Stevia: süßer Etikettenschwindel

Raffiniert wie Zucker

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KONSUMENT 9/2012 veröffentlicht: 30.08.2012, aktualisiert: 25.10.2012

Inhalt

Unzulässige Anpreisungen

Nachfolgend einige Beispiele, mit welchen Werbebotschaften die Stevia-Verkäufer derzeit noch unterwegs sind. Fast alle Anpreisungen sind aufgrund der inzwischen geänderten gesetzlichen Bestimmungen unzulässig. An neuen, den Vorschriften entsprechenden Verpackungen wird mit Hochdruck gearbeitet. 

Spar Vital Stevia-Eis mit Vanille (Bild: K.Schreiner)      Billa Aqua Stevia Birne Melisse (Bild: K.Schreiner)
Bald Geschichte. "Mit der Süße aus Stevia" und das in Kombination mit einem hübschen grünen Blatt – solche Anpreisungen gehören spätestens 2013 der Vergangenheit an. Konsumenten könnten dadurch getäuscht werden, da hier so getan wird, als würde die Pflanze selbst zum Süßen eingesetzt.   Nicht wirklich natürlich. "Süßes aus natürlicher Quelle" – eine ziemliche Übertreibung angesichts der Tatsache, dass der zugelassene Süßstoff in einem aufwendigen technologischen Prozess erzeugt wird. Mit Natur hat das Endprodukt kaum noch etwas zu tun.
 
Nöm Fasten Rote Früchte mit Stevia gesüsst (Bild: K.Schreiner)
   
Felix Ketchup mit Stevia (Bild: K.Schreiner)
Auslaufmodell. Auch nöm setzt beim Molke Drink auf das grüne Blatt und verkündet dazu noch: "Mit Stevia gesüßt". Diese Auslobung hat ebenfalls ein Ablaufdatum, da sie Konsumenten vormacht, die Süße für die Molke würde direkt aus der Steviapflanze kommen, was nicht stimmt.   Wirklich pflanzlich? Dieses Tomatenketchup wird "mit der Süße aus Stevia" angeboten – schön wäre es! Dazu findet sich auf der Verpackung der Extrahinweis des Herstellers "pflanzliche Süße". Laut der neuen EU-Leitlinie ist diese Formulierung unzulässig.

Sonnentor Wundersüss Stevia rebaudiana Bertoni (Bild: K.Schreiner)
 
Natreen Stevia Pulver (Bild: K.Schreiner) 
Zu heiß gebadet. Eine Frau in einer Teeschale und der Vermerk "Stevia rebaudiana Bertoni". Doch die damit angesprochene Steviapflanze ist in der EU nicht für Lebensmittel zugelassen. Zum Glück gibt es ein Schlupfloch. Das Produkt wird als Badezusatz verkauft – abgefüllt in Teebeutel! Geht’s noch?      Verschwindend gering. "Mit dem Süßstoff aus der Stevia-Pflanze" wirbt Natreen Stevia. Diese Auslobung passt. Was weniger passt: Im Produkt selbst stecken gerade einmal 3 Prozent davon. Einen auf Stevia machen und hauptsächlich Füllstoff verkaufen – auch so kann man Kunden täuschen.

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Kommentare

  • Stevia
    von qilin am 12.09.2012 um 16:52
    Also besonders objektiv scheint mir der Artikel ebenfalls nicht - besonders wenn er von anderen Zeitschriften übernommen, und dort dann auch gern noch aufgebauscht, wird - ich habe den Tipp aus dem Tiroler Bezirksblatt . Wenn ich /zwischen den Zeilen/ lese, scheint das Ergebnis zu sein: Stevia ist tatsächlich nicht natürlich - /ebensowenig/ wie Zucker schließlich sind auch Zuckerrüben nicht als Süßungsmittel zugelassen, und die Saccharoseextraktion ist vergleichbar aufwendig wie die von Steviolglycosiden - nur klingt das eben chemischer als Zucker . /Künstlich/ - also im Labor hergestellt, wie Saccharin, Aspartam oder Cyclamat, ist es aber /nicht/. Die Steviapflanze wird allerdings - im Gegensatz zur Zuckerrübe, die erst im 18. Jh. aus der Runkelrübe herausgezüchtet wurde - schon seit Jahrhunderten zum Süßen verwendet. Dass irgendwelche Hersteller als Süßungsmittel nur Stevia angeben und andere verschweigen, ist natürlich bedenklich - aber das kann man doch nicht Stevia anlasten wenn jemand schreibt "mit Zucker gesüßt", obwohl auch Saccharin drin ist, ist das ja auch kein Nachteil von Zucker .
  • Stevia
    von REDAKTION am 04.09.2012 um 14:01
    Wir haben uns aus Platzgründen in diesem Artikel hauptsächlich mit Stevia beschäftigt und sowohl die Vorteile, aber auch die Nachteile dieses neuen Süßungsmittels dargestellt. Überrascht hat uns, dass dort, wo Stevia draufsteht, sehr oft auch andere Stoffe für Süße sorgen. Im nächsten Heft (Konsument 10/2012), das bereits in Druck ist erscheint ein Bericht über Zucker in Lebensmitteln - mit ebenfalls erstaunlichen Ergebnissen. Ihr Konsument-Redaktionsteam
  • Artikel Stevia
    von portellen am 04.09.2012 um 08:04
    Bin etwas über diese offensichtliche Zuckerwerbung auf Kosten von Stevia entsetzt. Allein die Argumente, warum die Pflanze selbst nicht zugelassen ist (etwaige Auswirkung einer anderen Züchtung!?!, Lebensstil ferner Länder) sind äußerst schräg. Auch die Zuckerwerbung (wichtige Masse für Backwaren?!), welcher ja auf ähnlich "unnatürliche" Weise aus dem Rohstoff gewonnen wird, find ich schlimm. Lob kann ich nur für die genauen Inhaltsstoffe der mit Stevia gesüssten Waren geben. Und noch etwas - im Gegensatz zu den synthetisch hergestellten Süßstoffen stammt Stevia (und natürlich auch Zucker) aus natürlicher Quelle. Das weißes Pulver (wieder Zucker oder Stevia) nicht in Rüben oder Blättern vorkommt, ist ja klar!
  • Artikel Stevia
    von markusaichholzer am 03.09.2012 um 16:58
    Ich habe noch nie bei Konsument einen derart einseitigen Artikel lesen müssen. Die Nachteile von Stevia zu beschreiben ohne zu erwähnen, dass Zucker die gleichen NAchteile hat, finde ich nich in Ordnung. Beispiele: - Die Tageshöchsmenge an Stevia wurde beschrieben. Nicht erwähnt wurde, dass auch Zucker nicht unbegrenzt eingenommen werden sollte. - es wurde nicht erläutert, dass in Produkten enthaltene Fruktose wohl auch von den enthaltenen Früchten kommen könnte - Es wurde nicht erwähnt, wieviel Zucker in ähnlichen Produkten ohne Stevia (z.B. Joghurts, Molkegetränke, Ketchup...) enthalten ist. - Als Kritikpunkt anzuführen, dass Schokolade mit Stevia nicht so gut ist, finde ich komisch. Fazit: Sehr einseitig und schmeckt nach "Auftragsarbeit" schöne Grüße MArkus Aichholzer
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