch. Um schwere Unfälle zu vermeiden, sollte jeder, der sich für die faszinierende Welt der Pilze interessiert, an geführten Exkursionen der österreichischen Mykologischen Gesellschaft (Institut für Botanik der Universität Wien, Rennweg 14, 1030 Wien, Herr Dr. Hermann Voglmayr, Tel. 01/42 77 54-050) teilnehmen. Dabei kann man in der Praxis die feinen, aber oft lebensrettenden Unterschiede der einzelnen Pilzarten studieren. Das Marktamt der Stadt Wien informiert auch im Internet: http.//www.magwien.gv.at - Button „Gesundheit – Pilzberatung.“ Auch mit Pilzbestimmungsbüchern kann man sich fortbilden.
Äußerste Vorsicht ist auch bei sogenannten „Allergiepilzen“ geboten. Sie können bei manchen Menschen nur leichte, bei anderen wieder schwerste Vergiftungserscheinungen auslösen. Der Kahle Krempling gehört zu dieser Gruppe. Es gibt aber auch Pilzsorten, die nur in Verbindung mit Alkohol ihr Gift freisetzen. Dabei kann der Alkoholgenuss bis zu zwei Tage zurückliegen oder erst drei Tage später erfolgen, was die Wirkung des Giftes nicht vermindert, etwa beim Grauen Faltentintling. Giftpilze können unterschiedlich wirken. Manche, wie der Fliegenpilz, beeinträchtigen das Nervensystem so stark, dass es zu schweren Halluzinationen kommen kann, andere, wie der Riesenrötling oder der Speitäubling zielen auf die Verdauungsorgane, was zu starkem Durchfall und Erbrechen führt.

Kahler Krempling:
für manche giftig

Der Grüne Knollenblätterpilz ist für rund 90 Prozent aller Todesfälle durch Pilze verantwortlich. Er zerstört die inneren Organe wie die Leber und kann leicht mit dem Grünen Speisetäubling oder dem schmackhaften Parasol verwechselt werden. „Deswegen kann ich nur alle Pilzfreunde aufs Schärfste warnen, ohne fundierte theoretische und praktische Vorkenntnisse wahllos Pilze zu sammeln und zu essen“, betont Ing. Walter Rauch. Auch aus anderen Gründen sollte man bei Pilzen vorsichtig sein. Sie können radioaktive Substanzen und Schwermetalle speichern (siehe Artikel auf Seite 12).

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