KONSUMENT.AT - Fairphone - "Es geht um eine längere Nutzungsdauer"

Fairphone

"Wir befinden uns auf einer langen Reise"

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KONSUMENT 2/2020 veröffentlicht: 30.01.2020

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Wenn bekannt wird, dass ein Zulieferer ernsthafte Defizite bei den Arbeitsbedingungen oder auf einem anderen Gebiet hat, sagt Fairphone, es sei besser, den Betrieb zu einer Verbesserung der Lage zu bewegen, als den Zulieferer zu wechseln. Ist das ein realistischer Zugang? Angesichts dessen, dass – etwa im Kongo – brutale Warlords das gesamte Geschäft kontrollieren?

Zunächst: Wir suchen immer nach Möglichkeiten, mit Partnern zusammenzuarbeiten. Bei allen Unternehmen in der gesamten Zulieferkette gibt es Leute, die bereit sind, Änderungen herbeizuführen; die Bescheid wissen über die gängigen Praktiken in der Industrie und über die Probleme, die es dabei gibt. Naiv wäre es, wenn wir von Amsterdam aus versuchen würden, die Dinge zu verändern. Wir suchen aber die aktive Partnerschaft vor Ort, suchen Leute, die mit der lokalen Situation vertraut sind.

Und was wichtig ist – etwa, was die Konfliktmineralien im Kongo betrifft: Wenn Sie sich zurückziehen aus diesen Bergwerken, weil die Arbeitsbedingungen schrecklich sind, dann würden Sie die lokale Wirtschaft zerstören. Das hilft niemandem. Ich finde, die Rolle von Fairphone muss sein, eine Nachfrage nach sauberen Mineralien zu erzeugen, um Anreize zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu schaffen. Daher denke ich, unser Zugang ist nicht naiv, er ist nur schwieriger; mit dem Ziel, die Situation vor Ort zu verbessern.

Sie sagen, Produkte zu verkaufen sei nicht der Weisheit letzter Schluss. Besser wäre es, die Hersteller würden ihre Produkte nur zur Benutzung anbieten. Dann hätten sie die Motivation, die Lebensdauer ihrer Produkte möglichst zu verlängern. Das kann ja bei Waschmaschinen gut funktionieren, aber bei Smartphones? Viele Menschen haben ein geradezu erotisches Verhältnis zu ihrem Handy, das wollen sie doch unbedingt besitzen.

Unser Ziel ist: Wir wollen, dass die Menschen ihr Telefon länger nutzen. Und dazu braucht es neue Business-Modelle. Derzeit ist es ja so, dass ein Unternehmen nur beim Verkauf eines Telefons Geld verdient. Wenn aber der Hersteller einen Service zur Benutzung des Telefons anbietet, bleibt er Eigentümer des Telefons und bleibt auch verantwortlich dafür. Dann wird er ein Interesse haben, dass das Telefon so lange wie möglich genutzt wird.

Auch jenen Personen, die eine besondere Beziehung zu ihrem Telefon haben, gilt es, einen Anreiz dafür zu geben. Wobei ich aber glaube, dass wir gerade einen Wechsel erleben – vom Eigentum zur Nutzung. Die jüngere Generation hat eine geänderte Haltung zum Eigentum, ist offener dafür, ein Produkt zu benutzen statt es tatsächlich zu besitzen. Aber so oder so: In beiden Fällen gilt es, die Leute zu motivieren, ihr Telefon so lange wie möglich zu behalten.

Wissen Sie, wie lange Fairphone-Kunden ihr Smartphone behalten? Länger als ein durchschnittlicher iPhone- oder Samsung-Nutzer?

Das kann ich nicht beantworten. Wir berechnen zwar unterschiedliche Unternehmenskennzahlen, aber um das zu messen, müssten wir individuelle Telefone nachverfolgen und das ist etwas, was wir nicht tun.

Trotz einiger Mängel kann man konstatieren, dass das Fairphone-Projekt alles in allem erfolgreich war. Weit mehr als man erwarten konnte. Was könnten Sie also jetzt noch erreichen?

Danke für das Kompliment. Aber es gibt eine Menge von Verbesserungen, die noch zu erreichen sind. Wir sind noch lange nicht fertig. Haben wir einmal Erfolg bei einem bestimmten Rohstoff erzielt oder die Arbeitsbedingungen in einem bestimmten Bereich verbessert, versuchen wir, uns mit anderen Unternehmen zusammenzutun, um dort die Situation zu verbessern. Es gibt mehr als genug andere Aufgabenstellungen, wo wir mit der Arbeit beginnen könnten. Wir haben mit dem Launch des Fairphone 3 einen großen Erfolg erzielt, und wir sind superstolz darauf. Aber unsere Mission ist hier nicht zu Ende. Es gibt mehr als genug Raum für Verbesserung und mehr als genug Ambition bei Fairphone, die Arbeit fortzuführen.

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