Supermarkt-Backshop

Ein Experiment?

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KONSUMENT 4/2017 veröffentlicht: 30.03.2017, aktualisiert: 24.11.2017

Inhalt

Der Backshop bei BILLA wirft einige Fragen auf. „- Ein "Aufgespießt" von Konsument-Redakteur Gerhard Früholz.“ 

KONSUMENT-Chefredakteur Gerhard Früholz (Bild: U. Romstorfer/VKI)
E-Mail: Chefredakteur
Gerhard Früholz

Ich kaufe grundsätzlich lieber in kleinen Läden. Aber manchmal ist es halt bequemer, einfach in die nächste BILLA-Filiale zu laufen – etwa, um schnell Gebäck fürs Frühstück zu holen. Das gibt es dort neuerdings auch in Selbstbedienung.

Man könnte sich wohl bedienen lassen, aber das Personal ist entweder gerade nicht da oder mit anderen Dingen beschäftigt (etwa damit, Nachschub für die Frischkostvitrine vorzubereiten). Also bediene ich mich dann doch selbst.

Chaos bei der Selbstbedienung

Wo sind denn die leeren Croissants? Ich möchte eine Knopfsemmel und Handsemmeln, kann sie aber nicht finden, weil sich noch zwei andere Kunden selbst bedienen und wir einander im Weg stehen. Der älteren Dame fällt ein Weckerl auf den Boden – wohin damit? Verlegen steckt sie es zurück in ein Fach, nimmt es dann doch wieder heraus und stopft es irgendwie in das jetzt zu kleine Sackerl.

Ich erobere eine Gebäckzange, befülle mein Sackerl mit insgesamt fünf Stück. An der Kassa bremse ich leider den Kundenstrom. Denn der junge Mann muss mein Sackerl ganz genau auf den Inhalt untersuchen, in einem Verzeichnis die richtigen Gebäcksorten finden und einzeln scannen. Hoffentlich stimmt´s auch. Darüber denke ich jetzt gar nicht lange nach, denn andernfalls halte ich mit meinem SB-Gebäck den Betrieb nochmals auf.

Viele Nachteile für alle

Ich frage mich: Wo liegt der Vorteil für den Kunden? Bekomme ich bessere Ware? Einen besseren Preis? Besseren Service? Spare ich Zeit? Die Wartezeit wird durch die Selbstbedienung sichtlich nicht verkürzt. Wer etwa auch Gebäck möchte, das in Selbstbedienung nicht angeboten wird, muss sich erst recht anstellen. Dazu kommt umständliches Hantieren mit Einweghandschuhen, Zange und Sackerl.

Und noch etwas: Beobachten Sie einmal, wie oft das Gebäck von Kunden mit der Hand entnommen (und mitunter zurückgelegt) wird. An der Kassa wird man schließlich zum Störfaktor, armes Personal! Kurzum: Die Sinnhaftigkeit dieses Konzepts erschließt sich mir nicht. Aber vielleicht ist das alles ohnehin nur ein großes Experiment, ob wir Kunden uns daran gewöhnen?

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie eine Mail an leserbriefe@konsument.at

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Kommentare

  • Handsemmel
    von ling am 29.07.2017 um 15:20
    @Max Mustermann Wie lange gibt es nun schon diese übertriebene Hygiene mit Einweghandschuhen, Zange & Co? Was war denn vorher? Wurden die Grippeepidemien durch das Gebäck in den Supermärkten ausgelöst? Es gibt noch immer viele Konditoreien, bei denen zieht sich niemand einen Handschuh an und nimmt das Tortenstück derart abgesichert aus der Vitrine. Was macht der Bäcker des Vertrauens, bei dem angeblich immer mehr Menschen einkaufen, weil die dort angebotenen Produkte noch aus natürlichen Zutaten hergestellt werden? Waschen Sie sich seitdem nicht mehr die Hände wenn Sie am WC waren, denn nun gibt es ja Zange und Einweghandschuhe? Nicht nur, dass mit dieser Methode unnötiger Müll produziert wird, die Übertragung von Bakterien können Sie damit auch nicht verhindern. Wenn Sie Ihr Frühstückskipferl - nachdem es mit Zange und Handschuh aus dem Fach entnommen wurde - anschließend in der U-Bahn verzehren, dann werden sicherlich alle Bakterien ausweichen. Die Leute werden sagen: "Achtung! Das isst jemand ein mit Handschuh und Zange entnommenes Gebäckstück. Da dürfen wir nicht hinniesen!" Man kann es schon ein wenig übertreiben. Wenn ich Gebäck einkaufen gehe, dann überlege ich mir vorher was ich nehmen möchte, entnehme es und fertig. Da wird weder etwas zurückgelegt noch niese ich auf die Ware. Aber vielleicht kommt noch eine Art "Pauschaldesinfektion" vor dem Einkauf, ein Seuchenteppich oder ein Schleuse, damit wir dann völlig keimfrei den Einkauf genießen können.
  • Backshop
    von Merlin 1 am 16.04.2017 um 10:32
    Herr Früholz Ihr Artikel trifft die Realität wirklich sehr. Wir haben hier am Land nur das eine Lebensmittelgeschäft... wie von Ihnen genannt den Billa und sind angewiesen dort einzukaufen. Das mit dem neuen System mit dem Gebäck ist wirklich sehr problematisch. Leider ist das den Erfindern glaube ich nicht wirklich bewusst. Es gibt große Unterschiede wo man einkauft Land oder Stadt. Wo keine Konkurrenz ist wird leider geschlammt. Die Mitarbeiter erklären das Sie durch das System bedeutend mehr Arbeit haben und nicht wie gedacht mehr Zeit haben um sich um die Kunden zu kümmern. Leider kein extra Personal oder Erhöhung der Wochenstunden für die Mitarbeiter die die Backshops betreuen. Billa macht nur das nach was andere begonnen haben aber leider nicht sehr effizient. Das neue System lässt sich leider nicht überall gleich gut und gleich erfolgreich umsetzen. Das alles zum Leidwesen der Kunden die sich mit dem System anfreunden müssen so wie es bei uns der Fall ist.
  • Handsemmel
    von Grouper am 13.04.2017 um 19:43
    Daß es beim Billa jetzt Handsemmeln gäbe, wäre mir neu.
  • Handsemmel
    von Max Mustermann am 31.03.2017 um 18:35
    Ich glaube, das verstehen die meisten falsch und nehmen die Semmeln (auch die anderen Waren) einfach mit der bloßen Hand raus. Besonders im Winter, wenn die Leute in die Hand niesen ....
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