KONSUMENT.AT - Fitness-Studios - Unfaire Vertragsklauseln, Ausstieg

Fitness-Studios

Drum prüfe, wer sich bindet ...

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KONSUMENT 2/2020 veröffentlicht: 30.01.2020

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Klauseln vor Gericht

Aber nicht nur in unserer Beratung, auch in unserer Rechtsabteilung sind Fitness-­Studios immer wieder ein Thema. Schon in mehreren Fällen (u.a. CVS Fitness GmbH, Happy-Fit Fitness GmbH, ­Fitinn, McFit, ­Fitter Hirsch und Clever fit) ist es gelungen, unfaire Vertragsklauseln zu eliminieren.

Beate Gelbmann, in unserer Rechtsabteilung zuständig für Klagen: "Von besonderer ­Bedeutung ist ein OGH-Urteil, dem zufolge bei Fitness-Verträgen eine 24-monatige Bindung unzulässig ist."

Unter normalen Umständen aus einem ­laufenden Fitnessvertrag auszusteigen, ist also – wie die Erfahrung zeigt – denkbar schwierig. Freilich gibt es aber immer die Möglichkeit, in außergewöhnlichen Fällen direkten Kontakt mit dem Betreiber des Studios aufzunehmen, um eine einvernehmliche Lösung (etwa eine Unterbrechung des Vertrages oder die Übertragung auf eine andere Person) zu finden.

Ausstieg bei groben Mängeln

Bei eindeutig unzumutbaren Umständen können Sie den Vertrag beenden. Nur, was heißt "unzumutbar" in der Praxis? Werden etwa zugesagte Leistungen, die letztlich für Sie bei Vertragsabschluss wesentlich waren, nicht (mehr) erbracht, stehen die Chancen günstig.

Ein Beispiel wäre: Der ­ursprünglich vorhan­dene Swimmingpool wird stillgelegt. Schon etwas komplizierter wäre es, wenn sich die Öffnungszeiten ­ändern, ein besonders wichtiges Gerät oder ein für Sie wich­tiger Kurs nicht mehr angeboten wird oder mangelnde Hygiene ins Spiel kommt.

In diesen Fällen gilt: Ihr Vertragspartner muss die Möglichkeit ­haben, den Mangel zu beheben, und Sie müssen mit guten Argumenten darlegen können, dass die zugesagte Leistung für den Vertragsabschluss entscheidend war – letztlich eine Beweisfrage.

VKI-Juristin Maria Ecker: "Ich empfehle ­jedenfalls, eine möglichst kurze Bindungsfrist zu vereinbaren. Selbstverständlich können Sie sich auch bei Problemen mit Fitness-Studios an uns wenden, aber wenn Sie unsere 10 Kriterien beachten, wird das vielleicht gar nicht nötig sein."

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Kommentare

  • Vertrag lesen
    von Retro am 01.02.2020 um 08:43
    Nein, ist nicht einfach. Ich bin selbst ein älteres Semester und in dieser Hinsicht geschult. Der Durchschnitt hat Probleme damit, seitenlang Kleingedrucktes wirklich zu erfassen. Oft wird nachgefragt und den mündlichen Zusicherungen geglaubt. Wenn sich diese als falsch herausstellen: Pech gehabt.
  • Ja, Verträge lesen
    von Krentschker am 31.01.2020 um 21:08
    Ist in der Tat eine schwierige Aufgabe. Dem gemeinen Österreicher sollte generell die (selbstständige) Geschäftsfähigkeit abgesprochen werden, Vertragsabschlüsse nur mehr durch rechtsfreundliche Vertreter.

    Wenn ein Erwachsener nicht in der Lage ist einen Vertrag sinnerfassend zu lesen und zu verstehen, insbesondere einen hochkomplexen wie den Mitgliedsvertrag eines Fitnesscenters, sollte er auf sein Wahlrecht und eigentlich eh fast alles freiwillig verzichten.