24-Stunden-Betreuung: Pflegerinnen

Scheinlösungen

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KONSUMENT 5/2018 veröffentlicht: 26.04.2018

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Selbstständige Pflegerinnen aus Osteuropa nehmen uns den Großteil der Altenbetreuung ab. Gedankt wird es ihnen kaum: Sie sind scheinselbstständig, rechtlos und finanziell am Existenzminimum.

Legalisierung der 24-Stunden-Pflege

Mit der Legalisierung der 24-Stunden-Pflege – sie trat 2007 in Kraft – sollte die vormals häufige Praxis der illegalen Betreuung rechts­konform gemacht werden. Betreuungs­bedürftige Haushalte können seither selbst eine Betreuungskraft beschäftigen oder ­Betreuer von einer Sozialorganisation engagieren oder aber eine selbstständige Person unter Vertrag nehmen. In der Praxis gibt es so gut wie ausschließlich selbstständige ­Betreuer: Unselbständige machen laut einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) aus dem Jahr 2017 gerade einmal 0,18 Prozent der Förderfälle aus.

Was ist da selbstständig?

In der Theorie würde das heißen: Die Betreuer arbeiten selbstständig in einem freien Gewerbe. Sie können sich ihre Auftraggeber aussuchen und mit ihnen ausverhandeln, welche Dienstleistung sie für welchen Preis erbringen. Sie können entscheiden, wann sie arbeiten, ob sie Pausen einlegen oder eine Vertretung schicken wollen.

Jedoch: All diese für Gewerbetreibende selbstverständlichen Arbeitsbedingungen gibt es in dieser Branche nicht. Es ist die Vermittlungsagentur, die der Betreuerin einen Betreuungsfall zuweist, die Vertragsbedingungen sind fix vorgegeben; das betrifft den Tarif, die Arbeitszeit, eventuelle Pausen und die exakte Beschreibung der zu erfüllenden Tätigkeiten. Was an dieser Tätigkeit ist also selbstständig? Genau nichts – ein klarer Fall von Scheinselbstständigkeit?

Mangelnde Deutschkenntnisse

Die Probleme sind zu einem Großteil in den mangelnden Deutschkenntnissen der Betreuungspersonen begründet. Viele Neu­ankömmlinge wissen gar nicht, dass sie selbstständig sind; sie werden in dem Glauben gelassen, angestellt zu sein – und ihre Tätigkeit ist ja auch alles andere als eigenverantwortlich.

Es sind überwiegend Frauen, die den Beruf der 24-Stunden-Betreuung ausüben. Die WIFO-Studie kommt gerade einmal auf einen Anteil männlicher Betreuungskräfte von 5,2 Prozent. Es sind meist ältere Frauen – nur ein Viertel ist unter 40 Jahre alt. Das deutet darauf hin, dass auch in den Ländern Osteuropas die Attraktivität eines 24-Stunden-Jobs in Österreich überschaubar ist.

Lohnniveau gestiegen

Das Lohnniveau hat sich in den vergan­genen Jahren an den Westen angenähert, 40 bis 60 Euro am Tag kann man auch ­daheim verdienen – und das bei einem 8-Stunden-Tag. Nur für ältere Frauen gibt es offenkundig stark eingeschränkte Beschäftigungsmöglichkeiten.

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Kommentare

  • Unrühmliche Rollen auch bei den Pflegerinnen
    von RomanM. am 24.05.2018 um 19:30
    Aus eigener Erfahrung: Pflegerin lehnt 2-wöchigen Wechsel ab sondern will gleich ein paar Monate durcharbeiten, obwohl sie weiß das sie eine an Demenz leidende Frau zu betreuen hat! Ist zu derselben ungehalten und fährt diese u.a. an "Hör einmal auf, ich kann das schon nicht mehr hören!" weil die alte Dame nach Hause will obwohl sie zuhause ist aber dies krankheitsbedingt nicht erkennen kann. Verlangt am 2. Tag die Anschaffung eines Internetanschlusses weil sie diesen brauchen würde, raucht ständig in Gegenwart der zu betreuenden Person obwohl in diesem Haus noch nie geraucht wurde! Anstatt der zu betreuenden Dame in der Nacht auf die Toilette zu helfen wird ihr einfach eine Schutzhose verpasst mit der Begründung "Das ist besser für dich, da ersparst du dir das Aufstehen." Eine andere Kollegin von ihr, angeblich mit Krankenpflegediplom, kann eine Antidekubitusmatratze trotz Einschulung nicht bedienen! Ein anderes Mal stürzt der Pflegling und zieht sich einen Beinbruch zu, Reaktion der Pflegerin: Steh ordentlich auf dem Fuß, du mußt dich anstrengen!" Ein Arzt wird erst Tage später verständigt, der Pflegling ins KH gebracht und operiert. Überlebt mit knapper Not! Ein Wechsel zu Pflegerinnen aus der Slowakei anstatt aus Rumänien brachte schließlich Abhilfe.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo