KONSUMENT.AT - Bananen: Bio gegen Pilzbefall - Fairtrade: "Es ist eine wunderbare, eine andere Welt!"

Bananen: Bio gegen Pilzbefall

Vorteile von Fairtrade im Interview

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KONSUMENT 1/2020 veröffentlicht: 19.12.2019, aktualisiert: 28.01.2020

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Können Sie uns über die Kooperative Asoguabo erzählen? 

Wir haben 130 Mitglieder mit insgesamt 1.200 Mitarbeitern und sind damit eine der größten Bananen-Kooperativen in Ecuador. Asoguabo ist seit 23 Jahren Fairtrade-zer­tifiziert und ein Pionier im fairen Handel. Unsere Bananen werden vor allem nach Österreich, Deutschland, Italien, Belgien und Neuseeland exportiert, ein kleiner Teil auch nach Kanada und in die USA.

Wie hoch ist der Anteil der Fairtrade-produzierten Bananen? 

Wir sind zu 100 Prozent Fairtrade- und zu 80 Prozent bio-zertifiziert.

Was hat sich für Sie durch die Fairtrade-Zertifizierung verändert? 

Ich bin seit 2004 bei der Kooperative. Davor war es schwierig, ich konnte vom konven­tionellen Bananenanbau nicht leben. Es gab große Schwankungen beim Preis, die Investitionen unmöglich machten. Seit ich im Fairtrade-System bin, ist unsere Lebensqualität stark gestiegen. Es ist eine wunderbare, eine andere Welt! Die Produktivität ist gestiegen und dank Fairtrade gibt es nun einen stabilen Mindestpreis und eine Fairtrade-Prämie. Die Angestellten profitieren von geregelten Arbeitszeiten, einer Versicherung sowie Schulmitteln für Kinder. Fairtrade bedeutet Hoffnung, Nachhaltigkeit, Leben.

Wie war der Umstieg für Sie? 

Es war nicht einfach, weil die Fairtrade-Standards sehr fordernd sind und es ge­wisse Anstrengungen braucht, sie zu erfüllen. Da mein Schwager bereits Erfahrung mit Fairtrade hatte, konnte ich mir bei ihm Rat ­holen. Seit ich das Fairtrade-System kennenlernte, wollte ich auch dabei sein – mir war sofort klar: Das ist es, was ein Produzent braucht.

Fairtrade verbietet Kinderarbeit. Ist das in Ecuador ein Thema? 

Die Arbeitsgesetze in Ecuador sind streng und Kinderarbeit ist generell verboten.

Wofür wird die Fairtrade-Prämie in Ihrer Kooperative verwendet? 

  • Wir haben für eine Schule mit 100 Schülern eine Trinkwasseraufbereitungsanlage gebaut. Vorher gab es dort nur verschmutztes Wasser; jetzt profitiert die gesamte Gemeinde mit über 500 Menschen davon.
  • In meh­reren Schulen wurden zusätzliche Klassenzimmer errichtet, eine Gemeinde bekam eine Ambulanz mit Apotheke und zwei Ärzten.
  • Auch Spielplatzgeräte und sanitäre Anlagen für Schulen wurden angeschafft. Der Jubel der Kinder, wenn wir sie besuchen kommen – das ist Fairtrade für mich.
  • Wir haben ­Plastikrecycling-Sammelstellen eingeführt, da in der Produktion sehr viel Plastik anfällt. Früher wurde es verbrannt, jetzt wird es ­wiederverwertet! Auch das Altöl aus den Maschinen wird gesammelt und recycelt.
  • In einem Wiederaufforstungsprogramm haben wir uns dazu verpflichtet, 100.000 Bäume zu pflanzen, um das Wassereinzugsgebiet in der Region zu schützen.
  • Auch um unsere ­Alten kümmern wir uns: Es gibt Fortbil­dungen für ältere Menschen, Therapien, Ausflüge und andere Aktivitäten. Und vor allem die Jungen liegen mir am Herzen, auch für sie bieten wir Weiterbildungen an. Ein Studium ist für junge Menschen aus unserer Region oft schwierig.

Profitieren die Arbeiter auf Ihren Plantagen auch von Fairtrade? 

Auf jeden Fall. Manche Arbeiter sind die ganze Woche über bei uns beschäftigt, manche nur einen Tag, um die Bananen zu ernten und zu verpacken. Alle profitieren vom Fairtrade-System.

Fairtrade und Bio Konsum in Österreich (Foto: Yevhenii Popov /Shutterstock; Grafik: Seyser)

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