Facebook und der Datenschutz

Interview mit Dr. Höhne und Mag. Koukal

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veröffentlicht: 21.05.2012, aktualisiert: 24.05.2012

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KONSUMENT: Darf Facebook Kommentare und private Mitteilungen verwenden?

Diese persönlichen Texte sind eine wesentliche Quelle für das Geschäftsmodell von Facebook. Sie werden zwar nicht woanders veröffentlicht oder gar verkauft. Das Un-ternehmen analysiert jedoch Kommentare, Statusmeldungen und auch private Mittei-lungen und ordnet sie anhand von Schlüsselworten im Text verschiedenen Interes-senskategorien zu. Facebook blendet dann den Nutzern passende Werbung ein. Die Auswertung von Kommentaren und Mitteilungen erfolgt nur innerhalb von Facebook. Die Inhalte sind nur jenen Personen zugänglich, für die der einzelne die Inhalte freige-geben hat.

KONSUMENT: Ist das Markieren von Personen auf Fotos („Tagging“) zulässig? Kann ein Nutzer das verhindern?

Eine heikle Frage. Schließlich markieren andere die Fotos ohne Zutun des Abgebilde-ten. Facebook steht auf dem Standpunkt, dass der Nutzer mit der Registrierung die Einwilligung erteilt hat. Es ist nicht möglich, Markierungen durch seine Freunde von vorneherein zu verbieten, außer man blockiert die betreffende Person zur Gänze und kündigt ihr damit die Freundschaft. Jeder Nutzer kann lediglich bestimmen, wer die auf der Profilseite aufgelisteten Hinweise - „… wurde auf XYs Foto markiert“ - lesen kann. Außerdem hat man die Möglichkeit, alle Markierungen, welche von Freunden zu den eigenen Inhalten hinzugefügt werden, vorab zu überprüfen, bevor diese auf Facebook angezeigt werden.

KONSUMENT: Ist Facebook verpflichtet, Auskunft über die Verwendung persönlicher Daten zu erteilen? Wenn ja, was muss ich tun?

Ja, Facebook muss diese Auskunft erteilen. Denn seine irische Niederlassung, die für europäische Kunden Vertragspartner ist, unterliegt dem europäischen Datenschutz-recht. Und dieses gewährt das Recht, Auskunft über alle verwendeten Daten zu be-kommen.
Die Initiative „Europe versus Facebook“ von Max Schrems hat den Stein ins Rollen ge-bracht. Herr Schrems hat von Facebook auf sein Auskunftsersuchen Material im Um-fang von mehr als  1.200 A4-Seiten bekommen.

Allerdings ist Facebook derzeit nicht mehr so kooperativ, da das Unternehmen offenbar auf einen Schlag sehr viele Auskunftsbegehren erhalten hat. Facebook bietet nun – Stand 5/2012 – ein Downloadtool an, mit dem man sein Profil herunterladen kann. Herr Schrems warnt: Dieses Instrument verschaffe einem nur einen Bruchteil der tatsächlich gespeicherten Daten.

Der Nutzer hat die Möglichkeit, eine kostenlose Beschwerde bei der irischen Datenschutzbehörde einzulegen, sollte Facebook keine vollständige Auskunft über die per-sönlichen Daten geben. Allerdings dürfte derzeit auch die Behörde überlastet sein.

KONSUMENT: Kann Facebook Passwörter sehen bzw. speichern und benutzen?

Wie Facebook die Passwörter verwaltet, wissen wir nicht. Sehr wahrscheinlich kennt Facebook die Passwörter nicht und kann diese daher auch nicht nutzen. Stattdessen dürfte Facebook nur eine verschlüsselte Form speichern, die aus dem eingegebenen Passwort bei der Registrierung zu Facebook errechnet wird. In der Vergangenheit sind zwar einige Internetanbieter negativ aufgefallen, die haben Passwörter im Klartext ge-speichert und deswegen konnten diese auch gestohlen werden. Wir gehen davon aus, dass Facebook nicht dazu gehört.

Facebook ist auch gar nicht darauf angewiesen, mit dem Passwort in den Account der Nutzer einzusteigen. Denn als Administrator des sozialen Netzwerks hat es ohnehin umfassende Möglichkeiten, Inhalte einzusehen und zu ändern.

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Kommentare

  • Datenschutz gehört nicht zum Geschäftsmodell
    von powerplana am 21.05.2012 um 14:31
    Na ja, es ist ja so ähnlich wie bei Google und wohl Teil des Geschäftsmodells. Da kommt ein Konzern daher und schafft einfach einmal weltweit Fakten, die nationalen bzw. europäischen Gesetzgebungen sind da zunächst egal oder hinken eben hinterher. Aber es gibt ja auch ein Leben ohne Facebook :)
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