KONSUMENT.AT - Stevia: süßer Etikettenschwindel - Leserreaktionen

Stevia: süßer Etikettenschwindel

Raffiniert wie Zucker

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KONSUMENT 9/2012 veröffentlicht: 30.08.2012, aktualisiert: 25.10.2012

Inhalt

Leserreaktionen

Sicht eines Herstellers

  1. Sie erwähnen nicht, welche Krankheiten durch den übermäßigen Verzehr von Zucker entstehen können (übergewichtige Schulkinder, adipöse Erwachsene und Diabetiker). Es gibt keinerlei Hinweise, dass sich ein überhöhter Stevia-Konsum auf die Gesundheit auswirkt. In Fernost ist Stevia bereits seit 70 Jahren im Einsatz.
  2. Steviolglycoside sind etwa 300-mal süßer als Zucker und gerade deshalb müssen Hilfsmittel herangezogen werden. Die Verwendung von reinen Steviolglycosiden wäre für den Konsumenten aufgrund der hohen Süßkraft nicht praktikabel. Schon eine Messerspitze reicht, um den Tee ungenießbar süß werden zu lassen. Wir legen großen Wert auf Hilfsmittel natürlichen Ursprungs. Deshalb verwenden wir Erythritol. Dieser Zuckeralkohol wird aus Maisstärke fermentiert und weist keine Kalorien auf; daher haben unsere Natusweet-Kristalle keine verwertbaren Kalorien.
  3. Sie geben in Ihren Artikel an, dass eine Person mit 70 kg in etwa 770 mg Steviolglycoside zu sich nehmen kann. Das entspricht 231 g Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Obergrenze von 50 bis 60 Gramm Zucker pro Person und Tag. Das entspricht ca. 21 kg Zucker pro Jahr und Person. Der Europäer konsumiert durchschnittlich 38 kg Weißzucker pro Jahr. Das sind 17 kg über der empfohlenen Menge, das entspricht 68.000 kcal. Die gesundheitlichen Folgen des erhöhten Zuckerkonsums sind ja bekannt.

Reisenberger GmbH
Perchtoldsdorf
(aus KONSUMENT 11/2012)

Unser Artikel behandelte Stevia bzw. Steviolglycoside, daher haben wir das Thema Zucker und diverse Erkrankungen nur in geringem Ausmaß thematisiert. Wir raten zu einem sparsamen Verzehr von mit Stevia gesüßten Produkten, da zum einen Studien zu chronischer Überdosierung fehlen, zum anderen sollten auch mit Stevia gesüßte Produkte nur in Maßen verzehrt werden. Es soll beim Konsumenten nicht der Eindruck erweckt werden, dass Limonaden, Kuchen oder sonstige Süßspeisen unbedenklich verzehrt werden können, nur weil sie mit Stevia gesüßt sind (das gilt vor allem für Diabetiker).

Wir haben in unserem Artikel den Fokus auf die Hilfsmittel gelegt, die bei Stevia-Produkten eingesetzt werden, weil vielen Konsumenten nicht bewusst ist, dass solche verwendet werden müssen. Auch beim Verzehr größerer Mengen an Zuckeralkoholen kann es bei empfindlichen Menschen zu Durchfällen, Bauchschmerzen und Blähungen kommen. Da Zuckeralkohole in vielen Lebensmitteln eingesetzt werden, besteht diese Gefahr besonders für Kinder. Diese Nebenwirkungen sind bei Erythrit zwar deutlich geringer als bei anderen Zuckeralkoholen, trotzdem müssen Konsumenten dahingehend informiert werden.

Eine Reduktion der Zuckeraufnahme ist auch in unserem Sinne. Dies sollte jedoch vorwiegend durch eine gesunde Mischkost erfolgen und nicht durch den Ersatz/teilweisen Ersatz von Zucker durch Stevia. Es sollte auf den Verpackungen auch deutlich auf den teilweisen Ersatz hingewiesen werden. Da die überhöhte Aufnahme von Süßstoffen zu einer Gewöhnung an den Süßgeschmack bzw. zu einer erhöhten Kalorienaufnahme führen kann, wird von einem übermäßigen Verzehr abgeraten. Generell haben Zucker, Zuckeraustauschstoffe und auch Süßstoffe wie Stevia ihren berechtigten Platz in einer ausgewogenen Mischkost.

Die Redaktion

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
37 Stimmen

Kommentare

  • Stevia
    von qilin am 12.09.2012 um 16:52
    Also besonders objektiv scheint mir der Artikel ebenfalls nicht - besonders wenn er von anderen Zeitschriften übernommen, und dort dann auch gern noch aufgebauscht, wird - ich habe den Tipp aus dem Tiroler Bezirksblatt . Wenn ich /zwischen den Zeilen/ lese, scheint das Ergebnis zu sein: Stevia ist tatsächlich nicht natürlich - /ebensowenig/ wie Zucker schließlich sind auch Zuckerrüben nicht als Süßungsmittel zugelassen, und die Saccharoseextraktion ist vergleichbar aufwendig wie die von Steviolglycosiden - nur klingt das eben chemischer als Zucker . /Künstlich/ - also im Labor hergestellt, wie Saccharin, Aspartam oder Cyclamat, ist es aber /nicht/. Die Steviapflanze wird allerdings - im Gegensatz zur Zuckerrübe, die erst im 18. Jh. aus der Runkelrübe herausgezüchtet wurde - schon seit Jahrhunderten zum Süßen verwendet. Dass irgendwelche Hersteller als Süßungsmittel nur Stevia angeben und andere verschweigen, ist natürlich bedenklich - aber das kann man doch nicht Stevia anlasten wenn jemand schreibt "mit Zucker gesüßt", obwohl auch Saccharin drin ist, ist das ja auch kein Nachteil von Zucker .
  • Stevia
    von REDAKTION am 04.09.2012 um 14:01
    Wir haben uns aus Platzgründen in diesem Artikel hauptsächlich mit Stevia beschäftigt und sowohl die Vorteile, aber auch die Nachteile dieses neuen Süßungsmittels dargestellt. Überrascht hat uns, dass dort, wo Stevia draufsteht, sehr oft auch andere Stoffe für Süße sorgen. Im nächsten Heft (Konsument 10/2012), das bereits in Druck ist erscheint ein Bericht über Zucker in Lebensmitteln - mit ebenfalls erstaunlichen Ergebnissen. Ihr Konsument-Redaktionsteam
  • Artikel Stevia
    von portellen am 04.09.2012 um 08:04
    Bin etwas über diese offensichtliche Zuckerwerbung auf Kosten von Stevia entsetzt. Allein die Argumente, warum die Pflanze selbst nicht zugelassen ist (etwaige Auswirkung einer anderen Züchtung!?!, Lebensstil ferner Länder) sind äußerst schräg. Auch die Zuckerwerbung (wichtige Masse für Backwaren?!), welcher ja auf ähnlich "unnatürliche" Weise aus dem Rohstoff gewonnen wird, find ich schlimm. Lob kann ich nur für die genauen Inhaltsstoffe der mit Stevia gesüssten Waren geben. Und noch etwas - im Gegensatz zu den synthetisch hergestellten Süßstoffen stammt Stevia (und natürlich auch Zucker) aus natürlicher Quelle. Das weißes Pulver (wieder Zucker oder Stevia) nicht in Rüben oder Blättern vorkommt, ist ja klar!
  • Artikel Stevia
    von markusaichholzer am 03.09.2012 um 16:58
    Ich habe noch nie bei Konsument einen derart einseitigen Artikel lesen müssen. Die Nachteile von Stevia zu beschreiben ohne zu erwähnen, dass Zucker die gleichen NAchteile hat, finde ich nich in Ordnung. Beispiele: - Die Tageshöchsmenge an Stevia wurde beschrieben. Nicht erwähnt wurde, dass auch Zucker nicht unbegrenzt eingenommen werden sollte. - es wurde nicht erläutert, dass in Produkten enthaltene Fruktose wohl auch von den enthaltenen Früchten kommen könnte - Es wurde nicht erwähnt, wieviel Zucker in ähnlichen Produkten ohne Stevia (z.B. Joghurts, Molkegetränke, Ketchup...) enthalten ist. - Als Kritikpunkt anzuführen, dass Schokolade mit Stevia nicht so gut ist, finde ich komisch. Fazit: Sehr einseitig und schmeckt nach "Auftragsarbeit" schöne Grüße MArkus Aichholzer