KONSUMENT.AT - Feuerbestattung im Krematorium - Nicht alles wird mitverbrannt

Feuerbestattung im Krematorium

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KONSUMENT 11/2012 veröffentlicht: 25.10.2012

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Blumen nicht mitverbrannt

Ein vor dem Ofen aufgestellter Sarg ist mit bunten Abschiedskarten geschmückt. Die letzten Grüße der Enkel an die Oma mit eigenen Zeichnungen. Sie werden mit im Ofen verbrannt, im Gegensatz zu Blumen und Kränzen, die auf die Seite gelegt werden.

Der Verstorbene ist im Sarg in der Regel so gekleidet, wie es die Angehörigen wünschen. Meistens trägt er feinen Stoff. Schuhe sind dagegen tabu, da Gummi schlecht verbrennt. Ein Herzschrittmacher wird vorher entnommen, da aufgrund der Batterie Explosionsgefahr besteht. Ein künstliches Gelenk oder Gebiss bleiben dagegen drin. Bevor der Sarg in den Ofen kommt, wird der Deckel noch einmal für einen letzten prüfenden Blick geöffnet. Es ist schließlich auch schon vorgekommen, dass einem verunglückten Motorradfahrer der Helm mit in den Sarg gegeben wurde. Die Angehörigen meinten es gut, doch der Ofen hätte Schaden nehmen können.

Schamottesteine entfachen Feuer

Die Ofentür öffnet sich, der Sarg wird hineingefahren. Man sieht kurz, dass er sofort Feuer fängt, als sich die Ofentür wieder schließt. Es sind die 750 Grad C heißen Schamottesteine, die den Sarg in Brand setzen. Heute werden die Steine mit Strom erhitzt. Früher diente dazu Koks, später für einige Zeit Gas.

In den ersten Minuten klettert die Temperatur auf 800 oder 850 Grad C, je nachdem, aus welchem Holz der Sarg ist. Mit Eichenholz lassen sich höhere Temperaturen erreichen als mit Lärchenholz. Und Pappelholz würde sofort zerfallen, daher ist es im Krematorium Steyr nicht zugelassen, genauso wenig wie ein Metallsarg.

Zu Staub zerfallen

Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil wird der Verstorbene nicht wie die böse Hexe im Märchen in ein offenes Feuer gefahren. Im Ofen herrscht nur Hitze, extreme Hitze. Zuerst fängt der Sarg an zu brennen, dann der Leichnam. Der Holzsarg ist notwendiger Bestandteil des Verbrennungsprozesses. Und im Unterschied zum Kachelofen zu ­Hause wird hier das Holz vollständig verbrannt.

Im Krematorium Steyr arbeiten nur Männer. Manchmal müssen sie ordentlich anpacken, denn dass ein Leichnam wesentlich mehr als 100 Kilogramm wiegt, ist keine Seltenheit mehr. Sind eigentlich auch schon einmal Prob­leme auf­getreten? Hat die Brennkammer gestreikt, war die Verbrennung unvollständig? Herr Fischer schüttelt den Kopf. Die Feuerbestattung sei gleichsam eine todsichere Sache.

Der Verbrennvorgang

Ein Blick durch das Guckloch: Zunächst sieht man gar nichts, nur Rauch. Später einen schwarzen Leichnam. Sukzessive schrumpft er zusammen, verliert seine Gestalt, zerfällt, löst sich auf, ist nicht mehr.

Übrig bleiben die Knochen. Poröse weiße Knochenreste. Und eventuell Schrauben, ­Gelenke, Zahnersatz – alles, was Mediziner einst dem Patienten eingesetzt haben. Sie werden entfernt, meist mithilfe eines Mag­neten. Schrauben, teils vom Sarg, teils vom Menschen, wandern in den Abfall, künstliche Gelenke in einen anderen Behälter.

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